"Homeschooling" - ein Thema, das viele, sogar erfahrene und normalerweise nicht aus der Ruhe zu bringende Eltern zur Zeit an den Rand der nervlichen Belastung führt. Seit Wochen und wahrscheinlich auch noch für viele weitere Tage sitzt der schulpflichtige Nachwuchs zu Hause, bestenfalls mit eigenem Laptop am eigenen Schreibtisch und muss selbst bei guter Ausstattung und Anleitung durch die eigentlich zuständigen Lehrkräfte immer wieder elterlichen Beistand und Ratschlag einfordern. Wenn sich dann die Nachfragen aufgrund mehrerer Schulkinder im "Home-Office" exorbitant häufen, sind schon Selbstberuhigungstaktiken gefragt. Hier einmal ein unterhaltsamer Erfahrungsbericht einer "lehrbeauftragten" Mutter, wie er sich ähnlich an vielen Orten fast jeden Tag abspielt...

 

 

 

"Zwischen Misthaufen und Homeschooling...in Gummistiefeln zum Zoom-Meeting"

 

Heute war mal wieder einer dieser Tage, an dem ich mein "Ommmmm" plötzlich verlor....

Corona hat natürlich auch unser Leben vollkommen verändert. In der Mühle des Hamsterrades aus Familie, Arbeit, Hobbies und Freizeitstress gefangen, sahen wir uns plötzlich einem leeren Terminkalender gegenüber. Wie vermutlich Vielen ging es auch uns so, dass wir die frei gewordene Zeit erstmal genossen haben – zumindest, nachdem mein Stresssystem endlich begriffen hatte, dass es gar keinen Stress mehr gibt.

Besonders nach dem Lockdown-light im November und dem verschärften Lockdown ab Mitte Dezember hatten wir uns nach den Feiertagen und Weihnachtsferien vollends im Chill-out Modus eingefunden.

Es kostete einiges an Überwindung, mit dem nun wieder beginnenden Homeschooling zurück in eine Art Alltagsroutine zu finden.

Also quälen wir uns seitdem morgens um sieben aus dem Bett (keine Ahnung, wie es mal möglich war, schon um halb sechs aufzustehen), beginnen nach dem Frühstück den „Schulalltag“ und gehen es ansonsten eher gemütlich an.

Tiere sind besonders in dieser Zeit ein Segen! Wer mich kennt, weiß, dass es mich größtenteils nur mit Hund und Pferd anzutreffen gibt. Genau dafür bin ich in dieser außergewöhnlichen Zeit ganz besonders dankbar. Gibt es einem doch eine Art Struktur vor, aber vor allem auch Abwechslung im sonst momentan so drögen Alltag. Zu Zeiten des Homeschoolings ist es meine kleine persönliche Flucht, wenn ich irgendwann zwischen neun und zehn sagen kann „Ich bin zu den Pferden!“

So haben wir uns also eingependelt, um irgendwie diesen Wahnsinn zu überstehen.

Heute aber war ein besonderer Tag...

Ein Termin beim Kieferorthopäden! EIN TERMIN! Wow! Sonst daran gewöhnt, irgendwie alle Termine unter einen Hut zu bringen und nebenbei noch ein bisschen den Haushalt zu schmeißen, fühle ich mich momentan schon wie gelähmt, wenn es nur einen ! Termin zu organisieren gibt.

Naja – immerhin gibt es auch noch Zoom-Termine. Ausgerechnet am heutigen Donnerstag die meisten. Drei für meine Tochter (wovon sie zwei wegen dem Kieferorthopäden schon nicht wahrnehmen kann) und zwei für meinen Sohnemann in der fünften Klasse.

Also sorge ich vor: ich schicke ihm die Links für beide Meetings aus meinem Postfach an seine E-Mail Adresse, damit er ohne meine Anwesenheit ins erste Meeting kommt und mache mich auf den Weg zu meinen Vierbeinern.

Natürlich gehört zu so einem Tag, an dem man ja schon einen! Termin bewältigen muss, auch Regen! Und das vom Himmel hoch. Aber ich bin ja ausgestattet... Die Tüten mit Kraftfutter im einen Arm, die Leine mit dem Hund dran in der anderen Hand, gehe ich die 400m zu meinem Offenstall und bemühe mich dabei, ein fröhliches Gesicht zu machen. Immerhin habe ich mal gelesen, dass mein Gehirn meine Stimmung in meinem Gesicht abliest. Also versuche ich regelmäßig mein Gehirn zu überlisten und ihm gute Laune vorzugaukeln, besonders, wenn es regnet.

Mein Lieblingspferd sieht mich schon von weitem kommen und wiehert mir dreimal laut entgegen, was mir tatsächlich ein aufrichtiges Lächeln ins Gesicht zaubert.

Während meine Hotties gemütlich auf ihrem Kraftfutter rum kauen, scharre ich schon mal die zu Matschepampe verregneten Pferdeäpfel zumindest da zusammen, wo gleich Heu fressende Pferde im Weg stehen werden. Dabei schaue ich immer wieder auf die Uhr, weil ich ja weiß, dass um halb zehn das erste Meeting für meinen Sohn ansteht.

Da klingelt aber auch schon mein Handy.

„Mama, ich brauch Hilfe, ich versteh das nicht. Und ich hab Bauchweh.“

Bauchweh, bei ihm gleichbedeutend mit Stress. Also bemühe ich mich erstmal, meinen Zeitdruck beiseite zu schieben und ihm seinen Stress zu nehmen. Er soll sich mal fünf Minuten Zeit nehmen, um runterzukommen, und dann einfach nochmal neu anfangen. Was will ich, mit meiner Mistschüppe im strömenden Regen stehend, jetzt auch anderes sagen? Gerade aufgelegt, kommt mir das Zoom-Meeting wieder in den Kopf. Ein Blick auf die Uhr – okay, erst kurz nach neun. Also weiter. Die Heutonnen warten auf ihre Befüllung, ansonsten gibt es wieder Gezicke untereinander.

Zwanzig nach neun: ich rufe Zuhause an, um mein gestresstes Kind an das Meeting zu erinnern, an dem er heute übrigens das erste Mal mit seinem Tablet statt im Büro mit dem Laptop teilnehmen möchte. War ja klar, dass das nicht klappt, oder? Schließlich muss man dafür in sein E-Mail Postfach, um an den Link zu kommen. Passwort? Fehlanzeige.

Ich lasse den Hörer an meine Tochter weiterreichen und leite sie zu meinem Ordner, indem sich eine Liste mit Passwörtern befindet. Akribisch liest sie mir alles vor, was sie im Ordner findet – die Liste ist natürlich ganz hinten, inzwischen ist es fast halb zehn und ich stehe wieder mit der Mistschaufel in der Hand neben der fast vollen Schubkarre IM REGEN. Das ist dann der Moment, wo meine Gelassenheit sich in rasanter Geschwindigkeit auf und davon macht, ab in den Wald.

Ich gebe auf, lege die Schaufel zur Seite, lasse alles stehen und liegen, leine noch schnell den Hund an und mache mich auf den Weg nach Hause.

Joggender Weise in Gummistiefeln durch den Regen, der Hund aufgeregt bellend an meiner Seite, komme ich schmutzig (Heu und nasse Jacke sind nicht wirklich kompatibel), nass und keuchend Zuhause an. Da erwartet mich die frohe Botschaft: Ich hab’s!

Eigentlich könnte ich ja jetzt froh sein, erleichtert. Aber nein, zuerst mal bekomme ich von meiner Tochter ein „wie siehst Du denn aus?“ gedrückt. War gar nicht böse gemeint, aber wenn man sich gerade wie ein Schnellkochtopf fühlt, dem das Ventil verstopft ist, ist das vielleicht nicht die beste Frage. Aber nein, sie ist ja gerade online mit ihren Freundinnen – nicht wirklich ein guter Zeitpunkt, um zu explodieren.

Also halte ich meine Klappe und schlucke die Worte, die meinem roten Kopf entströmen wollen im letzten Moment zurück. Außerdem war da ja noch was... richtig! Eine Schubkarre, eine Schaufel UND der Kieferorthopäde.

Also schlüpfe ich wieder in meine Gummistiefel, raus in den Regen, nehme den wartenden Hund und stapfe frustriert wieder los. Mein Überdruck möchte sich gerne in einem Heulkrampf Luft verschaffen, aber haben wir dafür Zeit? Nein! Also bleibe ich kurz stehen, schließe meine Augen und atme dreimal tief durch - so viel Zeit muss dann eben doch noch sein.

Wieder im Hier und Jetzt wird mir bewusst, was für ein eigenartiges Bild das abgeben musste, sollte mich jemand gesehen haben: Ich, klitschnass, verdreckt und in Gummistiefeln, stehe mit einem genauso nassen und dreckigen Hund neben mir mit geschlossenen Augen mitten auf der neu ausgebauten Straße. Also schaue ich mich erstmal um... und schaue geradewegs zu einem winkenden Gesicht hinter der Fensterscheibe der Kita. Autsch!

Aber gut, erstens stehe ich auch ganz offen dazu, wenn es mal nicht rund läuft und zweitens habe ich ja noch meine Mission „Pferdemist“ zu beenden. Zurück bei Schaufel und Schubkarre (die Pferde sind schon ganz irritiert, dass ich wieder aufkreuze, schließlich haben sie was zu fressen und brauchen mich in ihren Augen gerade nicht mehr), klingelt mein Handy.

„Mama, ich kann niemanden hören und ich sehe auch immer nur den, der gerade spricht“

Inzwischen ist es zwanzig vor zehn. Da wir ja erst um halb elf los müssen, habe ich schließlich noch ausreichend Zeit für eine ausführliche Anleitung per Telefon, wie man dann jetzt doch noch am schnellsten über den Laptop teilnehmen kann. Immerhin liegt ja inzwischen das Passwort griffbereit.

Endlich alle da, wo sie hingehören, sammel ich also noch schnell die letzten Äppel ein, fülle das Wasser auf und freue mich, dass ich es – mal wieder – unbeschadet mit der Schubkarre bergauf über das Eis geschafft habe (ich rechne mir immer aus, dass, sollten meine Füße doch mal keinen Grip haben, meine Zähne genau auf dem vorderen Rand der Schubkarre landen würden)

Schnell also alles noch wegräumen und ab nach Hause. Schließlich meldet sich jetzt auch noch der Hunger und ich merke, dass mein eigener Körper mit seinen Bedürfnissen überhaupt nicht bereit ist auf Homeschooling, Zoom-Meetings oder Termine beim Kieferorthopäden Rücksicht zu nehmen.

Aber erst gilt es noch den Hunger von Hund und Katze zu stillen und natürlich muss der Hund bei diesem Sauwetter auch noch zumindest die Beine gewaschen bekommen und mir täte eine Dusche auch nicht schlecht.

Allerdings ist mein Sohnemann inzwischen mit seinem Meeting fast durch und beginnt ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinen Hunger noch schnell stillen möchte, mit den Matheaufgaben für den Tag.

„Mamaaaaaaa, ich brauch Hilfeeeeee!“

Immerhin ist er ein helles Kerlchen, sodass wir Mathe im Schnellverfahren zum Laufen bringen und mir noch zehn Minuten für essen, duschen, anziehen bleiben, damit ich dann mit meinem 12-jährigen Pubertier tatsächlich pünktlich nach Euskirchen aufbrechen kann.

Inzwischen bin ich wieder sowas von geerdet, dass ich die Belehrungen oben genannten Pubertiers zu meinem Fahrverhalten und das der anderen entspannt weglächeln kann und mich freue, wenigstens im Auto im Trockenen zu sitzen...

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