"Starke Frauen" - So der Titel der neuen Serie auf WiF, die sich mit außergewöhnlichen Frauen beschäftigt. Denn auch in unserer dörflichen Mitte gibt es viele Frauen, die Tag für Tag besondere Herausforderungen stemmen und große Stärke beweisen, zum Teil sogar seit Jahren. Dabei hängen sie ihre Situation nicht an die große Glocke und sehen sich selbst noch nicht einmal als etwas Besonderes an. Ein Anlass für WiF, einmal einen näheren Blick auf ihren "normalen Alltag" zu werfen, nicht zuletzt, um sich einmal bewusst zu machen, was manche von uns jeden Tag leisten bzw. leisten müssen. Den Anfang im 1. Teil macht Esther Schwarz, die als alleinerziehende Mutter vor kurzem ein Unternehmen in einer männerdominierten Branche übernommen hat. Wie es zu der Geschäftsübernahme kam, wie sie den Spagat zwischen Familie und Beruf schafft und vieles mehr hat sie uns in seinem sehr interessanten Interview verraten. Sehr lesenswert!

"Von wegen zart und zerbrechlich..." - wer Esther Schwarz sieht, vermutet hinter der schlanken, stets gut gelaunten jungen Frau nicht unbedingt das, was man mittels Frauenquote gerne in vielen Unternehmen erreichen möchte: eine weibliche Führungskraft in einem männlich dominierten Wirtschaftszweig.

Doch die Jung-Unternehmerin (seit dem 1.1.2022 Inhaberin und Chefin der Robert Balmes GmbH) hat bewiesen, dass sie tatsächlich alles unter einen Hut bekommt: anspruchvollen Job, Haushalt mit zwei Töchtern und sportliche Herausforderungen in ihrer Freizeit. Das ist auf jeden Fall ein Gespräch im ersten Teil unserer Serie "Starke Frauen" wert.

 

2001 hat der Freilinger Robert Balmes als Schreinermeister das Unternehmen Robert Balmes GmbH gegründet und seitdem ein überregional tätiges Unternehmen für Ladenbau aufgebaut, nicht zuletzt, weil er sich intensiv mit Einkaufspsychologie und Modellen zur Optimierung von Kundenführung in Geschäftsverkaufsräumen beschäftigt hat.

In den letzten 20 Jahren ist die Firma kontinuierlich gewachsen und verzeichnet aufgrund eines hohen Dienstleistungsverständnisses und kundenorierntierten Lösungen inzwischen namhafte und treue Kunden wie Hit Markt, REWE, Edeka und Penny, um nur einige renomierte Unternehmen zu nennen.

Ein floriendes Unternehmen...aus dem sich der Gründer und Inhaber Ende letzten Jahres zurückgezogen hat. Übernommen hat den gesamten Geschäftsbetrieb die 39 jährige Esther Schwarz, ehemalige Freilingerin, die seit über 12 Jahren im Betrieb zuletzt als Prokuristin mitgearbeitet hat. Das muss man sich als alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern erst einmal trauen. 

Esther hat sich getraut und damit bewiesen, dass man einiges erreichen kann, wenn man nur an sich glaubt und trotz mancher Rückschläge nicht aufgibt. Bewunderswert und ein absolutes Vorbild für viele junge Frauen. 

 

WiF: Liebe Esther, erst einmal vielen Dank, dass Du Dir trotz Deines anspruchsvollen Alltags die Zeit genommen hast, uns Rede und Antwort zu stehen. Stell Dich doch bitte einmal kurz vor, für alle, die Dich nicht kennen sollten. 

Esther: Ich bin Esther Schwarz, geb. 07.07.1982, wohne mit meinen zwei Töchtern Jorna und Runa inzwischen in Ripsdorf und habe am 01.01.2022 um 0.00 Uhr die Robert Balmes GmbH übernommen. Gelernt habe ich Bürokauffrau und habe im Anschluss ein BWL-Studium begonnen. Nach der Geburt meiner ersten Tochter bin ich dann sofort wieder in den Beruf eingestiegen.

WiF: Wo hast Du früher gearbeitet?

Esther: Ich habe insgesamt mit der Zeit der Ausbildung über sieben Jahre im Caritas Behindertenwerk in Eschweiler gearbeitet, wo ich glücklicherweise auch in sehr vielen Arbeitsbereichen, wie Finanzbuchhaltung, Personalwirtschaft, EDV und zum Schluss in der dazu gehörigen Schreinerei eingesetzt worden bin. Somit habe ich mir in vielen Bereichen Fachwissen aneignen können.

WiF: Beschreibe mal kurz die Firma und deren Arbeitsschwerpunkt.

Esther: Die Robert Balmes GmbH mit Sitz in Freilingen führt Arbeiten im Bereich Laden- und Innenausbau aus. Der Schwerpunkt liegt dabei im Bereich des Einrichtens von Supermärkten. Hierbei kümmern wir uns um die komplette Regalierung und alles, was sonst noch dazu gehört. Heißt z. B. auch die Kassenzonen, Thekenbereiche aber auch die Sozialräume, wie z. B. die Kücheneinrichtung.

Wir haben im Moment sieben festangestellte Monteure, aber stocken fast täglich mit mindestens drei bis fünf Subunternehmern auf. Zurzeit liegen unsere Einsatzorte hauptsächlich im westlichen Gebiet Deutschlands zwischen Münsterland und Frankfurt, wir sind aber auch im ganzen Bundesgebiet unterwegs. Freilingen bietet also einen optimalen Ausgangsstandort für uns.

WiF: Wie lange bist Du schon in der Firma und welchen Tätigkeitsbereich hattest Du bisher dort?

Esther: Ich selbst bin seit über 12 Jahren ein fester Bestandteil der Firma und war bis zur Firmenübernahme sieben Jahre lang schon Prokuristin.

Mein Einsatzgebiet ist und war die komplette Verwaltung „mit meiner Welt der Zahlen“, Kundenakquise und das Planen der Baustellen mit der Einteilung der Monteure. Natürlich bin ich auch des Öfteren mit zur Baustelle gefahren und habe dort mit angepackt. Das ist meiner Meinung nach enorm wichtig, um in der Praxis zu bleiben und zu wissen, worum es geht.

WiF: Wie kamst Du auf die Idee, die Firma zu übernehmen und wie lange hat es mit der Umsetzung dieser Idee letztlich gedauert?  

Esther: Die Idee bzw. der Gedanke, irgendwann einmal die Firma zu übernehmen, schwirrte schon seit ein paar Jahren bei mir im Kopf herum, da ich schon immer gerne in der Firma gearbeitet habe und jeder der mich kennt, auch weiß, dass ich meine Arbeit einfach liebe.

Robert hat immer gesagt: „Hey Esther, wenn der Zeitpunkt für mich kommt, etwas kürzer zu treten, schmeißt Du einfach den „Laden“ weiter. Für Dich ändert sich arbeitsmäßig ja eh nichts.“ Ja, und so haben wir es dann schlussendlich einfach in die Tat umgesetzt.

Zum Jahresende 2021 passte einfach alles und wir haben den Worten Taten folgen lassen. Dazu sind Robert und ich von fachmännischen Kräften detailliert beraten und begleitet worden, damit keiner von uns ein unüberwindbares Risiko eingeht. Das wichtigste dabei war und ist das gegenseitige Vertrauen, welches wir mitbringen – so wurde die Übernahme zu einer Win-Win-Situation für uns beide.

Von vielen bin ich schon nach dem „Warum?“ gefragt worden. Darauf kann ich einfach nur antworten „WARUM NICHT“. Es gilt einfach nur „JETZT ODER NIE“!!! Sicherlich werden auch mal schwierige Zeiten auf uns zukommen, aber so ist es ja allgemein in der Wirtschaft -mit dem Auf und Ab muss man kalkulieren und auch das werden wir schaffen.

WiF: Wie haben die Mitarbeiter darauf reagiert? Hattest Du schon skeptische Reaktionen, dass eine so junge Frau einen solchen Betrieb führt, auch bei anderen Firmen/Geschäftskunden?

Esther: Ein paar Tage vor dem Notartermin haben wir eine kleine Weihnachtsfeier organisiert, bei der wir dann den Mitarbeitern mitgeteilt haben, dass sie ab dem 01.01.2022 keinen Chef mehr sondern eine Chefin haben. Das haben alle mit Applaus begrüßt.

Die Neuigkeit war natürlich für alle sehr überraschend, aber jeder hat mir im Anschluss auch noch einmal persönlich gesagt, dass er es richtig gut findet. Für mich bzw. für uns ist es einfach wichtig, dass es mit der Firma immer weiter geht und alle Arbeitsplätze erhalten bleiben. Es geht ja schließlich um unser aller Arbeitsplätze, was mir sehr wichtig ist.

Zum Jahresbeginn 2022 habe ich dann alle Kunden darüber informiert, auch hier habe ich nur positiven Zuspruch erhalten. Robert hat dann auch Lob erhalten, ist er doch nebenher noch im Rahmen der „Frauenquote“ tätig geworden.

Man muss dazu ja sagen, dass die Arbeitswelt im Bereich des Ladenbaus schon eher von Männern dominiert wird. Dessen war und bin ich mir bewusst. Aber vielleicht kann ich das ja auch zu meinem Vorteil nutzen und manchmal einen „Frauenbonus“ aushandeln ;-)

WiF: Was ändert sich jetzt bezogen auf den Betrieb? 

Esther: Für den Betrieb ändert sich erst einmal nichts, da sich mein Aufgabenfeld auch nicht geändert hat.

WiF: Welche Auswirkungen hat die neue Rolle auf Dein Privatleben/Deine Freizeit?

Esther: Da sich so ja nicht wirklich was geändert hat, hat es auch kaum Auswirkungen auf mein Privatleben und meine Freizeit. Obwohl der Gedanke an freie Zeit schon etwas anders ist, da ich ja gedanklich 24/7 mit meiner vollen Verantwortung noch mehr bei der Firma bin.

Da ich mir aber meine Arbeitszeit noch freier gestalten kann, ist es einfacher, den Alltag mit den Kindern zu gestalten. Gerade die letzten beiden Jahre haben uns allen gezeigt, wie flexibel berufstätige Eltern oft reagieren müssen. So habe ich weniger Druck, da es keinen Chef gibt, der mir Druck machen kann ;-)

Ich habe aber auch unfassbar tolle Freunde, die mich neben den Omas & Opas im Alltag schon sehr mit der Betreuung der Kinder unterstützen, wenn ich wichtige Termine habe, bei denen ich weitere Strecken mit viel Zeitaufwand in Kauf nehmen muss. Das gebe ich dann auch immer gerne zurück, womit wir dann fast schon ein Modell in Form eines „Betreuungssharing“ aufgebaut haben.

Wenn dann die Arbeit geschafft ist, das Essen gekocht wurde, die Kinder versorgt sind, geht´s dann zu meiner Leidenschaft dem Sport, um den Kopf, der schon mal wegen Überfüllung „geschlossen“ ist, wieder ordentlich frei zu bekommen. Damit stärke ich mich dann auch wieder für den doch straffen Alltag. Hauptsächlich besteht “mein Sport“ dann aus Laufen, Spinning, aber auch dem Mountainbiken mit einer tollen „Mädelstruppe“. Natürlich bin ich mit den Kindern auch aktiv, z. B. bei gemeinsamen Radtouren oder schönen Skiurlauben.

WiF: Welchen besonderen Wunsch hast Du (geschäftlich/privat)?

Esther: Ich wünsche mir sehr, dass es geschäftlich immer schön aufwärts geht, eine super Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern mit stets respektvollem Umgang. Genau das wünsche ich mir aber auch mit der Zusammenarbeit mit allen Kunden, die gerade auch mich als Frau und Geschäftsführerin respektieren.

Im privaten Bereich wünsche ich mir sehr, dass wir alle gesund und glücklich bleiben. Dabei spielen die Kinder in meinem Leben auch die wichtigste Rolle. Sie tragen zum „Glücklich sein“ das meiste bei. Die Kinder geben mir immer die meiste Kraft, nach vorne zu blicken und neue Ziele zu setzen. Natürlich hoffe ich, dass ich irgendwann mal mein persönliches Glück neben den Kindern finden werde, auch wenn ich augenscheinlich erst einmal gar keine Zeit in meinem Alltag dafür zu haben scheine.

WiF: Du hast es angesprochen: Du bist sehr sportbegeistert. Was waren Deine größten bzw. schönsten sportlichen Herausforderungen bis jetzt? 

Esther: Genau wie im beruflichen Umfeld sind auch sportliche Ziele für mich wichtig.

Da gab es letztes Jahr im September den Drei Zinnen Alpine Run, der mit seinen 1300 positiven Höhenmetern das bisher genialste sportliche Erlebnis war. In einer traumhaften Kulisse der Dolomiten mit dem aller schönsten Zieleinlauf zu erreichen, ist einfach unbeschreiblich. Wobei ich diesen Lauf für mich persönlich und alleine in Angriff nehmen wollte, war ich dann letztendlich sehr glücklich, dass sich noch ein Laufsympathisant aus meiner neuen Wahlheimat, mit dort angemeldet hat. Wir haben uns in der Trainingsvorbereitung immer auf dem Laufenden gehalten uns auch gegenseitig motiviert, wobei aber jeder für sich seine eigene Strategie hatte.

WiF: Nimmst Du auch am Eifel-Hero-Triathlon teil?

Esther: Na klar! Ich habe mich natürlich auch beim Eifel-Hero-Triathlon mit zwei ganz wunderbaren Freundinnen Yvonne und Julia unter dem Namen „Robert Balmes GmbH“ mit unserem Motto #Frillingen läuft# angemeldet.

Da wird wohl bei mir das Schwimmen das größte Problem sein, da dies alles andere als zu meinen Stärken gehört. Aber da werde ich dann wohl durch müssen und hoffe, dass ich mit dem Radfahren und dem Laufen einiges an Zeit eventuell wieder gut zu machen ;-)

Aber es stehen auch ein weiterer Alpine Run im Juli und noch ein paar weitere sportliche Events an.

WiF: Hast Du ein bestimmtes „Motto" oder Geheimrezept, wie Du in schwierigen Situationen den inneren Schweinehund überwindest bzw. Dich motivierst?

Esther: Man sollte auf jeden Fall niemals den Kopf in den Sand stecken, auch wenn man sich in turbulenten Zeiten oder kritischen Situationen oft einfach mal „auflösen“ möchte.

Man sollte immer bemüht sein, nach Lösungen zu suchen. Dabei habe ich immer einen Lieblingsspruch von Loriot: „In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen, Idioten nach Schuldigen.“

Deshalb gilt es dann eine Faust in der Tasche zu machen, tief durchzuatmen (ich würde dann eine Runde laufen gehen ;-)), alle Gedanken, vielleicht mit einer Nacht drüber zu schlafen, zu sortieren und dann nach einer Lösung zu suchen. Man sollte sich immer selbst treu bleiben und stets bei sich selbst anfangen, damit man mit allem im Leben weiter kommt.

Was mich immer motiviert in allem weiter zu machen, ist es, sich schöne und freudige Ziele zu setzen. Egal ob es um das private oder berufliche Umfeld geht. Wobei es ja bei allem das Allerwichtigste ist, die Gesundheit nie außer Acht zu lassen, auf alle Signale zu reagieren, sich gesund zu ernähren und ausreichend Sport zu treiben. Wenn es beim letzteren schon mal scheitern sollte, ist es vielleicht ratsam sich feste Zeiten in der Woche dafür zu setzen um den „inneren Schweinehund“ zu besiegen!

WiF: Wie immer zum Schluss die beliebten 4 Fragen:

Lieblingsessen 

Ich esse sehr gerne Gulaschsuppe, die als Hauptgang, als Vorspeise und auch als Nachspeise auch wirklich immer geht.

Lieblingsmusik

Meine Playlist, die mich immer beim Laufen begleitet ist schon etwas kunterbunt. Dort findet man dann vor allem Helene Fischer, Broilers, Mo-Torres und dann saisonale Musik, wie Karnevalslieder. Aber auch Lieder, die mir einfach spontan gut gefallen, kommen mit auf diese Liste.

Lieblingsfilm

Einen wirklichen Lieblingsfilm habe ich nicht, aber ich liebe die Serie „Der Bergdoktor“, der in dem schönen Ort Elmau spielt, wo ich im Alter von sechs Jahren das Skifahren gelernt habe und im gleichen Winter meine erste Alpinwanderung den „Wilden Kaiser“ hoch, gemacht habe.

Lieblingsbuch

Ein Lieblingsbuch habe ich nicht, da ich dafür keine Zeit habe. Stattdessen lese ich sehr gerne Bilanzen ;-)

WiF: Liebe Esther, noch einmal ganz herzlichen Dank für dieses sehr aufschlussreiche und interessante Interview. Wir wünschen Dir für Deine geschäftliche Zukunft, all den Erfolg, den Du dank Deines Einsatzes verdienst und für Deine private Zukunft, all das Glück, das Du Dir selber wünschst. 

Esther: Vielen Dank!

Freilinger Infobox

 

Hier der Mitschnitt von der Dorfbereisung im Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" vom 15.08.2022. Einfach anklicken!

 

 

  

 

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