„111“ – so viele Tage ist der bekennende Karnevalsfreund Markus Ramers aus Freilingen genau am Samstag, 20. Februar als Landrat für den Kreis Euskirchen verantwortlich. Ein Posten, der schon in normalen Zeiten eine besondere Herausforderung darstellt, in Corona-Zeiten aber sicherlich noch mehr vom Amtsinhaber abverlangt. Grund genug für Simon Hellenthal hinter die Kulissen des Landratsamtes zu schauen und für WiF ein Interview mit Markus Ramers zu führen. Sehr interessant!

 

Im September letzten Jahres trat der Freilinger Markus Ramers (SPD) bei der Kommunalwahl als Landratskandidat an. Dabei wurde er von einem breiten überparteilichen Bündnis und zahlreichen Bürgern unterstützt.

Im ersten Wahlgang reichte es weder für Ramers noch den Kandidaten der CDU, Johannes Winckler, für die absolute Mehrheit. So kam es zur Stichwahl, die Markus Ramers klar mit 60,4% gewann. Gerade als SPD-Kandidat im Kreis Euskirchen eine Sensation.

Am 4. November wurde Markus Ramers offiziell als Landrates vereidigt. Er wurde damit nach 26 Jahren Nachfolger von Günter Rosenke. Eine Zäsur für den Kreis Euskirchen.

Am Samstag, 20. Februar ist Markus Ramers genau 111 Tage im Amt. Eine gute Zeit, um einmal ein erstes Resümee zu ziehen und ein Anlass für Simon Hellenthal, noch einmal ein Interview mit Markus Ramers zu führen, der schon zweimal, nämlich  2013 und 2016 WiF Rede und Antwort gestanden hat, als Landrat aber in jedem Fall viel Neues zu berichten weiß.

WiF: Markus, wenige Wochen nach unserem letzten Treffen während deines Wahlkampfes bist du tatsächlich zum Landrat gewählt worden. Welche Erinnerung hast du an deinen Wahlsieg und den Tag danach?

Markus: Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich an den 27. September 2020 denke. Auch wenn aufgrund der Corona-Pandemie nicht richtig gefeiert wurde, war ich froh, dass meine Familie und enge Freunde dabei sein konnten.

WiF: Am 4. November hast du offiziell dein Amt angetreten. Wie war die Amtseinführung für dich?

Markus: Genau genommen bin ich seit dem 1. November offiziell Landrat. Das war ein Sonntag und nach dem Frühstück bin ich direkt mal ins Kreishaus gefahren, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt gemeinsam mit meinem Allgemeinen Vertreter Manfred Poth Danke für den Einsatz am Wochenende zu sagen.

Am 4. November bin ich dann in der Kreistagssitzung in Vogelsang vereidigt worden - sicher ein besonderer Moment.

WiF: Als Landrat hat man ja sehr viel zu tun und ist quasi auch ständig auf Abruf. Wie hat sich dein Privatleben verändert?

Markus: Da es aktuell wenig repräsentative Termine gibt, versuche ich die Wochenenden für die Familie zu reservieren und genieße die gemeinsame Zeit mit Nadine und den Kindern. Ansonsten bin ich natürlich in der Woche seltener Zuhause und auch die Zeit zum Sport treiben oder für ein gutes Buch ist eher knapp.

WiF: Wie gehen deine Familie und du mit der Corona Situation um? Auch mit Lockdown und Homeschooling.

Markus: Wir versuchen vermutlich wie alle Familien das beste aus der Situation zu machen. Durch unsere schöne Eifel-Landschaft sind wir wirklich privilegiert. Ne Runde um den See oder hoch zum Friedenskreuz, da lassen sich immer wieder kleine Highlights einbauen.

Trotzdem freuen wir uns für Leo, wenn er auch wieder in den Kindergarten gehen kann.

WiF: Am Anfang sah dein Büro ja noch ziemlich kahl und unpersönlich aus. Wie ist es mittlerweile?

Markus: Inzwischen konnte ich immerhin das Bild aufhängen, das die Künstlerin Maf Räderscheidt für mich gemalt hat. Es zeigt ganz viele Facetten des Engagements im Kreis Euskirchen und ist eine wirkliche Inspiration für meine Arbeit. Von den Kindern gibt es auch ein kleines Foto auf dem Schreibtisch.

WiF: Vermisst du eigentlich die Arbeit in der Schule?

Markus: Auf Homeschooling hätte ich aktuell eher weniger Lust. Aber ich denke natürlich häufiger an meine alte Klasse oder meinen ehemaligen Mathe-Leistungskurs.

WiF: Könntest du dir überhaupt vorstellen, irgendwann wieder in den Schuldienst zurückzukehren?

Markus: Ich bin ja noch relativ jung und kann mir viele Tätigkeiten vorstellen. Und da ich immer gerne Lehrer gewesen bin, ist das natürlich eine Option. Erstmal möchte ich aber meine Arbeit als Landrat gut machen.

WiF: Jeder Chef hat ja seinen eigenen Stil was die Mitarbeiterführung betrifft. Wie unterscheidest du dich da von deinem Vorgänger?

Markus: Der Vergleich ist schwierig. Ich versuche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren und ermutige sie, offen zu diskutieren.

WiF: Erzähl uns doch bitte mal, wie dein Tagesablauf typischerweise aussieht.

Markus: Kaum ein Tag ist wie der andere. Aber ich versuche mal einen Ablauf zu beschreiben, wie er häufiger vorkommt: Aufstehen gegen 7 Uhr, dann kurz einen Apfel frühstücken und um 8 Uhr Abfahrt ins Kreishaus (meistens mit dem eigenen Auto), ein bisschen Büroarbeit und kurze Terminabsprachen mit meiner Sekretärin, um 9 Uhr erste Besprechungen mit Führungskräften aus der Verwaltung, dann ab 11 Uhr was Zeit für Telefonate und Mails, Absprachen mit der Pressestelle über Medienanfragen, kurze Mittagspause (seit Schließung der Kantine nutze ich manchmal Lieferdienste in Euskirchen), 14 Uhr rüber zur Kreispolizeibehörde mit dem Dienstwagen und dort Gespräche mit der Leitungsebene, ab 16 Uhr häufig Videokonferenzen mit den Fraktionen, dem Landkreistag oder anderen Gruppen, unter Umständen ist dann dazwischen noch irgendwann Krisenstab.

Wenn es gut läuft, bin ich um 19 Uhr Zuhause und kann die Kinder noch mit ins Bett bringen. Manchmal wird es auch später. Und abends nutze ich oft die Zeit auf dem Sofa, um ein bisschen Social Media zu machen und Nachrichten zu beantworten.

WiF: Was hast du bis jetzt schon in der Kreisverwaltung verändert? Was sind deine Pläne?

Markus: Die Verwaltung ist zum Glück in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt und brauchte daher keine große Änderungskur. Ich habe zu Beginn eher Kleinigkeiten im Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen verändert. Mein Ziel ist es, dass die Kreisverwaltung ein attraktiver familienfreundlicher Arbeitgeber in der Region bleibt und wir auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gut aufgestellt sind. Deshalb sind Personalgewinnung und -entwicklung mit allen Facetten wichtige Themen für mich.

WiF: Konntest du in den ersten 111 Tagen schon Akzente bezüglich der zukünftigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung im Kreis setzen?

Markus: Das ist im Krisenmodus gar nicht so einfach. Ich suche den Kontakt zu den von Corona besonders gebeutelten Berufsgruppen und gleichzeitig bereiten wir zum Beispiel im Zuge der Strukturwandel-Förderung im Rheinischen Revier auch Innovationsprojekte im Kreis Euskirchen vor.

WiF: Auch deine ersten Monate als Landrat waren, wie zurzeit alles, sehr von Corona geprägt. Wie hast du den Anstieg der Infektionszahlen erlebt? Was war für dich der kritischste Moment?

Markus: Als besonders belastend habe ich die vielen Corona-Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen und die Todesfälle um Weihnachten herum erlebt.

WiF: Was würdest du gerne den Bürgern zur aktuellen Situation sagen bzw. zur Perspektive auf ein wieder “normales” Leben?

Markus: Wir leben jetzt seit einem Jahr mit der Corona-Pandemie und ich habe großes Verständnis für die zunehmende Frustration - die Einschränkungen machen auch mir keinen Spaß. Aber dieses Virus ist real und wird nicht verschwinden. Das Verantwortungsgefühl jedes Einzelnen ist auch in den kommenden Monaten weiter gefragt.

Gleichzeitig hoffe ich, dass durch die Impfungen zunehmend mehr „Normalität“ zurück in unseren Alltag kommen kann. In unserem Regionalen Impfzentrum in Marmagen wird mit tollem Engagement gearbeitet - da darf von Bund und Land gerne noch was mehr Impfstoff geliefert werden.

WiF: Du bist ja relativ oft zurzeit in der WDR Lokalzeit zu Gast. Wie ist das für dich? Und hast du dich inzwischen daran gewöhnt?

Markus: Mir macht das Spaß. Das sieht im Fernsehen immer sehr aufwendig und spektakulär aus mit dem Studio, aber eigentlich ist das alles recht unkompliziert und normal.

WiF: Welchen Umgang verfolgst du mit den „neuen“ und „alten“ Medien?

Markus: Mir ist wichtig, die Menschen bei meiner Arbeit als Landrat mitzunehmen - und das nicht mit 08/15 Texten, sondern mit authentischen Botschaften. Deshalb versuche ich immer wieder Zeitfenster für Facebook und Instagram einzubauen. Bei Presseanfragen unterstützt mich mein Team. Uns ist gerade zum Thema Corona wichtig, die Bürgerinnen und Bürger transparent und umfassend zu informieren. Deshalb haben wir zum Beispiel unser Corona-Dashboard mit umfangreichen Statistiken eingerichtet.

WiF: Würdest du nach deinen bisherigen Erfahrungen wieder Landrat werden wollen?

Markus: Auf jeden Fall!

WiF: Was ist das beste am “Job” Landrat?

Markus: Die Abwechslung und das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können für die Menschen im Kreis.

WiF: Welche Bilanz ziehst du nach 111 Tagen im Amt?

Markus: Der Kreis Euskirchen kann Krise und es ist für mich als Landrat ein tolles Gefühl, dass man sich auf das Team in der Kreisverwaltung aber genauso auf die Ehrenamtlichen in den Hilfsorganisationen hundertprozentig verlassen kann.

WiF: Kannst du einen kleinen Ausblick auf deine weitere Amtszeit geben? Wenn ja welchen?

Markus: Es wird auf jeden Fall spannend bleiben und ich werde mit Verwaltung und Kreistag an den Zukunftsfragen arbeiten: Digitalisierung, Klimaschutz, Mobilität, Familienfreundlichkeit.

WiF: Da du ja schon bei uns im Interview warst, sparen wir uns die 4 beliebten Standardfragen. Nichtsdestotrotz haben wir eine extra Frage für dich. Wie siehst du als FC Fan die Chancen auf einen Klassenerhalt in dieser "ungwöhnlichen” Saison?

Markus: Der FC leidet darunter, dass die Fans nicht im Stadion supporten können. Trotzdem wird es knapp reichen für den Klassenerhalt.

WiF: Vielen Dank für das Interview Markus. WiF wünscht Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg als Landrat.

Markus: Immer gerne.

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