Mit so viel Interesse hatte wohl auch Prof. Schumacher nicht gerechnet...fast 50 Teilnehmer hatten sich bei bestem Wanderwetter am Pfingstmontag vor dem Bürgerhaus in Freilingen eingefunden, um an der angekündigten naturkundlichen Exkursion in der Reetzer und Freilinger Gemarkung teilzunehmen. Belohnt wurden alle mit einem überaus interessanten Ausflug in die Pflanzenwelt des Junkerbergs und dem Tal des Weilerbachs, dem Zufluss des Freilinger Sees.

Rund 50 naturkundlich interessierte Wanderfreunde standen am frühen Pfingstmontag-Nachmittag am Treffpunkt vor dem Bürgerhaus Freilingen, um gemeinsam die reichhaltige Pflanzenwelt zwischen der alten Nike-Station und dem Freilinger See zu erkunden.

Dabei war der Veranstalter nach der Begrüßung durch Prof. Schuhmacher aufgrund des großen Andrangs erst einmal vor die Herausforderung gestellt, die gesamte Schar zum "Einstieg" an der K 71 zum Junkerberg zu befördern.

Dank des spontanen Einsatzes einiger zusätzlicher Fahrer gelang es aber dennoch, innerhalb kurzer Zeit alle zum eigentlichen Startpunkt der Wanderung zu transportieren. 

(Foto: Erwin Mungen)

Von dort ging es direkt hinauf auf den Junkerberg mit seinen Kalkmagerflächen. Im Auftrag von Prof. Schumacher war der dahin führende Feldweg einige Tage vorher im Hinblick auf eventuell regnerisches Wetter dankenswerterweise gemulcht worden, so dass man bequem alle Flächen erreichen konnte, zumal das Wetter entgegen der gemeldeten Gewitterschauer erfreulicherweise doch mitspielte.

Die NRW-Stiftung hatte vor Jahren auf dem Junkerberg größere Flächen übernommen und den Fichtenaufwuchs entfernt. Seitdem sind dort u.a. 6 verschiedene Orchideenarten und über 10.000 Schlüsselblumen anzutreffen.

(Grünliche Waldhyazinthe)

(Weißes Waldvöglein)

Natürlich hatte der fachkundige Wanderführer hier einiges über die heimischen Orchideenarten zu berichten. So erfuhr man, dass die Orchidee zwar zahlreiche Samen produziert (5000-10000), die Pflanze aber beste Bedingungen vorfinden muss, um sich zu vermehren. Dazu bedarf es vor allem gemähter Flächen, damit die Samen überhaupt in den Boden gelangen, womit er dann umfassend auf die Bedeutung des Vertragsnaturschutz durch örtliche Landwirte zu sprechen kam.

Vorbei führte die Wanderung dann an einem bewirtschafteten Acker, dessen Randstreifen eine bunte, vielfältige Pflanzenwelt aufwies, die ausgiebig vorgestellt wurde ( z.B. Mohn, Margerite, Hundskamille, Frauenspiegel, wilder Feldsalat).

(Foto: Erwin Mungen)

(Foto: Erwin Mungen)

Hier erklärte Prof. Schumacher, dass im Kreis Euskirchen vor einigen Jahren 1.000 km Ackerrandstreifen über ein spezielles Förderprogramm bearbeitet worden seien, was allerdings heute weniger sei. 

Die extensive Ackernutzung beinhaltet im Wesentlichen jeglichen Verzicht auf Unkrautbekämpfungsmaßnahmen und Beschränkungen im Bereich der Düngung. Sie dient vornehmlich dem Schutz der Ackerlebensgemeinschaften, insbesondere dem Schutz gefährdeter Ackerwildkrautarten. Von den 319 Ackerwildkrautarten stehen in NRW 111 Arten als ausgestorben oder gefährdet auf der Roten Liste.

Im Verlauf des dann folgenden Weilerbachtals mit seinen eher sauren Böden und anderen Gesteinsarten erfuhren die Teilnehmer auf unterhaltsame Weise interessante Fakten zu den verschiedensten hier vorzufindenden Pflanzenarten wie den Wiesenstorchenschnabel, Johanniskraut, die schwarze Teufelskralle oder die Bruchweide. 

(Foto: Erwin Mungen)

"Im Weilerbachteil mit seinen vielen extensiv genutzten Flächen besteht aufgrund der großen Blütenvielfalt keine Gefahr für die heimische Insektenwelt", so der ehemals an der Bonner Universität für die Fachgebiete Geobotanik und Naturschutz zuständige emeritierte Professor. Hier werden mindestens 25 % als artenreiche Flächen bewirtschaftet, auf denen auf 20 m² bis zu 30 Arten anzutreffen sind. Gemäht werden diese Wiesenflächen erst ab Mitte Juni. Die späteren Mähtermine sind notwendig, damit die verschiedenen Blumen blühen und ihre Samen wieder verteilen können und Schmetterlingen und zahlreichen anderen Insekten ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Da die der Erträge auf diesen Flächen geringer sind und das Heu nicht so energiereich wie die Silage von den früh gemähten und intensiv gedüngten Flächen ist, erhalten die "Vertragsnaturschützer" hier Sonderprämien.

Die späte Maht ist vor allem hinsichtlich eines bei den Landwirten gefürchtetes Kraut von Vorteil: der Herbstzeitlose.

(Fotos: Erwin Mungen)

Insbesondere die Samen und frischen Fruchtstände sind für Pferde und Kühe giftig. Werden die Wiesen später gemäht, sind die Samen aber in der Regel schon ausgefallen. Die verwelkten Blätter sind dann im Viehfutter nicht mehr ganz so problematisch. 

Insgesamt konnte man dem Vortrag entnehmen, wie wichtig die Zusammenarbeit der Landwirte mit dem Naturschutz ist und dass nur ein Hand in Hand einerseits ein auskömmliches Wirtschaften für die Betriebe und andererseits einen effektiven Naturschutz zum Erhalt der Artenvielfalt ermöglicht. Aufklärung und objektive Information sind in diesem Zusammenhang erforderlich, um Vorbehalte und Vorurteile abzubauen. 

Am Ende dieses kurzweiligen Ausflugs in die heimische Pflanzenwelt wurde den allesamt begeisterten Teilnehmern jedenfalls eindrucksvoll vor Augen geführt, wie vielfältig die Natur vor unserer Haustüre ist und welcher Einsatz auf verschiedenen Ebenen dazu notwendig ist und auch geleistet wird, vor allen Dingen auch von den Landwirten. 

 

(zarte Teufelskralle)

(schwarze Teufelskralle)

(Fotos: Erwin Mungen)

So konnte man dann an der abschießenden gemeinsamen Kaffeetafel im Bürgerhaus auch noch einmal ausgiebig alle neu gewonnen Erkenntnisse und Eindrücke im Gespräch rege austauchen, und das dank der zahlreichen Blumengestecke auf den Tischen auch noch in besonderem themengerechtem Ambiente. 

Alle waren sich am Ende einig, dass diese Veranstaltung in jedem Fall wiederholt werden muss. 

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an Prof. Wolfgang Schumacher für die informative Exkursion und seinen unermüdlichen Einsatz für den Naturschutz, an die Vertragslandwirte Roswitha und Stefan Hermeling für die Hilfe bei der Organisation dieser Veranstaltung (inklusive der dank des hofeigenen Polterabends zur Verfügung gestellten Blumengestecke) und an Erwin Mungen für seinen unermüdlichen fototechnischen Einsatz. 

 

 

 

 

 

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