Diorama - so die genaue, technische Bezeichnung einer ganz besonderen Darstellung u.a. im Modelleisenbahnbau, bei der eine detailreiche Szene eine besondere Illusion von einer Bahnhofsumgebung und dem Gleisbereich bieten soll. In jedem Fall ist eine solche bis in kleine Details nachempfundene Konstruktion mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden. Das kann Karl Mattar bestätigen, der ein wunderbares Diorama vom ehemaligen Freilinger Bahnhof gebaut hat, der vor über 100 Jahren, am 1. Mai 1913 seinen offiziellen Betrieb aufnahm, wenn auch nicht für allzu lange. Anlass genug, neben dem kleinen Meisterwerk auch auf die Geschichte des Freilinger Bahnhofs und damit auch der Bahnstrecke zwischen Blankenheim-Wald und Ahrdorf insgesamt zurück zu blicken. Sehr interessanter Ein- und Rückblick!

Die Verbundenheit zu Freilingen zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen. Manche kommen regelmäßig zur Kirmes, wenn sie denn stattfindet. Manche lesen regelmäßig diese Internetseite, um auch in der Ferne auf dem Laufenden zu sein und die neuesten Entwicklungen in Freilingen zu beobachten und zu verfolgen. 

Und manche basteln in ihrer Freizeit an einem Bauwerk, von dem nicht mehr allzu viele wissen, dass es dies überhaupt mit einer bestimmten Funktion gegeben hat bzw. wie es einmal ausgesehen hat. Zu den emsigen Bastlern gerhört jedenfalls Karl Mattar aus Köln, 91 Jahre alt, der 2019 für seinen Sohn zum 60. Geburtstag einen Nachbau, ein sog. Diorama vom Freilinger Bahnhof gebaut hat.

Sein besonderer Bezug zu unserem Ort liegt an den Freilinger Wurzeln seiner Frau, mit der er seit 1957, später auch mit seinen drei Kindern bis heute immer mal wieder Gast in Freilingen ist. "Wir sind über die Jahrzehnte Kölsche Frillinger geworden", beschreibt der Kölner seinen engen Bezug zu Freilingen.  

Und wenn man sich die Größe und Liebe zum Detail bei dem Diorama anschaut, dann muss die Verbundenheit schon groß sein. 

Denn das Kunstwerk hat den Modellbahn-Maßstab HO= 1:87 und eine Größe von 70 x 40 cm. Es steht inzwischen im Wohnzimmer von Bernd Mattar und entstand nach einem Foto aus dem Jahr 1914, das auch in dem von Manfred Jehnen aus Uedelhoven im Jahr 2018 in Zusammenarbeit mit den Jünkerather Eisenbahnfreunden e.V. herausgegebenen Buch "Wieder eine neue Eifelbahn“ abgebildet ist.  

Die wenigsten können sich eigentlich noch daran erinnern, dass wenige Kilometer bzw. einen guten Fußmarsch westlich von Freilingen ein Bahnhof an der ehemaligen Strecke durch das Ahrtal in Betrieb war.

In einer ungewöhnlich kurzen Bauzeit von 3 Jahren, von 1910 bis 1913, wurde mit großem Aufwand die 24,9 km lange Bahnstrecke von Blankenheim-Wald nach Ahrdorf mit insgesamt 7 Bahnhöfen gebaut.

Insgesamt 37 Bahnunter- und überführungen sowie 18 gewölbte Durchlässe mussten errichtet werden. 1911 und 1912 waren zeitweise über 5000 fremde Bahnarbeiter aus "Aller Herren Länder" allein in der Bürgermeisterei Blankenheim beschäftigt.

Zu Beginn der Bauphase am 1. April 1910 ging man noch von voraussichtlichen Kosten von rund 5 Millionen Mark aus. Doch geologische Schwierigkeiten gerade beim Bau der drei Tunnel durch das "Wilde Bergland" trieben die Kosten gewaltig in die Höhe. 

(Foto: Bahnbau bei Freilingen, Sammlung Erwin Mungen)

Der längste Tunnel bei Ahrdorf stellte bei den Bauarbeiten eine ganz besondere Herausforderung dar, da er über 398 m in seiner gesamten Länge auch noch eine Kurve nahm, was damals nicht einfach zu bauen war. 

Letztlich betrugen die Baukosten dann über 7 Millionen Mark, wovon allein 510.000 Mark auf den Bau der Bahnhöfe einschließlich deren Ausrüstung, wie z.B. Bahnsteige, Beamtenwohnungen und Lokomotivschuppen entfielen.

(Foto vom Bau des Freilinger Bahnhofs um 1912, darunter die Freilinger Jakob Franzen, Wilhelm Luppertz, Wilhelm Ramers, Hubert Eich, Hubert Schwarz und Siegbert Ramers)

Am 1. Mai 1913 wurde die Bahnstrecke eingeweiht und mit einer Fahrt von Ahrdorf nach Blankenheim-Wald offiziell dem Verkehr übergeben. Am ersten Tag konnte jeder unentgeltlich mitfahren, wovon auch viele Freilinger Gebrauch machten.

In dem Buch von Maria Wallisfurth "Sie hat es mir erzählt", in dem sie die Lebensgeschichte ihrer taubstummen Mutter Maria Giefer aus Freilingen wiedergibt, sind die damaligen Ereignisse kurz erwähnt worden. Dort heißt es:

"Am Vorabend der Maikirmes geht es im Tanzsaal Meiershof in Freilingen hoch her. Die Musikanten spielen - der Saal ist mit Girlanden geschmückt und im Schein vieler Petroleumlampen sehen die Mädchen hübsch aus in ihren Festtagskleidern. Alle sind lustig, auch die vielen Fremden im Saal, die an der neuen Bahnstrecke gearbeitet haben. Morgen wird die Bahn das erste Mal von Blankenheim bis Ahrdorf fahren.

An diesem schönen Maientag strebte alles, was Beine hatte, zu diesem wahrlich nicht alltäglichen Ereignis zum Bahnhof Freilingen. Vater Giefer hatte sein Pferd angespannt und so ging es im Leiterwagen mit der ganzen Familie in Richtung Ahrtal. Soviel Volk hatte es dort noch nie gegeben. Die neue Brücke mit vier weiten Bögen spannte sich herausgeputzt über Straße und Ahr."

Maria sah den mit Girlanden geschmückten Freilinger Bahnhof, Musikkapellen, Uniformen, Arbeiter in Sonntagsanzügen, Fremde aus der Stadt mit Zylindern und steifen Hüten und die vielen Bauern mit Kindern aus den umliegenden Dörfern. Vater Giefer blieb mit seinem Gespann auf der Ahrtalstraße stehen, und so konnten sie vom Wagen aus die Brücke und den Bahnhof gut beobachten.

Dann war es soweit. Langsam fuhr der geschmückte Zug in den Bahnhof ein. Jemand hielt eine lange Rede, dann spielte die Musik, Hüte flogen hoch, und der erste Bahnhofsvorsteher des Bahnhofes Freilingen gab das Abfahrtssignal -der Zug setzte sich mit Zischen, Fauchen und Pfeifen in Bewegung, so daß es weit in den Ahrbergen widerhallte. Dann überquerte er die Brücke und gelangte auf die andere Seite der Ahr."

Für die Familie Giefer stellte die neue Bahn eine große Erleichterung dar. Von 1905 an besuchte Maria Giefer die Taubstummenschule in Aachen. Zum Bahnhof Blankenheim-Wald war es ein Fußweg von 3 ½ Stunden. Aber jetzt war es nur noch eine gute halbe Stunde zum Freilinger Bahnhof."

Mit der Bahn zeigte sich auch ein wirtschaftlicher Aufschwung in der Region.

Täglich fuhren damals 4 Personenzüge in Richtung Ahrdorf (8.46 h, 10.55 h, 15.31 h, 18.41 h) und vier Züge in Richtung Blankenheim-Wald (6.49 h, 10.55 h, 15.31 h, 18.41 h). In den 30er Jahren waren es sogar 6 Züge in jeder Richtung, die von der königlichen Eisenbahndirektion in Köln zeitlich so gelegt waren, dass alle Anwohner an der Oberahr die Früh- und Spätzüge erreichen konnten, die auf der Hauptstrecke Köln-Trier verkehrten. Ein Güterzug fuhr jeden Morgen hin und zurück. 

Dann kam der 1. Weltkrieg. Diese Zeit überstand die Bahn schadlos. Ihrem Hauptbauzweck entsprechend war sie in dieser Zeit mit Material- und Truppentransporten voll ausgelastet gewesen. Auch im 2. Weltkrieg, in dem die Linie wiederum als Nachschubstrecke diente, entstanden nicht allzu große Schäden, trotz verschiedener Angriffe. 

Zerstört wurde die Strecke bei Kriegsende vielmehr von abziehenden deutschen Soldaten. Letztlich waren u.a. 14 Brücken zwischen Blankenheim-WaId und Ahrdorf beschädigt bzw. zerstört, so auch das Viadukt über die Ahr und die Ahrtalstraße in der unmittelbaren Nähe des Freilinger Bahnhofes.

Das alles musste nach dem Krieg mühsam wieder aufgebaut werden, um die Strecke wieder fahrtüchtig zu machen.  

Von Blankenheim-Wald aus wurde die Strecke zunächst bis Mülheim (1950) und im Juni 1951 bis Ahrdorf wiedereröffnet und für den Güterverkehr freigegeben.

1954 wurde neun Jahre nach Kriegsende der Personenverkehr wieder aufgenommen, allerdings nur zwischen Blankenheim-Wald und Mülheim. Schon 1958 wurde der Personenverkehr auf dieser Strecke wieder eingestellt, zumal nach dem Krieg hauptsächlich die Busse, die über die einzelnen Dörfer zum Bahnhof nach Blankenheim-Wald fuhren, die Personenbeförderung übernommen hatten. 

Am 30. April 1961 fuhr der letzte Güterzug zwischen Blankenheim-Wald und Dollendorf, dessen Lokomotive mit einem kleinen Tannenbäumchen mit Trauerflor versehen waren. So endete eine Eisenbahnstrecke nach relativ kurzer Betriebszeit.

(Foto der letzten Fahrt 1961)

Die Strecke von Ahrdorf bis Mülheim wurde 1963 abgebaut und die bis Blankenheim (Eifel) dann 1966/67. Der restliche, zum Industriegleis degradierte Abschnitt bis Blankenheim-Wald wurde 1974 aufgegeben.

Die Trasse der Eisenbahnstrecke Ahrdorf - Blankenheim (Wald) verfiel danach, soweit sie nicht Straßen oder anderen baulichen Maßnahmen weichen musste, in einen Dornröschenschlaf. Die Natur holte sich zurück, was man ihr vor Jahrzehnten genommen hatte.

Erst der Tourismus eröffnete die Möglichkeit, Teile der alten Eisenbahntrasse wieder einem Verwendungszweck zuzuführen und dadurch ein Stück Eisenbahngeschichte für die Nachwelt zu erhalten. Für 4,2 Millionen Euro baute der Kreis Euskirchen von 2004 bis 2005 einen wunderschönen Radweg, der in Blankenheim beginnt und in Ahrdorf auf zwischenzeitlich entstandene andere Radwege trifft, die in Richtung Hillesheim bzw. weiter an der Ahr entlang führen. Die Eröffnung fand im Rahmen eines Rad-Aktionstages am 12. Juni 2005 statt. Nun kann man die alte Bahntrasse im wahrsten Sinne des Wortes wieder „erfahren“. Besonders die alten Brückenbauwerke am Radweg erinnern an das, was einst war.

(Quellen: Freilinger Dorfchronik von Albert Luppertz; Die alte Eisenbahnstrecke zwischen Blankenheim-Wald und Ahrdorf von Eginhard Kranz, erschienen im Kreis Euskirchen - Jahrbuch 1993).

Die einzelnen Bahnhofsgebäude, so auch der ehemalige Freilinger Bahnhof sind im Privatbesitz und entsprechend umgebaut.

Umso wertvoller ist eine solche Nachbildung wie die von Karl Mattar, um sich ein plastisches Bild von der ursprünglichen Szenerie zu machen. 

Das Diorama von Karl Mattar soll den Kernbereich des Freilinger Bahnhofs in der Zeit etwa Mitte der 50er Jahre widerspiegeln. Die Kriegsschäden waren weitestgehend beseitigt und die Strecke zwischen Ahrdorf und Blankenheim- Wald war wieder durchgängig befahrbar.

Nach der Währungsreform 1948 boomte das Leben und die Wirtschaft, und damit auch der Austausch und der Transport von Gütern im ganzen Land. "So habe ich mir aus meiner persönlichen Erinnerung an diese Zeit vorgestellt, wie das Leben und Treiben, sowie der Betrieb am Eifelbahnhof Freilingen hätte sein können", erläutert der Bastler sein Werk.

"Eine Fiktion die auf meinen persönlichen Erlebnissen ruht. Und so habe ich das Diorama dann auch gestaltet: Mit einem Personenzug, der abfahrtbereit in Richtung Blankenheim-Wald auf Gleis 2 steht. Ein Postbus ist eingetroffen und bringt Fahrgäste aus den umliegenden Dörfern, welche die Weiterfahrt mit dem Zug antreten. 

Kurzum, ein reger Fahrgastwechsel wie man ihn sich immer gewünscht hat. Auf der Laderampe findet ein Güteraustausch statt, während aus einem Kühlwagen Getränke entladen werden. Der benachbarte Güterwagen bringt Frachtgut, welches mit dem Kran auf einen bereitstehenden Anhänger gehievt wird. Wie gesagt: So hätte es sein können", erklärt er die Szenerie am Bahnhof. 

Wenn man sich das Diorama genauer betrachtet, kann man nur erahnen, wie viel Stunden er daran gebastelt hat.

"Meine Arbeitszeit am Diorama ist schwer zu schätzen, denn es ist eine Leidenschaft, die mit der Liebe zur Modelleisenbahn über Jahrzehnte entstanden ist. Nach dem Ende meiner aktiven Dienstzeit am 1.Januar 1995, begann ich mit dem Dioramenbau zu bestimmten Themen und für mir besonders Nahestehende aus Familie und Freundeskreis. Alleine zwei Dioramen sind dabei dem Leben und der Landschaft in der Eifel gewidmet. Beispielsweise zeigt eine Szene die Freilinger Musikkapelle, wie sie an einer Kirche zur Hochzeit aufspielt", erzählt der Kölner über seine Leidenschaft. 

Mit dem Diorama vom Freilinger Bahnhof ist ihm sicherlich ein ganz besonderes Werk gelungen. 

(Fotos des Dioramas: Clärchen und Hermann Baus)

Wer mehr über die Bahnstrecke im Ahrtal erfahren möchte, der kann dies im sehr interessanten Buch "Wieder eine neue Eifelbahn - 100 Jahre Ahrdorf-Blankenheim (Wald)" von Manfred Jehnen, herausgegeben von den Eisenbahnfreunden Jünkerath e.V. nachlesen. 

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