"Kunst am Kasten"- statt im Garten...heißt es in diesem Jahr im August in Freilingen, und das sogar dauerhaft. Denn mit dem Neuanstrich (oder besser "Neuansprüh" ?) der Trafostation ist durch der Agentur "Highlightz" ein echtes Kunstwerk am Marienplatz geschaffen worden, das alle Blicke auf sich zieht. Vielen Dank an die e-regio für diesen tollen "Seeblick" mitten in der Ortslage.

Seit 2002 steht die Ortsnetzstation des lokalen Energieversorgers am Rande des Marienplatzes und wirkte bisher aufgrund ihrer Größe zwar wuchtig, aber wegen des grünen Gesamtanstrichs nicht störend im Gesamtbild vor einer grünen Hecke.

Das änderte sich allerdings, als der Kasten im Frühjahr letzten Jahres besprüht wurde, wie so manch anderer Versorgungskasten im Ort auch. 

Dass man aber tatsächlich mit Sprühdosen richtige Kunstwerke erstellen kann, konnte man am Dienstag, 18. August über mehrere Stunden hinweg beobachten, als ein professioneller Sprayer der Agentur Highlightz sich offiziell mit seinem umfangreichen Equipment zu schaffen machte.

Die auf Sprühkunst spezialisiert Firma möchte Farbe in den grauen Alltag bringen. Die Firmengründer haben aus ihrer Lei­den­schaft für kreative Ge­stal­tung, dem Spaß an der Malerei und dem langjährigen Interesse für Kunst ihren Beruf gemacht, zumal ihre Wurzeln und technischen Fähigkeiten in der Urban Art Kultur und damit in der Kunstform Graffiti liegen. ,,Highlights“ ist dabei ein Ausdruck, der auch in der Graffiti-Szene Verwendung findet. Er bedeutet Lichteffekt, Glanzpunkt - für die Bonner Firma einfach das I-Tüpfelchen einer gelungenen künstlerischen Gestaltung (mehr über die Künstlertruppe unter www.highlightz.de

Von ihren Fähigkeiten konnte man sich bisher schon an verschieden Stellen im Versorgungsgebiet überzeugen. Denn die Idee, Energiestationen durch Sprühkunst mit einem "freundlichen Anstrich" zu versehen, ist bereits mehrfach von Highlightz umgesetzt worden, so z.B. auch in Mechernich.

Nach der "Sprühaktion" eines Unbekannten im letzten Jahr in Freilingen wäre ohnehin ein Neuanstrich der Trafostation am Marienplatz notwendig gewesen. Und so musste die Ortsvorsteherin die Geschäftsführung der e-regio nicht lange davon überzeugen, dass sich im Zuge dessen auch die Station in Freilingen für ein Kunstwerk mit ortsbezogenem Motiv anbieten würde.

Gemeinsam mit Judith Maur, ihres Zeichens Diplom-Designerin und Illustratorin, die schon bei der Erstellung der Ortseingangstafeln und der Junggesellenfahne ihr kreatives Händchen bewiesen hatte, wurde in Zusammenarbeit mit den ideenreichen Köpfen von Highlightz eine Vorlage entwickelt.

Durch die Fusion der ene und der e-regio im Herbst letzten Jahres verzögerte sich die Umsetzung dann allerdings erst einmal.

Doch in der dritten Augustwoche war es nun endlich soweit.

Am Dienstag, 18. August gegen 10.00 Uhr morgens fuhr Manuel Pfleging von Highlightz bei noch schönstem Sommerwetter mit einem ganzen Kleintransporter voll beladen mit verschiedensten Sprühflaschen vor, um die Ortsnetzstation zu verschönern.

Er ist ausgebildeter Mediengestalter und neben dem Umgang mit der Sprühdose mit viele verschiedenen Maltechniken, z.B. auch der Ölmalerei vertraut und arbeitet als Künstler bei der Bonner Firma.  

"Das wird schon einen ganzen Tag in Anspruch nehmen", so die Auskunft auf die Frage, wie lange die Umsetzung der Vorlage dauern würde. Ca. 40 Flaschen würden dabei schätzungsweise geleert.

Als Vorlage sollte dabei in erster Linie ein kleiner Ausdruck im DINA 4 Format dienen. Es war schon sehr interessant zu beobachten, wie das kleine Motiv im Großen auf den Stromkasten übertragen wurde, so dass nach und nach zahlreiche interessierten "Zaungäste" bei dem konzentriert arbeitenden Künstler anhielten. 

Unter anderem ließ es sich unser ehemaliger Ortsvorsteher, Franz-Josef Giefer, selbst Malermeister nicht nehmen, die Arbeit längere Zeit einmal aus nächster Nähe zu bestaunen. Ob er sich so von der Spraytechnik begeistern ließ, dass er es vielleicht demnächst auch einmal mit der Sprühdose anstatt mit einem Pinsel oder einer Rolle probieren wird, war aber nicht von ihm zu erfahren. 

Jedenfalls konnte auch er voller Anerkennung miterleben, wie das Bild nach und nach an Kontur gewann.

Zuerst trug der Künstler grob ein paar Umrisse auf.

Dann wurde ein Himmel mit Wolken erkennbar.

Stück für Stück arbeitete sich Manuel mit dem Zettel in der linken Hand und zeitweilig mit Schutzmaske vor, bis auch für den zahlreich vorbeifahrenden und natürlich interessiert schauenden Verkehr erkennbar wurde, welches Motiv für die Ortsnetzstation am Verkehrsknotenpunkt mitten in der Ortslage ausgewählt worden war: der Freilinger See mit dem berühmten Blick vom Steg aus. 

Immer mehr Details kamen dazu. Ein entspannter Angler in einem Boot wurde erkennbar.

Auch eine kleine Entenfamilie schwamm sich auf das Bild, deren Vorlage sich der Künstler wie die anderen Details separat ausgedruckt hatte, um alle Feinheiten wiedergeben zu können.

Ganz gebannt wurde diese Detailarbeit von einem kleinen Zuschauern von gegenüber beobachtet. Zunächst aus sicherer Entfernung, dann aus unmittelbarer Nähe.

Leider zogen dann mehr und mehr dunkle Wolken auf. Gegen 15.00 Uhr unterbrach ein kleines Gewitter den ungestörten Fortgang der weiteren Arbeiten und es war zu befürchten, dass die Arbeiten abgebrochen und von einem anderen Sprayer zu Ende gebracht werden mussten.

"Der bereits aufgesprühten Farbe macht der Regen nichts. Allerdings muss der Untergrund trocken sein, damit die neu aufgesprühte Farbe haftet", so der Sprayer mit bangem Blick zum Himmel. Die nicht zu verachtende Schauer konnte dann aber wenigstens als kleine Kaffeepause genutzt werden, zu der sich dann passend ein Mitarbeiter der e-regio gesellte, um den Projektfortschritt zu begutachten.

Mit Kaffee und Kuchen wurde Manuel an diesem Tag übrigens bestens und ausreichend versorgt, weil alle irgendwie den Eindruck hatten, dem ununterbrochen arbeitenden Künstler etwas Gutes tun zu müssen. 

"Mama, Du musst ihm noch ein Schokobrötchen und ein "Cappiccion" schenken", meinte dann auch der kleine Fan von gegenüber, der sich ebenfalls Sorgen zu machen schien, dass Manuel über seine Arbeit nicht das Essen und Trinken vernachlässigte. Gesagt, getan!

Es dauerte eine geraumen Zei, bis das Wetter sich dann doch besserte und der ambitionierte Künstler, der "sein Werk" unbedingt selbst an diesem Tag vollenden wollte, mit ziemlich durchnässtem T-Shirt seine Arbeit fortsetzen konnte. 

Nach dem Aufbringen des Firmenlogos machte sich Manuel daran, zwei Besucher auf dem Steg des Sees aufzusprühen. 

Auch der kleine Kunstinteressent von gegenüber gesellte sich nach einer Eispause im Trockenen wieder dazu, diesmal mit Verstärkung. Offenbar hatte er bei seinem Bruder durch seine begeisterte Schilderung Interesse geweckt. Wann hat man auch schon einmal die Gelegenheit, einem solch begabten Künstler aus nächster Nähe bei der Arbeit über die Schulter zu schauen?

Trotz der Gesellschaft um ihn herum ließ sich Manuel nicht aus der Ruhe bringen und fügte konzentriert und detailgetreu das letzte Motiv in das Gesamtbild ein: einen jungen Mann auf einem Stand-up Paddel, einem Wassersport, der sich auch auf dem Freilinger See in diesem Jahr besonderer Beliebtheit erfreut.

Mit Aufbringen des Logos der Firma Highlightz gelang ihm dann tatsächlich um 18.45 Uhr eine Punktlandung, bevor der nächste Regen einsetzte. Schnell wurden Arbeitsutensilien verstaut und Fotos für das eigene Archiv erstellt.

Dann stellte er sich kurz in einer gewissen Entfernung zu seinem Werk und warf versonnen einen letzten prüfenden Blick auf seine Arbeit. Er wirkte zufrieden und offensichtlich erleichtert, dass er sein Werk trotz der widrigen Witterungsverhältnisse dann doch noch selbst zu Ende bringen konnte.

Der große Zuspruch und die vielen anerkennenden Worte der zahlreichen Passanten konnten ihm jedenfalls als Bestätigung gelten, ein phantastisches Kunstwerk geschaffen zu haben.

Bevor er zum zweiten Mal durchnässt wurde, stand er sogar noch für ein "Künstler-Werk"-Foto zu Verfügung. Mit Dank und höchster Anerkennung für sein künstlerischen Fähigkeiten verabschiedeten wir uns von ihm.

Freilingen kann sich glücklich schätzen, dass jetzt eine solche, einzigartige Werbung für den Freilinger See den Verkehrsbereich an der Kirche verschönert.

Die Nachbarn von gegenüber freuen sich ebenfalls über ihren neuen Ausblick. "Jetzt haben wir ja quasi ein Haus am See", fügten sie lachend an.

Freuen kann man sich aber allgemein aber auch über den an dieser Stelle nun langsamer fahrenden Verkehr. Denn jeder schaut automatisch genauer hin...auf den Freilinger See am Marienplatz!

Und der kleine Fan von gegenüber? Der freut sich vielleicht schon drauf, demnächst selber einmal mit einer Sprühflasche die Umgebung zu verschönern, wer weiß!

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an Manuel Pfleging von Highlightz und die e-regio für die Umsetzung dieses Projektes, an Judith Maur für ihre Mitgestaltung und an Rhodora Manaeg, die einige wunderbare Fotos zu diesem Bericht beigesteuert hat.

Ein wahres Highlight in Corona-Zeiten...

Einfach toll! 

 

 

 

 

 

Freilinger Infobox

  • Mo,14.09 - 28.09.: Betriebsferien Carmen's Dorfladen
  • Mi, 23.09.: mobile Sondermüllsammlung, Bürgerhaus, 9.45 -10.15 Uhr
  • So, 27.09.: Stichwahl Landrat Kommunalwahl 2020: Bürgerhaus, 8.00 -18.00 Uhr

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