"Eigentlich hätten wir jetzt Kirmes gefeiert..." - eigentlich, aber in diesem Jahr ist nun einmal alles anders. Man trifft sich hauptsächlich "Online in Chaträumen", erzählt sich die neuesten Neuigkeiten über das Telefon oder WhatsApp und rettet sich mit schönen Erinnerungen über die Tatsache hinweg, dass 2020 viele gewohnte Veranstaltungen abgesagt werden. Dies trifft auch leider auf die Freilinger Kirmes zu. Na, denn eben ein virtuelles und filmisches "Prost" auf unsere Kirmes. Denn die hätte in diesem Jahr ein kleines, besonderes Jubiläum zu feiern: vor 45 Jahren ist....

(Kirmes 2019, schöne Erinnerung)

Vor 45 Jahren ist...nicht etwa die Kirmes zum ersten Mal gefeiert worden, denn dieses Brauchtum gibt es sicherlich nicht erst seit 1975.

Aber dennoch ist 1975 ein ganz besonderes Jahr in den Annalen des "höchsten Festes" unserer Dorfgemeinschaft, nämlich das Jahr, in dem Freilingen mit der Kirmes "eigene Wege" gegangen ist und fortan als erste Kirmes den Reigen der Kirmesveranstaltungen im Frühjahr in der Gemeinde Blankenheim eröffnete. 

Und das kam so: Freilingen ist keine selbstständige Pfarrgemeinde. Vielmehr gehört die kleine Kapelle in Freilingen bekanntlich seit jeher zur Pfarrgemeinde Lommersdorf, die die  Aposteln Philippus und Jakobus als Patrone haben. Das genaue Alter ist zwar nicht bekannt, es gibt aber schriftliche Nachweise aus dem Jahr 1512 über unser Gotteshaus, die im Pfarrarchiv von Lommersdorf zu finden sind. Dort wird von der Kapelle des heiligen Martins in Freilingen gesprochen, da unsere Kirche dem heiligen Martin geweiht ist. 

"Kirchweih" und damit also Kirmes wurde jahrhundertelang zusammen mit Lommersdorf am 1. Mai gefeiert. An diesem Tag hatte Papst Johannes III. (561-574) die fertig gestellte Apostelkirche in Rom eingeweiht, in der die Gebeine der Apostel Philippus und Jakobus überführt worden waren. So wurde dann auch die Kirchweih der Pfarrkirche an diesem Tag begangen. 

1955 führte Papst Pius XII. als kirchliches Pendant zum weltweit am 1. Mai begangenen Tag der Arbeit den Gedenktag des Hl. Josef des Arbeiters am 1. Mai. ein, weshalb dann der Gedenktag für Philippus und Jakobus auf den 11. Mai verlegt wurde. Zwangsläufig wurden auch das Kirchweihfest in der Pfarrgemeinde Lommersdorf und damit die beiden Kirmesfeste in Lommersdorf und Freilingen auf das zweite Maiwochenende verschoben. 

1968 kam es dann zu einer erneuten Änderung. Im Rahmen der Liturgieerneuerung wurde endgültig der 3. Mai als Festtag der beiden Aposteln Philippus und Jakobus festgelegt. In Lommersdorf sah man keinen Grund, den Kirmestermin schon wieder zu verlegen und hielt statt dessen an diesem Termin fest.

In Freilingen entschied man sich dagegen dazu, den Kirmestermin wieder an Anfang des Wonnemonates zu legen. Und so beantragte das Vereinskartell Freilingen dann auch Anfang 1975 bei der Verwaltung in Blankenheim, die Kirmesveranstaltung in Freilingen am ersten Sonntag im Mai durchführen zu dürfen. Dem stimmte der Rat im Frühjahr 1975 offiziell zu, so dass am Sonntag, 4. Mai 1975 zum ersten Mal vor den Lommersdorfern gefeiert wurde (alles nachzulesen in der Freilinger Dorfchronik von Albert Luppertz, die im Archiv eingesehen werden kann).

Der Umstand, dass in einer Pfarrgemeinde seit dieser Verlegung getrennt Kirmes gefeiert wurde, machte es dann andererseits auch möglich, dass die Freilinger und Lommersdorfer fortan auf beiden Kirmesfesten an den Start gehen konnten, was für den ein oder anderen einen regelrechten Kirmesmarathon bedeutete und auch heute noch bedeutet

Ja, wenn denn gefeiert würde. 

Denn nicht nur die Freilinger Kirmes, sondern auch die Lommersdorfer Kirmes ist für dieses Jahr abgesagt. 

Und so bleibt diesmal nur die Erinnerung an vergangene Feste. Manche werden sich dabei vielleicht sogar noch daran erinnern, wie das erste, ohne nachbardörfliche Konkurrenz stattfindende Kirmesfest in Freilingen vor 45 Jahren abgelaufen ist.

Zwar nicht aus dem Jahr 1975, aber zumindest aus "dieser Zeit", nämlich 1979 stammen Aufnahmen von Hans Duppach, der auf der damaligen Kirmes und einem großen Familienfest anlässlich der Kirmes mit seiner Filmkamera unterwegs war. Dankenswerter Weise hat Erwin Mungen dieses Zeitdokument erworben und WiF freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Allerdings ist der Film ohne Tonaufnahme erfolgt, so dass die Aufzeichnung nachträglich mit Musik unterlegt wurde. 

Trotzdem ein herrliches Zeitzeugnis u.a. von der Kranzniederlegung, dem Geschehen um die Gaststätte Meiershof herum und der Häusertaufe, mit vielen bekannten und bereits gegangenen Gesichtern. Das sollte man sich unbedingt anschauen! Eine schöne Erinnerung...

 

(einfach den roten Pfeil anklicken)

Eines haben wir am ausgefallenen Kirmessonntag allerdings nicht vergessen: das nach dem Hochamt anlässlich der Kirmes am Ehrenmal eigentlich üblicherweise gehaltene Gedenken an die verstorben Soldaten der beiden Weltkriege.

Trotz Corona-Krise haben wir auch in diesem Jahr wie gewohnt Blumen am Ehrenmal niedergelegt, allerdings in einer sehr minimalistischen Ausführung und natürlich in gebotenem Abstand, aber dennoch aus tiefstem Traditionsbewusstsein heraus. 

 

Immerhin, besser als gar nichts, denn eines muss man in Tagen wie diesen vor allen Dingen können: improvisieren, ganz nach dem Motto: Kirmes 2020 im Herzen 

 

 

 

 

Freilinger Infobox

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