"Löschgruppenfahrzeug für den Katastrophenschutz LF20 KatS NRW"...so die genaue Bezeichnung des neuen Feuerwehrfahrzeugs der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Blankenheim, das jetzt bei der Löschgruppe Freilingen stationiert ist. Das neue Gefährt wurde am Donnerstag, 9. Dezember von Thomas Renner und Achim Plützer in Münster abgeholt und nach Freilingen gebracht. Die Aufregung bei der restlichen Truppe bezüglich dieses vorgezogenen Weihnachtsgeschenkes und die Freude bei der Ankunft des Fahrzeuges waren entsprechend groß. Kein Wunder, denn das neue "Feuerwehrauto" hat eine ganz besondere Ausstattung und ist eigens für den Katastrophenschutz ausgelegt. Jetzt ist die Feuerwehr für alle Fälle bestens gerüstet. 

Es war schon eine ganz besondere "Dienstfahrt", die Thomas Renner und Achim Plützer am Donnerstag, 9. Dezember für die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Blankenheim, im Speziellen für die Löschgruppe Freilingen unternahmen.

(Achim Plützer (links) und Thomas Renner auf ganz besonderer Dienstreise)

Die beiden waren nämlich in einer ganz besonderen "Feuerwehr-Mission" unterwegs: das neue Feuerwehrfahrzeug sollte in Münster beim Institut der Feuerwehr NRW in Empfang genommen und dann zum neuen Standort nach Freilingen überführt werden. Die Vorfreude und Aufregung war bei den Feuerwehr Kollegen und Kolleginnen nicht minder vorhanden, denn schließlich soll das Freilinger Feuerwehrgerätehaus Quartier für ein ganz besonderes Fahrzeug werden: ein spezielles Katastrophenschutzfahrzeug mit umfangreicher Ausstattung. 

 

Der Katastrophenschutz ist eine Aufgabe des Bundes und der Länder. Nordrhein-Westfalen investiert 2021 (und damit bereits vor der Flutkatastrophe entschieden) massiv in den Katastrophenschutz: Das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen, die größte Feuerwehrausbildungseinrichtung in Deutschland, hat im Auftrag des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in diesem Jahr 109 völlig identische Fahrzeuge vom Typ Magirus LF20-KatS auf MAN TGM 18.340 BB 4x4 in Euro-6-Ausführung mit Allison-Vollautomatikgetriebe der 3000er Baureihe beauftragt. Dabei handelt es sich um das bisher größte Beschaffungsprojekt für Feuerwehrfahrzeuge des Landes NRW.

Von der Entscheidung, eines dieser umfänglich bestückten "Feuerwehrautos" in der Gemeinde Blankenheim zu stationieren, war die Löschgruppe selbst überrascht worden. 

"Die Information kam sehr kurzfristig und überraschend für die Löschgruppe Freilingen" so Johannes Hilgers, Löschgruppenführer in Freilingen, über die Aufrüstung des gemeindlichen Rettungsfuhrparks.

"Auf der Fortbildungsveranstaltung der Führungskräfte der Gemeindewehr am 13. November wurde unter Vorbehalt die Zuteilung durch den Kreis Euskirchen an die Gemeinde Blankenheim kommuniziert. Die Wehrleitung hat dann entscheiden, das Löschgruppenfahrzeug 20 für den Katastrophenschutz (LF20 Kats) in die Löschgruppe Freilingen zu geben. Die Gemeinde Blankenheim wurde über diese Zuteilung soweit ich weiß auch erst ein paar Tage vorher informiert. Passenderweise hatten wir direkt sonntags neben dem Martinsumzug auch noch eine Übung anstehen, weshalb die Neuigkeiten – u.a. auch zum Fahrzeug – der Löschgruppe mitgeteilt werden konnten", führt der engagierte Ehrenamtler an. 

Dass ausgerechnet Freilingen als Standort für das Fahrzeug ausgesucht wurde, hat organisatorische Gründe. 

"Die Wehrleitung hat die Entscheidung transparent kommuniziert. Aktuell ist die Löschgruppe Dollendorf in der Bezirksbereitschaft Düren/Euskirchen der Bezirksregierung Köln berücksichtigt, daher wäre das Fahrzeug grundsätzlich nach Dollendorf gegangen", erklärt der Löschgruppenführer das Zuteilungsverfahren.

"Für Dollendorf wird aber aktuell bereits ein neues Tanklöschfahrzeug (Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 3.000 Litern) geplant, welches auch schon im Haushalt der Gemeinde Blankenheim berücksichtigt ist. Daher wurde ein alternativer Standort für das Fahrzeug ausgewählt. Dann war aufgrund der Größe des Fahrzeuges die Frage, in welches Gerätehaus dieses Fahrzeug überhaupt passt. Hier kamen verschiedene Standorte in Frage.

In Blankenheimerdorf beispielsweise steht auch eine Fahrzeugneubeschaffung an. Aufgrund des Einsatzschwerpunktes auf der B51 sollte dieses Fahrzeug aber über einen größeren Wassertank verfügen, somit war das LF20 Kats (Wassertank mit 1.000 Litern) aus einsatztaktischen Gründen keine Option. Für das aktuelle Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSF-W) war bereits im ersten Entwurf des neuen Brandschutzbedarfsplans eine Ersatzbeschaffung vorgehsehen. Diese sollte aufgrund der starken Mitgliederzahl in Freilingen über eine Gruppenkabine (Platz für 9 Personen) verfügen, da das TSF-W nur Platz für 6 Personen bietet und im Übungs- und Einsatzfall regelmäßig einige Mitglieder der Löschgruppe mit dem privaten Pkw hinterherfahren.

Somit wurden durch das LF20 Kats diese Voraussetzungen erfüllt und die Entscheidung pro Freilingen getroffen. Auch im Sinne des einsatztaktischen Wertes im Löschzug (LZ) 4 macht die Entscheidung absolut Sinn, neben dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) der Löschgruppe Lommersdorf verfügt der LZ 4 ab sofort über ein zweites Großfahrzeug."

Und worin liegt nun die Besonderheit dieses "Katastrophenfahrzeuges" gegenüber einem "normalen" Löschgruppenfahrzeugs?

"Die Antwort ergibt sich aus der Frage was ist eine Katastrophe", erklärt Johannes. "Natürlich ist es für jeden individuell eine „Katastrophe“, wenn es in den eigenen vier Wänden brennt und man im schlimmsten Fall sein ganzes Haus verliert. Im Sinne der Gefahrenabwehr ist das aber ein „normales“ Schadensereignis. Das heißt eine Katastrophe sind schwerwiegendere Lagen, wie Hochwasserlagen, wie wir sie selbst im Sommer erlebt haben, große Waldbrandereignisse oder schwere Sturmereignisse. Also Einsätze für die man in der Regel neben den eigenen kommunalen Einsatzkräften weitere Kräfte zur Unterstützung benötigt. Auf dem LF20 Kats fehlen beispielsweise Einsatzmittel wie ein Überdruckbelüfter, um ein Gebäude rauchfrei zu bekommen. Dafür ist das Fahrzeug darauf ausgelegt große Mengen Wasser zu fördern (geeignet für den Waldbrand und Hochwasser), hat eine umfangreiche Ausstattung zur Waldbrandbekämpfung und ist darüber hinaus auch für ein „normales“ Schadensereignis ausgestattet."

Die LF20-KatS Löschgruppenfahrzeuge für den Katastrophen- und Zivilschutz müssen einsatzbereit sein, wenn sonst nichts mehr geht – sie übernehmen Aufgaben bei atomaren, biologischen oder chemischen Gefahren, bei Waldbränden, Hochwasserlagen, im Sanitätswesen und bei der Betreuung von Personen. Und zugleich werden die Fahrzeuge für den örtlichen Brandschutz in den Kommunen eingesetzt. 

Bei der Auswahl genau dieses Fahrzeugtyps von Seiten des Instituts der Feuerwehr NRW stand vor allem auch die Sicherheit der Feuerwehrkräfte im Vordergrund. Anstelle eines automatisierten Schaltgetriebes (AMT) entschied man sich für Vollautomatikgetriebe mit Drehmomentwandler und kontinuierlicher Kraftübertragung auf die Räder. Ausschlaggebend waren die bessere Beschleunigung und die hervorragende Geländegängigkeit, die Verschleißarmut und vor allem der Zuwachs an Sicherheit und Komfort für die neunköpfige Besatzung des Fahrzeugs.

„Uns ist es wichtig, dass der Mannschaft durch die Gesamtkonfiguration dieses Fahrzeuges ein Maximum an Sicherheit geboten wird. Je ruhiger und sicherer die Fahrt ist, desto mehr Vertrauen hat die Besatzung in das Fahrzeug“, so Oberbrandrat Sebastian Datema, stellvertretender Leiter des Dezernats für Technik und Technischer Service vom Institut der Feuerwehr NRW in einer offiziellen Erklärung. „Von den Feuerwehren vor Ort bekommen wir sehr positive Rückmeldungen über das Allison-Vollautomatikgetriebe. Die intelligente Getriebelogik denkt mit und unterstützt den Fahrer sowohl auf der Straße als auch im Gelände.“

Der MAN TGM 18.340 BB 4x4 in Euro 6 mit Magirus Aufbau wird von einem AllisonVollautomatikgetriebe der 3000er Baureihe und einem 6-Zylinder-Dieselmotor in der Euro-6- Abgaseinstufung angetrieben. Der Dieselmotor hat eine Leistung von 251 kW (340 PS) und sorgt für eine Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h. Der Allradantrieb sorgt für Geländegängigkeit zu jeder Zeit. Der LF 20 Kat S NRW hat eine Wasserdurchfahrtsfähigkeit von 90 (!) cm und kann bis zu 32 Grad „schräg“ fahren, was sich ebenfalls sehr positiv auf Kurvenfahrten auswirkt. Damit wird die Norm für den Kippschutz deutlich übertroffen. 1.000 Liter fasst der Löschwassertank. Die gesamte Ausstattung liegt weit über der Norm und wurde auf die in NRW anzutreffenden Einsatzszenarien angepasst.

Und was ist aus der Sicht eines ehrenamtlichen Feuerwehrmannes das "Highlight" an diesem Fahrzeug?

"Ich glaube „Das Highlight“ gibt es an dem Fahrzeug nicht", merkt der Freilinger Feuerwehrchef an. "Mit dem Fahrzeug verhält es sich genauso wie mit der Löschgruppe: Das Ganze ist nur so gut wie die Summe aller Teile. Für die Löschgruppe stellt das Fahrzeug an sich ein Highlight dar."

Nun heißt es für die Mitglieder der Löschgruppe Freilingen vor allem, sich schnell mit diesem neuen Fahrzeug vertraut zu machen. Damit jeder auch zu jeder Uhrzeit mit dem neuen Fahrzeug und seiner Beladung umgehen kann, sind ausgiebige Einweisungen und Übungen notwendig, was mit Blick auf die momentanen Umstände nicht ganz einfach ist. 

"Ohne Corona war/ist die Adventszeit immer relativ schwierig, da vielfach Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmarktbesuche oder ähnliches anstehen. Daher haben wir vor Jahren bereits eine Art „Winterpause“ für die Übungen eingeführt. Daher wäre eigentlich am letzten Sonntag unsere letzte Übung für dieses Jahr gewesen" beschreibt Johannes die jetzt notwendig gewordene, neue "Übungssituation".

"Aufgrund des neuen Fahrzeugs haben wir kurzerhand eine Erweiterung des Übungsplans durchgeführt. D.h. von Freitag bis Montag jeden Tag üben. Hier haben wir verschiedene Übungseinheiten gebildet, um fachspezifische Ausbildung zu betreiben. Es wird aber auch jedem Mitglied die Möglichkeit geboten das Fahrzeug mit allen Gerätschaften kennen zu lernen.

Ein besonderer Dank gilt hierbei Achim und Thömmes. Die beiden waren das Fahrzeug in Münster abholen und übernehmen auch die Funktion als Multiplikator in der Löschgruppe Freilingen, wodurch sie am Wochenende mehr Zeit mit der Feuerwehr, als mit ihrer Familie verbringen werden. Übergangsweise wird das TSF-W noch das 1. Angriffsfahrzeug am Standort verbleiben bis die Kameraden:in das neue Fahrzeug gut kennen bzw. das TSF-W den Standort wechselt. Der Übungsplan 2022 wird auch auf das neue Fahrzeug ausgelegt, da sich mit dem Fahrzeug ganz neue Möglichkeiten zur Übung ergeben. Mit Torsten Luxen von der Löschgruppe Lommersdorf habe ich auch schon eine konkrete Übung für die Löschgruppen Lommersdorf und Freilingen im nächsten Jahr vereinbart", erklärt er die organisatorischen Planungen. 

Ob und wie sich mit dem neuen Spezialfahrzeug der Einsatzbereich der Löschgruppe Freilingen verändert, haben wir den Freilinger Löschgruppenführer gefragt. 

"Grundsätzlich ändert sich erstmal nicht so viel für die Löschgruppe Freilingen. Durch die entsprechende Ausstattung des Fahrzeuges kann es aber in Zukunft (häufiger) dazu kommen, dass wir auch überörtlich im Kreis Euskirchen unterwegs sind. Dies war mit dem TSF-W aber auch bereits der Fall. Wenn der Katstrophenfall eintritt, kann die Einsatzstelle aber auch entsprechend weiter entfernt sein. Der Katastrophenschutz in NRW ist so organisiert, dass jede der fünf Bezirksregierungen entsprechend Bezirksbereitschaften bereithält. Diese Bezirksbereitschaften können theoretisch bei Großschadenslagen bundesweit eingesetzt werden. Beim Hochwasser im Juli wurden auch länderübergreifend Bereitschaften zur Unterstützung der örtlichen Einsatzkräfte angefordert", führt Johannes aus, nicht ohne sich für die Zuteilung des neuen Fahrzeuges zu bedanken

"Ein Dank gilt all jenen die dazu beigetragen haben, dass das Fahrzeug in die Gemeinde Blankenheim bzw. insbesondere in die Löschgruppe Freilingen kommt. Die Freude in der Löschgruppe über das neue Fahrzeug ist immens. Natürlich müssen wir uns insbesondere in den nächsten Tagen und im gesamten nächsten Jahr, intensiv mit dem Fahrzeug beschäftigen. Die Bereitschaft und Freude dafür ist in Freilingen auf jeden Fall groß", stellt er nicht ohne Stolz fest. 

Und die Begeisterung bei der Ankunft des Fahrzeugs am späteren Abend des 9. Dezember war tatsächlich überschwänglich. Nahezu die gesamte Mannschaft hatte sich im Lichte des großen Freilinger Dorfweihnachtsbaums auf dem Dorfplatz neben dem Feuerwehrgerätehaus versammelt, um Achim und Thomas und das neue Einsatzfahrzeug in freudiger Erwartung in Empfang zu nehmen. 

Tatsächlich hatte es schon etwas von weihnachtlicher Bescherung, als das neue Gefährt ausgiebig begutachtet und anschließend im Feuerwehrgerätehaus untergestellt wurde. 

Das erfreut das Herz jeden Feuerwehrmannes...und natürlich auch jede Feuerwehrfrau!

Wir freuen uns mit der Freiwilligen Feuerwehr über das neue Fahrzeug und wünschen uns sehr, dass die Übungsstunden die Einsatzstunden mit dem Fahrzeug bei weitem überwiegen werden.

An dieser Stelle auch noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an alle ehrenamtlich Engagierten in der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Blankenheim für ihren unermüdlichen Einsatz, vor allem auch in diesem turbulenten Katastrophenjahr.

Nicht nur wegen des neuen Fahrzeugs können wir jederzeit auf Euch zählen. Was für ein gutes Gefühl!

Für alle, die einmal einen Blick in das Fahrzeug werfen wollen, hier ein paar aufschlussreiche Fotos: 

 

 

 

Freilinger Infobox

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