Nach über 30 Jahren ist Schluss...Käsper (Reinhold) und Ingrid Schwarz haben sich endgültig dazu entschlossen, ihre Zeit als Wirtsleute des traditionellen Freilinger Gasthauses zu beenden. Sie selbst stellen den Betrieb der Gaststätte Meiershof ein und sind demnächst allenfalls noch vor der Theke zu finden. Damit geht wahrlich eine Ära zu Ende, die Freilingen ganz wesentlich geprägt und dafür gesorgt hat, dass die Freilinger Veranstaltungsszene über die Grenzen unseres Ortes hinaus bekannt und beliebt ist. Wir bedanken uns bei den beiden ganz herzlich für ihren jahrelangen Einsatz und werfen zusammen mit Ingrid und Käsper einen wehmütigen Blick zurück auf ganz besondere drei Jahrzehnte "KKK": Käspersche Kneipen Kultur!

 

Der Anfang und das Ende einer Ära

 

In der bisher ältesten bekannten Urkunde über Freilingen aus dem Jahr 1397 wird der "Meiershof" in Freilingen als Lehnshof von Gerhard von Blankenheim erwähnt. Rund 625 Jahre später geht die Ära der zumindest vorläufig letzten Gaststätte zu Ende, denn die Gastwirte Ingrid und Käsper (Reinhold) Schwarz schließen (endgültig) die Kneipen-Tür ab.

Damit endet eine langjährige Gasthausgeschichte. Denn der Meiershof hat als ursprünglicher Lehnshof der Grafen von Blankenheim-Manderscheid ein lange Tradtition, ja sogar die längste nachweisbare Geschichte von allen Anwesen und Gebäuden in Freilingen überhaupt. Der Name leitet sich ursprünglich davon ab, dass die Vorsteher und Verwalter der Herrenhöfe Meier hießen, das verwaltete Gut daher Meierhof genannt wurde.

Um das Jahr 1700 sass auf dem Hof eine Familie Meyers, die den Name des Hofes wohl endgültig prägte. Später kam das Gut in den Besitz der Familie Poensgen aus Schleiden, welche die Ländereien 1860, aufgeteilt in mehrere Lose, parzellenweise verkaufte. Das Haus erwarb ein Peter Josef Riethmeister und es kam von diesem durch Einheirat 1877 an den neuen Besitzer Johann Adam Hellendahl.

Sein Sohn Jakob Hellendahl (gestorben 1939) übernahm die Gastwirtschaft und wurde nur „Der Höffer" genannt. So nannte man früher meistens die Inhaber eines Hoflehens. In den 1920er Jahren baute er die Gastwirtschaft innen aus.

 

(der Meiershof um 1930)

1938 erfolgte der Anbau für die Küche mit den Räumen, in denen lange Jahre die Post untergebracht war. Im gleichen Jahr wurde auch der Saal vergrößert, der jedoch 1949 ganz abgerissen und in einer Größe von 12 x 20 m völlig neu gebaut wurde. Er erhielt eine 70 m2 große tiefergelegte federnde Tanzfläche, die vor allem auf der Kirmes in Schwingung gebracht wurde. 

1964 wurden die Wirtschaftsgebäude vergrössert. Ein Jahr später wurde der Anbau aufgestockt und alles neu verputzt.

Bis 1954 führte Jakobs Frau Anna Maria Hellendahl die Gaststätte als Wirtin. Nach ihrem Tod lief die Gaststätte weiter unter den "Geschwistern Hellendahl (14 Kinder hatte die Familie Hellendahl, wovon allerdings zwei bereits in jungen Jahren und zwei im 2. Weltkrieg verstorben waren). 

Sohn Hubert war jedoch der Wirt, der jahrelang die Gaststätte und damit auch die traditionellen Veranstaltungen in Freilingen im Saal prägte und den Wirtschaftsbetrieb trotz einer schweren Krebserkrankung, an der er 1987 im Alter von nur 65 Jahren verstarb, aufrecht hielt.

(Hubert Hellendahl im Jahr 1984)

Albert Luppertz führte in seiner Grabrede damals aus: "Mit dir ist ein Stück Freilingen von uns gegangen, eine Institution, die wohl nie mehr zu ersetzen sein wird. Alle Vereine haben dir zu danken, denn du hast nicht nur mit Rat und Tat geholfen, sondern mit finanziellen Mitteln manche Aktionen erst ermöglicht. Deine Gradlinigkeit, deine persönliche Bescheidenheit und deine fast patriotische Liebe zu Freilingen waren immer wieder beeindruckend; du fühltest Verantwortung für unser Dorf und seine Bevölkerung. Und deshalb war es für dich eine Selbstverständlichkeit, als "Chef" vom Meiershof uns immer wieder durch all die Jahrzehnte hindurch deine Gaststätte mit dem Saal, der guten Stube von Freilingen, für Feiern und Feste ohne bedrückende Auflagen zur Verfügung zu stellen."

Was Albert sich damals nicht vorstellen konnte : Käsper und Ingrid Schwarz sollten als Nachfolger von Hubert den "Meiershof" unter ihrer "Verwaltung" zu noch größerer gesellschaftlicher Bedeutung führen. Die Worte des langjährigen Vereinskartellsvorsitzenden würden daher eins zu eins auch für Käsper gelten können, mit dem erfreulichen Unterschied, dass sich sowohl Käsper als auch Ingrid bester Gesundheit erfreuen. Und das trotz der stressigen und auch körperlich anstrengenden 33 Jahre Wirtshausbetrieb.

Alles begann für Käsper damals, Anfang der 80iger Jahre mit gelegentlichen Aushilfen auf Meiershof, aus dem übrigens auch seine Oma gebürtig stammt. Hubert konnte krankheitsbedingt den Betrieb nicht mehr alleine führen und war froh, mit dem ständig gut gelaunten und vielseitig begabten jungen Mann eine Hilfe zu haben, zunächst als Kellner bei Festen, dann stundenweise für den Thekendienst unter der Woche, dann auch für den gesamten Kneipenbetrieb am Wochenende.

Als der alte Wirt starb, kam die Familie Hellendahl auf Käsper zu und fragte, ob er die Kneipe nicht ganz übernehmen wolle. Zunächst pachtete Käsper den Betrieb nur. Die Entscheidung, die Kneipe zu kaufen, fiel erst nach einem Jahr. Schließlich ging Käsper ja Vollzeit arbeiten und die drei Kinder waren noch klein. Nach langen Überlegungen und vielen Ratschläge wagten Ingrid und Käsper dann doch den Schritt in die "wirtschaftliche Unabhängigkeit" und standen offiziell ab dem 1. April 1989 als Wirsleute hinter der Theke, und das quasi nebenbei.

Aber wie hat Käsper einmal gesagt: Die „Schreinerei“ ist meine Berufung, Wirt sein ist Arbeit mit Spaß!

(s. auch Interview mit Käsper).

Nun, nach 33 Jahren Kneipenbetrieb ist leider Schluss, womit auch eine ganz besondere "Kneipen-Kultur" in Freilingen endet. Denn die beiden haben die Veranstaltungsszene in den letzten 30 Jahre maßgeblich geprägt. Sie sorgten zum einen für ein besonderes Wohlfühlambiente für ihre Gäste, indem sie in den letzten drei Jahrzehnten nach und nach den Saal, die Toiletten (s. Bericht) , den eigentlichen Gastraum und den "Biergarten" sanierten und gestalteten. Zum anderen trugen sie auch maßgeblich zu einem ideenreichen und abwechslungenreichen Veranstaltungskalender in Freilingen bei, indem man sich immer etwas besonderes einfallen ließ. 

Neben den traditionellen Terminen wie Karneval, Kirmes, Theater und Barbara-Konzert wurden auf Meiershof die unterschiedlichsten Events geboten, allen voran das beliebte Scheunenfest und die überregional bekannte und beliebte Bierwoche.

(der letzte Bierwochendonnerstag 2019)

Die Kreativität vor allem von Käsper kannte in den vergangenen Jahren fast keine Grenzen (s. z.B. den Bericht über die getrennte Karnevalssitzung).

Ich verabrede mich mit den beiden, um mit ihnen gemeinsam auf die letzen 3 Jahrzehnte, die Corona-Zeit und ihre neuen Lebensabschnitt ohne Kneipenbetrieb zu blicken.

Wir treffen uns zu einem „Kneipengespräch“ in der Wohnung der beiden, die über den Gasträumen liegt. Das letzte Mal war ich hier auf der Karnevalssitzung 2020, weil sich die Überraschungsprinzenpaare immer in den Privaträumen heimlich umziehen durften. Wohnzimmer und Küche, die in einem großen Raum ineinander übergehen, sind nicht mehr wieder zu erkennen.

Voller Stolz erzählt Käsper mit leuchtenden Augen detailliert, was die beiden in der Corona-Zeit wie so viele andere alles renoviert haben. Auf die neue Hochglanzküche ist der leidenschaftliche Schreiner besonders Stolz. Sie ist auch dank seines ausgesprochenen Sinns für praktische Elemente und „saubere Übergänge und Abschlüsse“ ein absoluter Hingucker.

Das Highlight des umgestalteten Wohnzimmers ist ein hochmoderner Pelletofen, der sogar über das Handy bedient werden kann. Das hinter einer Scheibe flackernde Feuer strahlt eine wohlige Wärme aus und man verspürt regelrecht den Drang, es sich auf der einladenden Couch so richtig gemütlich zu machen.

Und das machen die beiden dann auch.

(die gewonnen Freiheit auf der Couch)

„Jahrelang hatten wir einfach keine Zeit, irgendetwas richtig zu renovieren. Jetzt haben wir alles so gestaltet, wie es uns gefällt“, führt Ingrid an. "Ohne Corona wäre jetzt ganz sicher alles noch beim Alten."

Der erste Lockdown und damit die Schließung der Gastwirtschaft kam für sie wie für alle anderen Gastronomen auch überraschend. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden sich noch nicht ernsthaft damit befasst, den seit über 30 Jahren geführten Kneipenbetrieb (endgültig) an den Nagel zu hängen. Im Gegenteil. Nach seinem Renteneintritt hat Käsper schließlich Ingrid beim Thekendienst unter der Woche mehr und mehr entlasten können, so dass die Arbeit für beide noch tragbar war. Man war es ja auch trotz aller Belastung nicht anders gewohnt, man war „in der Sache drin“.

Daher hatte vor allem auch Käsper zunächst gehofft, dass die „Sache“ schnell, wie eine Art Grippewelle vorbei wäre und man bald wieder öffnen könne. Es war anfangs sogar wie eine Art „Entzug“. Kein Wunder, wenn man viele Jahre durchgängig als Wirt hinter der Theke steht und mit Leib und Seele dabei ist.

„Niemand wusste, wie lange das alles dauert. Als sich abzeichnete, dass auch die Kirmes ausfallen würde, haben wir noch überlegt, die Kirmes vom Mai einfach im September irgendwie nachzuholen, wenn das Spiel dann vorbei wäre“, erzählt er von den damaligen Überlegungen.

Doch es sollte völlig anders kommen. Corona blieb und alles war ungewiss. Man wartete ab. Und so stellten sich die beiden auf ihre neu gewonnen Zeit ein, entdeckten die Gemütlichkeit und entschleunigten ihren Alltag. Und genossen vor allem ein in dieser Form nie gekannte, stressfreie Familienleben mit Enkeln und Urenkel.

Als dann nach Monaten nach und nach der gastronomische Bereich unter strengen Auflagen und Kontrollen wieder geöffnet wurde, war für die beiden schnell klar, dass sie unter den ganzen „Coronabedingungen“ keine Kneipe betreiben wollten. So eine Wirtschaft mit Thekenbetrieb lebt nun mal in erster Linie von einer lockeren, nahbaren Atmosphäre. Der Aufwand und die Einschnitte waren ihnen letztlich zu groß und einschneidend. „Ich stelle mich auch nicht an die Eingangstür und diskutiere mit denen herum, die hereinwollen, obwohl sie die Auflagen nicht erfüllen,“ fügt Käsper an.

Private Feiern wurden wieder möglich und so kam zunächst die Entscheidung, kleinere Feste und Veranstaltungen im Saal zu durchzuführen, den klassischen Thekenbetrieb aber nicht mehr aufzumachen. Man richtete wieder einen Beerdigungskaffee aus, eine größere Pilgergruppe kehrte auf Meiershof ein und eine Jubiläumsfest der Feriendorfgemeinschaft wurde organisiert.

Doch schnell musste Käsper feststellen, dass dies aber auch keine richtige Option für die zwei sein konnte.

„Früher hatte man seinen durchgehenden Betrieb in der Wirtschaft, man war im „Flow“. Wenn dann ein Fest dazwischen kam, war das kein großes Thema. Die Anlage lief, alles war startbereit. Jetzt ist die Kneipe zu und alles muss erst komplett hoch und dann wieder runter gefahren werden, Kühlung, Zapfanlage, Heizung im Saal, Getränkevorrat und alles andere. Das ist ein riesiger Aufwand an Vorbereitung und Organisation. Da habe ich dann zu Ingrid gesagt, dass ist mir zu stressig, das mach ich nicht mehr mit“, beschreibt Käsper die erste Zeit nach der „Wiedereröffnung“ des Veranstaltungsbetriebes. Der Freilinger Wirt und Stress, eine Kombination, die früher kein Problem und kein Thema war.

 

"Man wird eben nicht jünger" (Käsper)

 

Auch Ingrid war zunächst ziemlich erstaunt darüber, dass selbst der hochmotivierte und betriebsame Käsper spürbar an seine Belastbarkeitsgrenzen kommt und sich dies auch noch selbst eingesteht. Aber auch der wesentlich jünger aussehende und wirkende Freilinger Wirt kann seinen natürlichen Alterungsprozess nicht aufhalten (im Januar feiert er seinen 69. Geburtstag). Und da ist ja auch noch seine großer Schreinerleidenschaft, der er trotz seiner Verrentung immer noch gerne und häufig nachgeht.

„Man wird eben nicht jünger“, räumt Käsper lachend ein „und dann kommen irgendwann ganz viele Gedanke und Fragen: Wie lange kann man das ganze denn überhaupt noch machen? Was passiert, wenn man plötzlich krank wird? Wieviel Zeit bleibt einem überhaupt noch? Auf was sollen wir warten, um einen Absprung zu finden? Alles hat zwei Jahre geruht, soll man jetzt wirklich alles wieder hochfahren oder doch lieber einen Schnitt machen? Eigentlich ist es ja die letzten Monate schön gewesen, so wie es war. Und das „Glas-Bier-Geschäft“ ist ohnehin rückläufig. Der normalen Thekenbetrieb rechnet sich mit ein paar Gästen mit Blick auf die Unkosten einfach nicht mehr“, beschreibt Käsper den Entscheidungsprozess, den die beiden und vor allem er als Vollblutwirt durchgemacht haben.

Und Ingrid ergänzt, “Verena meinte, sie habe ihre Eltern noch sie so entspannt gesehen wie jetzt“. Früher fand schließlich auch das ganze Familienleben überwiegend in der Kneipe und unter Zeitdruck statt. Bei jedem privaten Fest habe man immer die Uhr im Blick und im Nacken gehabt, weil um 17.00 Uhr die Kneipe aufgemacht werden musste.

„Ich kam mir manchmal vor wie ein Bauer, die können es sich auch nicht aussuchen, wenn die Arbeit im Betrieb ansteht. Ein ständiger Zeitdruck“. In den letzten zwei Jahren war dagegen alles viel entspannter, der Feierabend bot dann tatsächlich auch freie Zeit.

In den letzten Wochen, quasi in einer Art Übergangszeit reifte dann endgültig der Gedanke, die Gaststätte komplett zu schließen, nicht nur wegen der gewonnenen Freiheit, sondern eben auch wegen des zeitlichen, organisatorischen und auch körperlichen Aufwandes für einen nur auf einzelne Feste ausgerichteten Kneipenbetriebs. Außerdem sei es immer schwieriger geworden, Aushilfe für die Feste, vor allem auch für die Küche zu bekommen.

„Corona kam uns zugute und hat uns die Entscheidung letztlich abgenommen oder wenigstens leichter gemacht“, sind sich beide einig und strahlen eine gewisse Erleichterung aus. Die beiden wirken tatsächlich tiefenentspannt und glücklich.

Dem einen Glück ist des anderen Leid...sagt ein altes deutsches Sprichwort und ich lenke das Gespräch auf die Schattenseite dieser Entscheidung. Denn Freilingen verliert durch den Entschluss der beiden nicht nur einen über die Grenzen hinaus bekannten Kneipenbetrieb, sondern muss sich auf eine komplett andere Veranstaltungskultur einstellen. Käsper und Ingrid sorgten nicht nur Karneval und Kirmes für den organisatorischen Rahmen der traditionellen Vereinsfeste, sondern boten auch mit Bierwoche, Scheunenfest und manch anderen Events einen abwechslungsreichen Terminkalender.

„Was glaubt ihr, was mit den Veranstaltungen in Freilingen passiert, wenn die Kneipe geschlossen ist“, will ich von den beiden wissen.

„Noch heute Mittag habe ich in der Schreinerei zu Lukas gesagt: Soll ich Simone sagen, dass wir einen potentiellen Käufer haben, der aber andere Ideen hat und aus dem Saal eine Lagerhalle machen will und damit alle Veranstaltungen im Saal wegfielen“, antwortet er grinsend in seiner typischen, neckischen Käsperart. „Mach das nicht“, habe sein Schreinerkollege ihm, wohl mit Blick auf meine Nerven geraten. Das sei ja nur ein Scherz, habe er ihm entgegnet. Käpser hat seinen Spaß und Ingrid lacht.

Und offenbar hat er mit dieser Frage auch gerechnet. Das zeigt, dass die beiden sich auch selbst schon damit beschäftigt haben, dass nach ihnen nicht „nur die Sintflut“ kommen soll und sich gerade Käsper wie damals auch der Wirt „Meiesch Hoff Hubert“ für die Dorfgemeinschaft verantwortlich fühlt.

 

"Ich stehe als Berater bereit" (Käsper)

 

„Das ist ja auch unser Anliegen. Wir wollen ja, wenn wir aufhören, den Vereinen die Möglichkeit geben, die Standardfeste wie Karneval, Kirmes, Theater und Konzert weiter im Saal feiern zu können", beruhigt der scheidende Wirt mich als Vereinskartellsvorsitzende.

(Anm. für das Jubiläumskonzert des Musikvereins am 9. April 2022 ist der Saal schon gebucht).

"Da müssen sich aber alle ein wenig zusammenraufen. Ob dann sowas wie die Bierwoche weitergeführt wird, ist eine andere Frage. Aber machbar ist das. Ich will da gar nicht vorgreifen, aber ich stehe natürlich als Berater bereit“, erklärt Käsper seine Vorstellung.

Als Ingrid betont „Als Berater“, ergänzt er: “Ich bin der letzte der sagt, ich bin ab heute nicht mehr da, aber will nicht mehr hinter der Theke stehen. Ich stelle mich Kirmes dann lieber davor“.

(neuer Lieblingsplatz: vor der Theke)

Auf dieses Angebot habe ich gehofft und bin erleichtert. In Freilingen sind in den letzten Jahrzehnten viele, tolle Feste gefeiert worden, nicht zuletzt dank des Engagements und der Kreativität der beiden. Das wird es auf die gewohnte Weise nicht mehr geben.

Wir sind uns einig, dass wir als Dorfgemeinschaft und nicht nur die Vereinsmitglieder unsere Veranstaltungen ein Stück weit neu erfinden müssen, zumindest was die Organisation und Umsetzung angeht. 2022 wird insofern ein Jahr des Umbruchs. Aber mit einem Saal und einem Berater in der Hinterhand müsste das zu stemmen sein, wenn genug Freilinger mitmachen. Das fängt mit Karneval schon an. Aber auch Käsper ist davon überzeugt, dass das funktionieren kann und beginnt schon, Pläne zu schmieden und Tipps zu geben.

(Anm. am Freitag, 7. Januar 2022 findet im Saal von Meiershof eine Bürgerversammlung statt, auf der die Veranstaltungssituation zusammen mit dem Vereinskartell, der Ortsvorsteherin und den Wirtsleuten besprochen werden soll, nähere Informationen folgen noch).

Bei dem Gedanken an Karneval fangen Käspers Augen regelrecht an zu leuchten. Es steckt halt doch noch drin.

Es verwundert daher auch nicht, dass er die Frage nach seiner schönsten, erinnerungswürdigsten Veranstaltung spontan mit „Die getrennte Damen- und Herrensitzung“ beantwortet. „Die hat mich zwar Nerven gekostet, weil die Organisation sehr aufwendig war und ich unheimlich viel herumtelefoniert habe. Aber die Arbeit hat sich gelohnt. Die Resonanz war überwältigend. Die Sitzung war damals noch gar nicht vorbei, da kamen die Leute schon zu mir und wollten Karten für das nächste Jahr kaufen. Aber sowas kann man nicht jedes Jahr machen“.

Obwohl für Ingrid schon als junge Frau die Kirmes das jährliche Highlight war, ist auch ihr ausgerechnet eine Karnevalssitzung am stärksten in Erinnerung geblieben: 2012, als die beiden samt FC-Fahne als Überraschungsprinzenpaar in den Saal einzogen und alle verblüfften.

 

Ja, einmal Prinzessin sein, das ist schon etwas Besonderes. Aber auch die Bierwoche ist vor allem Käsper in all den Jahren sehr ans Herz gewachsen. Den Besuchern übrigens auch. Nicht umsonst gibt es ja sogar ein eigenes Bierwochenlied: „Et is Bierwoch, Käsper zapp an...“.

Aber das ist jetzt für die beiden erst einmal Vergangenheit. Nun heißt es nach vorne schauen, die Zeit genießen.

„Was habt ihr denn jetzt in der neu gewonnenen Freiheit für besondere Pläne“, will ich von den beiden wissen.

„Nächsten Jahres wollen wir noch einmal nach Fuerteventura“, antwortet Ingrid direkt und mit ziemlichem Nachdruck, weil sie weiß, dass Käsper mit Urlaubmachen eigentlich nicht viel am Hut hat und es sich am liebsten zu Hause gemütlich macht, nach getaner Arbeit wohl gemerkt.

„Ingrid kann sich hier um den Haushalt kümmern und kocht für die oder für den mit“, entgegnet er amüsiert.

„Unser Alltag ist weiterhin voll, aber wir können uns nun eben alles einteilen“, fasst Ingrid die neue Situation zusammen. „Wir schlafen jetzt auch nicht länger als früher, aber wir können den Tag langsamer angehen. Es hat allerdings etwas gedauert, bis ich diese morgendliche Unruhe nicht mehr verspürt habe“.

Und Käsper wird schon fast philosophisch: „Jetzt sind wir Herr unserer Zeit“.

Sie hätten Abwechslung genug, fügt er mit Blick auf die Galerie mit Bildern von Kindern, Enkel und Urenkel an. Ja, die Familie war ihnen immer wichtig, aber jetzt haben sie auch die Ruhe und Gelassenheit, sich mit allen zu beschäftigen.

Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Wie heißt es so schön, jedem Ende wohnt ein Anfang inne! Und zumindest die gute und beliebte Küche von Meiershof wird im nächsten Jahr von den zu erwartenden Hochgenüssen in der Alten Schule nahtlos abgelöst, so dass kulinarisch gesehen in Freilingen wenigstens schon einmal keine Lücke klaffen wird. Und alles andere wird sich hoffentlich finden...

Eines war den beiden am Ende des Gesprächs sehr wichtig.

“Wir möchten uns an dieser Stelle (schon einmal) ganz herzlich bei allen unseren Gästen bedanken, die uns in den letzten 33 Jahren die Treue gehalten haben. Ein ganz besonderer Dank geht an unsere Familie und natürlich vor allem an unsere Kinder und Enkelkinder für die jahrelange Hilfe.“

Auch wir möchten uns bedanken, bei Ingrid und Käsper, für wunderbare 3 Jahrzehnte Kneipenbetrieb und „Veranstaltungsmanagement“ und wünschen den beiden vor allem Gesundheit und Freude im neuen „Lebensabschnitt“ ohne Kneipe.

Gerne dürfen sie sich demnächst auch ein wenig langweilen und in dieser Zeit Ideen schmieden, wie die Veranstaltungen des Vereinskartells im Saal von Meiershof zukünftig optimiert werden können.

Wir sind für jeden Rat dankbar und wissen das Angebot der beiden sehr zu schätzen! Und vielleicht oder besser noch hoffentlich feiern wir 2022 wieder genauso Kirmes im Saal vom ehrwürdigen Meiershof wie beim letzten Mal 2019...

 

 

 

 

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