Der Freilinger Nachwuchspolitiker strebt "an die Spitze"

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(Markus mit Freundin Nadine Kremer)

Mit seinen erst 26 Jahren bewirbt sich Markus Ramers aus Freilingen um den Posten als Vorsitzender der Kreis SPD, der Ende September neu vergeben wird. Doch der "Youngster" ist alles andere als politisch unerfahren oder neu im Geschäft. 

WiF hat Markus, der in der Vergangenheit in Freilingen selbst auch schon als Vorsitzender des Junggesellenereins, als "Vorsänger" auf zahlreichen Kirmesveranstaltungen und sogar schon bei Theateraufführungen und an Karneval im Männerballett bewiesen hat, dass er "Führungsqualitäten" hat und weder die große Bühne noch die große Öffentlichkeit scheut, zu seiner Kandidatur befragt. 

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(Kirmes in Freilingen 2013)

 

WiF: Mit wie viel Jahren bist Du eigentlich in die Jugendorganisation der SPD eingetreten?

Markus: Ich bin am Abend der Bundestagswahl 2005 in die SPD eingetreten. Damals war ich gerade 19. Alle SPD-Mitglieder unter 35 können dann auch in der Jugendorganisation, also bei den "Jusos", aktiv werden.

WiF: Viele Jugendlichen interessieren sich überhaupt nicht für Politik. Was war Deine Motivation bzw. woher kam Dein Interesse an der Politik?

Markus: Als Schüler habe ich schon recht früh Interesse an Politik und Geschichte entwickelt. Deshalb habe ich dann auch häufiger Zeitungsartikel gelesen oder mir politische Sendungen im Fernsehen angeschaut. Dazu kommen natürlich einige spannende Diskussionsrunden mit meinem Vater (Anm. der Red.: Karl Heinz Ramers, Professor für germanistische Sprachwissenschaften und "Chef" der Theatergruppe Freilingen)

WiF: Wieso hast Du Dich damals gerade für die SPD entschieden?

Markus: Gerade bei uns in der Eifel wäre die Chance auf politische Erfolge wahrscheinlich in einer anderen Partei größer gewesen. Aber die SPD hat mich irgendwie fasziniert: lange demokratische Tradition, ihr Widerstand gegen die Nazis und natürlich viele beeindruckende Persönlichkeiten wie August Bebel, Willy Brandt oder Helmut Schmidt. Außerdem möchte ich in einem Land leben, in dem Menschen füreinander einstehen, Starke mit dafür sorgen, dass auch die Schwachen genug zum Leben haben und alle Kinder die gleichen Chancen haben. Da passte die SPD einfach am besten.

WiF: Seit 2009 bist Du Kreistagsmitglied und seit 2011 darüber hinaus auch noch Ratsmitglied der Gemeinde Blankenheim. „Nebenbei" bist Du seit September 2012 im Landesvorstand der NRW Jusos, nachdem Du zuvor von 2009 bis 2012 Vorsitzender der Jusos im Kreis warst. Das hört sich alles schon nicht mehr nach „Freizeitpolitiker" an. Wie viele Stunden „opferst" Du durchschnittlich in der Woche für Dein politisches Engagement?

Markus: Hmm, schwierig. Das ist unterschiedlich! In Sitzungswochen können das schon bis zu ca. 15 Stunden sein, es gibt aber zum Glück auch Wochen, in denen ich nichts Politisches mache.

WiF: Wie steht Deine Familie, insbesondere auch Deine Freundin dazu, zumal Du an den Wochenenden sicherlich auch auf vielen Tagungen und Versammlungen unterwegs bist?

Markus: Oh, da fragst Du besser direkt bei den Betroffenen nach...Nein, im Ernst: Meine ganze Familie und vor allem Nadine stehen wirklich super hinter mir - egal, ob es um Brötchen-Auslieferungen wie vor der letzten Kommunalwahl oder dem Verteilen von Osterkarten geht, Unterstützung gibt es immer! Und ich versuche meine Termine so zu planen, dass Familiengeburtstage, Ausflüge mit meiner Freundin, Urlaub oder einfach Ausschlafen und Fernsehen gucken genügend Platz haben.

WiF: In der Presseerklärung hast Du angegeben, dass Du Lust auf die Aufgabe als SPD Kreisvorsitzender hast. Hast Du für den Fall, dass Du zum neuen SPD- Chef im Kreis gewählt würdest schon konkrete Vorstellungen oder Ideen, was man neu oder anders anpacken sollte bzw. woraus entwickelt sich genau dieses Lustgefühl?

Markus: Klar, das wäre eine spannende Herausforderung für mich. Die SPD im Kreis Euskirchen hat ca. 900 Mitglieder - das sind mehr als Freilingen Einwohner hat. Ich möchte, dass die SPD im Kreis eine "Mitmach-Partei" ist, in der sich alle einbringen können. Konkrete Ideen und Projekte habe ich auch schon im Kopf, aber die behalte ich erstmal für mich. Noch bin ich nicht gewählt und bis zum Parteitag sind es ja noch ein paar Wochen Zeit.

WiF: Welches politische oder gesellschaftliche Thema liegt Dir besonders am Herzen?

Markus: Inklusion. Man hört das Wort ja inzwischen so oft, dass es fast schon nervt. Aber das, was dahinter steckt liegt mir wirklich am Herzen: Nämlich, dass Menschen mit unterschiedlichsten Stärken und Schwächen, verschiedener Herkunft, ob Mann oder Frau, ob mit oder ohne Handicap einfach dazu gehören dürfen.

WiF: Wenn Du für einen Tag Bundeskanzler wärst und eine wichtige bundespolitische Entscheidung treffen könntest, welche Entscheidung würdest Du treffen bzw. auf den Weg bringen?

Markus: Ganz ehrlich, am ersten Tag im Kanzleramt wäre ich wahrscheinlich so überfordert, dass ich noch gar keine Entscheidungen treffen könnte. Zwei Entscheidungen würde ich aber so schnell wie möglich angehen: Erstens, ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde! Was Menschen in einigen Branchen trotz harter Arbeit verdienen, macht mich traurig. Ca. 1,4 Millionen Menschen brauchen in Deutschland zusätzliche staatliche Hilfe, um ihr ungenügendes Gehalt aufzustocken. Zweitens, Betreuungsgeld abschaffen! Stattdessen würde ich dieses Geld in kostenlose Kinderbetreuung, bessere Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern oder mehr Unterstützungsangebote für junge Familien stecken.

WiF: Wie weit, wünschst Du Dir, dass der politische Weg Dich noch nach oben führt? Könntest Du Dir vorstellen, einmal „Berufspolitiker" zu sein?

Markus: Ich habe mir vorgenommen, immer nur von Schritt zu Schritt zu denken. Jetzt möchte ich erstmal Vorsitzender der SPD im Kreis Euskirchen werden. Mein Job macht mir großen Spaß, deshalb muss ich nicht unbedingt Berufspolitiker werden.

WiF: Du bist Lehrer für Mathematik und Geschichte. Wolltest Du schon immer Lehrer werden oder hat sich das nach dem Abitur, das Du 2006 am Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld abgelegt hast, so ergeben?

Markus: Das hat sich eher so ergeben. Geschichte fand ich in der Schule super spannend und in Mathe fiel mir alles relativ leicht. Daher hatte ich überlegt, diese beiden Fächer zu studieren. Außer für Lehrer ist die Kombination aber eher unbrauchbar, deshalb habe ich also auch den Lehramtsstudiengang gewählt. Und die Wahl habe ich bisher nie bereut - nicht nur wegen den langen Ferien macht es mir großen Spaß, Lehrer zu sein.

WiF: Seit Februar dieses Jahres bist Du Lehrer am St-Michael Gymnasium in Bad Münstereifel. Vorher warst Du zwei Jahre als Studienreferendar an der Gesamtschule Weilerswist beschäftigt. Kann man da schon erste Vergleiche zwischen den beiden Schulformen aus dem praktischen Schulalltag ziehen?

Markus: Ich glaube, alle Schulen sind unterschiedlich - das hängt nicht nur von der Schulform ab. In Weilerswist habe ich sowohl mit Schülern gearbeitet, die die Schule mit Hauptschulabschluss verlassen, als auch mit Schülern, die Abitur machen. Das war sehr abwechslungsreich. In Bad Münstereifel ist der Weg zum Abitur das klare Ziel. Trotzdem sind nicht alle Kinder gleich. Wir haben sehr begabte Schüler, die in Wettbewerben erfolgreich sind, motivierte fleißige Schüler, die von der Realschule zu uns in die Oberstufe kommen oder Schüler, die etwas mehr Unterstützung brauchen. Für mein weiteres Berufsleben habe ich die Einstellung mitgenommen, jedes Kind so zu nehmen, wie es ist, und entsprechend zu fördern.

WiF: Wie siehst Du die Chancen für die nach den Sommerferien in Blankenheim startende, neu gegründete Gesamtschule insbesondere auch im Hinblick auf das Thema Inklusion, was Dir als Bildungsbeauftragter im Kreis SPD-Vorstand bekanntlich sehr am Herzen liegt?

Markus: Gut. Auch wenn ich das Kollegium dort nicht genau kenne, habe ich bisher den Eindruck, dass die Lehrer der neuen Gesamtschule Begeisterung und Enthusiasmus mitbringen. Das halte ich für die wichtigste Voraussetzung für den Aufbau einer neuen Schule. Gleiches gilt für das Thema Inklusion: Auch ein Kind mit Handicap profitiert von einem engagierten Lehrer. Die fachliche Begleitung ist, soweit ich weiß, mit einer halben Sonderpädagogen-Stelle gegeben. Hier wäre sicherlich mindestens eine volle Stelle wünschenswert.

 WiF: Bist Du selbst eher ein strenger Lehrer oder kann man als junger Lehrer mit noch aktueller Erinnerung an die eigene Schulzeit ein wenig „großzügiger" gegenüber den Schülern sein , z.B. was die Hausaufgaben angeht?

Markus: Das können meine Schüler bestimmt besser beurteilen. Bei Hausaufgaben bin ich eher streng, weil ich sie gerade in Mathe als wichtigen Trainingseffekt ansehe. Ansonsten schätze ich mich eher als Lehrer ein, der auch mal einen Spaß mitmacht, solange in den entscheidenden Phasen konzentriert gearbeitet wird.

WiF: Anderes Thema: Fußball. Du bist bekanntlich großer FC Köln Fan. Am kommenden Sonntag trifft der FC in Köln auf Fortuna Düsseldorf, bei der der Freilinger Fabian Giefer im Tor steht. Was überwiegt in solchen Fällen, die Vereinsliebe oder die Bande aus gemeinsamen Junggesellenvereinstagen?

Markus: Puh, endlich die leichteren Fragen...Ich wünsche Fabi ein tolles Spiel und freue mich, dass er sich wieder als Nummer 1 im Düsseldorfer Tor durchgesetzt hat. Ein paar Glanzparaden oder einen gehaltenen Elfmeter gönne ich ihm auch, aber die 3 Punkte würde ich gerne beim FC sehen.

WiF: Fährst Du noch oft nach Köln ins Stadion?

Markus: In letzter Zeit nicht mehr ganz so oft. Diese Saison in der 2. Liga verspricht ja, sehr spannend zu werden. Da werde ich bestimmt nochmal häufiger im Stadion sein, erst recht, wenn der FC mal wieder schönen erfolgreichen Fußball zeigt.

WiF: Spielst Du selbst auch noch Fußball in Deiner knappen Freizeit ?

Markus: Ich spiele noch in der 2. Mannschaft vom FC DoRi. Bei den vielen politischen Terminen sieht meine Trainingsbeteiligung eher mau aus. Sonntags versuche ich dann, trotz konditioneller Defizite mein Bestes zu geben. Zu mehr als 4 bis 5 Saisontoren reicht es nicht, aber es macht mir eine Menge Spaß.

WiF: Du bist als Kassierer des Vereinskartells Freilingen auch noch immer recht aktiv im örtlichen Vereinsleben. Viele Jugendliche scheuen heutzutage ehrenamtliche Vereinsarbeit. Wie könnte man dem „Nachwuchs" die Bedeutung solchen Engagements gerade in Zeiten des demografischen Wandels noch besser verdeutlichen? Was muss in der Vereinsarbeit anders gemacht oder geregelt werden, dass hier wieder mehr Zulauf verzeichnet werden könnte?

Markus: Naja, das ist nicht so einfach. Viele Jugendliche aus Freilingen sind ja zum Beispiel unter der Woche zum Studium oder zur Ausbildung in Köln und anderen Städten. Trotzdem haben wir bei uns aus meiner Sicht eine ganz gute Beteiligung der Jugend. Im Musikverein und in der Feuerwehr gibt es Nachwuchs, dazu die Blaumeisen und der Junggesellenverein. Vielleicht gibt es in Freilingen eine offene Kultur in den Vereinen, die in anderen Orten fehlt. Auch auf Dorffesten ist doch auffallend, wie Alt und Jung gemeinsam für Stimmung sorgen.

WiF: Du bist in Freilingen aufgewachsen und auch während Deines Studiums in Freilingen wohnen geblieben. Das zeigt die Verbundenheit mit der Eifel. Könntest Du Dir vorstellen, einmal von Freilingen in eine Großstadt wegzuziehen, z.B. wenn das politische Engagement dies verlangen würde oder stellt das Landleben eine wichtige Lebensqualität für Dich dar, so dass Du sogar weite Wege als Pendler auf Dich nehmen würdest?

Markus: Mir gefällt Freilingen sehr und ich kann mir gut vorstellen, hier zu bleiben. Ich hoffe, dass die Lebensqualität auf dem Land erhalten bleibt und unsere Dörfer nicht aussterben. Manchmal zieht es einen natürlich auch mal in die Stadt - bisher nur zum Feiern nach Köln oder für kurze Städtetrips in andere europäische Großstädte.

Jetzt noch die entscheidenden 4 Fragen:

Lieblings-Essen: schönes Rumpsteak

Lieblings-Buch: Sturz der Titanen (Ken Follett)

Lieblings-Musik (Gruppe/Lied): FC-Hymne und Teenage Dirtbag von Wheatus

Lieblings-Film: Ziemlich beste Freunde und sämtliche Bond-Filme

 

WiF: Wir wünschen Dir viel Erfolg für Deine Kandidatur. Herzlichen Dank für das nette Gespräch!

Markus: Gern geschehn!

Freilinger Infobox

  • Mo, 22.04.: "Emmaus-Gottesdienst" mit anschl. Osterbegegnung, 10.30 Uhr, Kapelle Freilingen
  • Fr, 26.04.: JHV Jagdgenossenschaft, 20.00 Uhr, Gaststätte Meiershof

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