November ... Monat der stillen Feiertage, an denen einmal Andacht und Erinnerung im Mittelpunkt stehen. Einer dieser Gedenktage ist der Volkstrauertag, der am Sonntag, 18.11.2018 begangen wird. Es ist ein Tag des Innehaltens, an dem an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Nationen erinnert wird. In Freilingen wurde im Rahmen einer Ansprache mit einer anschließenden Kranzniederlegung, musikalisch umrahmt vom Musikverein Freilingen und unter Beteiligung der Freiwilligen Feuerwehr, bereits am 11.11.2018 nach dem feierlichen Patrozinium der Opfer gedacht, da am eigenltichen Volkstrauertag hier keine Messe stattfindet. Zudem hat in den Wochen zuvor der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Haus- und Straßensammlung für die Pflege der Kriegsgräberstätten durchführen lassen. Die Sammlung ergab in Freilingen den erfreulichen Betrag von 583,89 €. Ein herzliches Dankeschön dafür!

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Für den Sonntag, 18.11.2018 finden wir in unserem Kalender den Eintrag „Volkstrauertrag".

Doch was nützt uns ein kalendarischer Eintrag, wenn er nicht in unserem Bewusstsein und Handeln Ausdruck findet. Wer steht schon am Sonntagmorgen auf im Gedenken an Abermillionen von Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft? Wird die Bedeutung des Volkstrauertages allein dadurch vermittelt und bewusst wahrgenommen, dass er staatlicherseits offiziell als Gedenktag verordnet worden ist ?

Wohl kaum. Es bedarf an solchen Tage vielmehr eines Aufrufs, eines Anstoßes zum Erinnern und eines besonderen Zeichens, zumal es ja von Jahr zu Jahr immer weniger unter uns werden, die sich selbst, aus eigenem Erleben an die Schrecken der beiden Weltkriege erinnern.

Alle, die diese Bilder von Tod, Gewalt, Not und Zerstörung nicht in ihren Gedanken eingebrannt haben, denen solche Kriegsnarben auf der Seele erspart geblieben sind, müssen erinnert werden. Denn sonst macht sich Vergessen breit. Haben die Millionen von Opfer das verdient ?

Der Volkstrauertag soll die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft wachrufen, die uns als ganzes Volk erschüttert haben und eigentlich jedes Vorstellungsvermögen sprengen.

Wir müssen uns vor Augen führen, dass hinter den unfassbaren Zahlen der Toten und Opfer individuelle Schicksale stehen, tragische Geschichten, Namen und Gesichter. Der Sohn, der an der Front fiel, der Bruder, der im Bombenangriff umkam, der Ehemann, der in der Kriegsgefangenschaft elendig verhungerte.

Sie alle durften ihr Leben nicht zu Ende leben. In vielen Fällen fehlt es sogar an einem eigenen Grab, an dem die Hinterbliebenen hätten trauern können, sei es durch ein inneres Gespräch, eine angezündete Kerze oder eine niedergelegte Blume. Unzählige Opfer sind noch nicht einmal auf den über 800 Soldatenfriedhöfen zu finden, die es in ganz Europa gibt.

Umso wichtiger ist ein solcher Gedenktag gegen das Vergessen.

In diesem Jahr blicken wir besonders auf den Ersten Weltkrieg zurück, der vor 100 Jahren endete und mit Recht die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts genannt wird. 

Vor 100 Jahren, genau am 11.11.1918 unterschrieben Deutschland und Frankreich und das mit den Franzosen verbündete England in einem Eisenbahnwaggon in Compiègne bei Paris ein Waffenstillstandsabkommen. Damit kamen die Geschütze des ersten Weltkrieges zum Verstummen.

Die Auswirkungen des Krieges zeigten sich vor allem in einem Ort: Verdun. Soldaten nannten diesen Ort „die Hölle“, Blutpumpe oder Knochenmühle. Dieses Schlachtfeld gilt als Symbol des ersten Weltkrieges.

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Der Horror beginnt am 21. Februar 1916. In einem Wald im Nordosten Frankreichs schießt das deutsche 38-cm-Schiffsgeschütz „Langer Max“ eine Granate auf das 27 Kilometer entfernte Verdun ab. Danach eröffnen die 1.220 deutschen Geschütze aller Kaliber gleichzeitig das Feuer auf die französischen Stellungen und das Hinterland.

Neun Stunden dauert dieser erste Beschuss mit einer Heftigkeit, die in der militärischen Geschichte bis dahin ohne Beispiel war. Deutsche Sturmtrupps mit aufgepflanzten Bajonetten und Stielhandgranaten preschen vor, um die gegnerischen Schützengräben zu besetzen. Doch die Franzosen leisten zähen Widerstand. Und die nächsten Monate werden zum puren Grauen.

Das Schlachtfeld bei Verdun verwandelt sich aufgrund des massiven Einsatzes von Geschützen auf engem Raum innerhalb weniger Wochen in eine Kraterlandschaft. Von den Wäldern verbleiben nur Baumstümpfe. Zeitweilig werden über 4000 Geschütze in dem vergleichsweise kleinen Kampfgebiet eingesetzt. Durchschnittlich 10.000 Granaten und Minen gehen stündlich vor Verdun nieder und erzeugen eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse. Beim Explodieren schleudern sie große Mengen Erde hoch, die zahlreiche Soldaten bei lebendigem Leibe begraben.

Aufgrund des allgegenwärtigen Feuers von Geschützen und Maschinengewehren müssen viele Tote und Verletzte im Niemandsland zwischen den Fronten liegen gelassen werden, weshalb insbesondere in den Sommermonaten ein schwerer Leichengestank über dem Schlachtfeld hängt.

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Zudem ist es im permanenten Geschosshagel nicht möglich, die Frontsoldaten ausreichend mit Nachschub zu versorgen oder sie abzulösen. Bereits auf dem Weg zur vordersten Linie verlieren zahlreiche Einheiten weit über die Hälfte ihrer Männer. Kaum ein Soldat, der vor Verdun eingesetzt wird, übersteht die Schlacht, ohne zumindest leicht verwundet zu werden. Die Soldaten müssen häufig stundenlang ihre Gasmasken tragen und mehrere Tage ohne Nahrung auskommen. Der Durst treibt viele von ihnen dazu, verseuchtes Regenwasser aus Granattrichtern oder ihren Urin zu trinken. Es ist die Hölle.

Die Schlacht um Verdun ist als eine der längsten und blutigsten des ersten Weltkrieges in die Geschichtsbücher eingegangen. Sie dauerte 300 Tage und 300 Nächte und kostete mehr als 300.000 französische und deutsche Soldaten das Leben. Rund 400.000 wurden verletzt, 80.000 sind noch immer nicht identifiziert. Die Hauptschlacht endet am 19. Dezember 1916, ohne dass sich der Frontverlauf wesentlich verschoben hätte.

Dieser Ort ist zum Symbol für die Grausamkeit des Ersten Weltkriegs geworden.

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Mindestens 15 Millionen Menschen, Soldaten und Zivilisten verloren in dem mehr als vier Jahre andauernden Krieg insgesamt ihr Leben. 

Und es waren im Grunde die Schrecken des ersten Weltkrieges, die Grausamkeiten auch der Hölle von Verdun, die den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Initiative für die Einführung dieses Gedenktages bewegten. Nicht „befohlene Trauer“ war das Motiv, vielmehr sollte der Tag ein Zeichen der Solidarität sein. Verbundenheit derjenigen, die der Krieg verschont hatte, mit den Hinterbliebenen, die persönliche Verluste zu beklagen hatten.

100 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges kamen am 11.11. in Paris über 60 Staats- und Regierungschefs zusammengekommen, um sich in besonderer Weise gemeinsam der Verantwortung zum Frieden zu stellen. In ganz Frankreich läuteten  um 11.00 Uhr in Erinnerung an den Waffenstillstand die Glocken geläutet. Um halb zwei läuteten dann weltweit die Glocken, auch in Freilingen, um an die furchtbaren Folgen des ersten Weltkrieges zu erinnern.

Heute sind die Kriegsgegner von gestern, Frankreich und Deutschland, die treibenden Kräfte für ein friedliches und demokratisches Miteinander in Europa. Gerade Frankreichs Präsident Macron sorgt sich in besonderem Maße darum, dass durch vielfältige Ängste und die Rückkehr des Nationalsozialismus Europa gespalten werden könnte. Er sieht in diesem 100. Jahrestag ein besonderes Signal für Wachsamkeit und Kooperation.

Die Erinnerung, das Gedenken darf nicht in der Vergangenheit stehen bleiben, sondern muss sich der Gegenwart und vor allem der Zukunft zuwenden.

Wir sollten dankbar und demütig sein, in unserem Land in Frieden leben zu dürfen. Es liegt nicht in unserer Macht, das vergangene Leid rückgängig zu machen. Es liegt aber in unserer Hand, alles dafür zu tun, dass zumindest in unserem Land nie wieder Gewalt und Hass um sich greifen oder gar regieren.

Wir haben die Verpflichtung, uns für den Erhalt des Friedens, für ein tolerantes Miteinander in unserer Gesellschaft einzusetzen. Eine Gesellschaft, die keine Gewaltparolen, keine Hasschöre, keine nationalistische Quertreiberei zulässt, die sich gegen Vorurteile und Intoleranz stemmt, die die Menschenwürde achtet.

An dieser Stelle soll ein Gedicht von Erich Kästner aus dem Jahr 1932 zum Nachdenken anregen: 

Auf den Schlachtfeldern von Verdun
finden die Toten keine Ruhe.
Täglich dringen dort aus der Erde
Helme und Schädel, Schenkel und Schuhe.
Über die Schlachtfelder von Verdun
laufen mit Schaufeln bewaffnete Christen,
kehren Rippen und Köpfe zusammen
und verfrachten die Helden in Kisten.
Oben am Denkmal von Douaumont
liegen zwölftausend Tote im Berge.
Und in den Kisten warten achttausend Männer
vergeblich auf passende Särge.

Und die Bauern packt das Grauen.
Gegen die Toten ist nichts zu erreichen.
Auf den gestern gesäuberten Feldern
liegen morgen zehn neue Leichen.
Diese Gegend ist kein Garten,
und erst recht kein Garten Eden.
Auf den Schlachtfeldern von Verdun
stehen die Toten auf und reden.
Zwischen Ähren und gelben Blumen,
zwischen Unterholz und Farnen
greifen Hände aus dem Boden,
um die Lebenden zu warnen.
Auf den Schlachtfeldern von Verdun
wachsen Leichen als Vermächtnis.
Täglich sagt der Chor der Toten:
„Habt ein besseres Gedächtnis!“

 

 

Ein besonderes Zeichen von Bewusstsein und Verantwortung hat die Dorfgemeinschaft im übrigen auch durch ihre große Spendenbereitschaft im Rahmen der diesjährigen Haus- und Straßensammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gezeigt, die Anfang November durchgeführt wurde und bei der Spenden für die Arbeit des Volksbundes und damit u.a. für die Suche nach den Gräbern der Weltkriege, für die Pflege der Kriegsgräberstätten und die Jugendarbeit des Volksbundes gesammelt wurde.

Bei dieser von freiwilligen Helfern durchgeführten Sammlung kam ein beachtlicher Betrag von 583,89 € zusammen, mit dem nun die weitere Arbeit des Volkbundes unterstützt werden kann.

Für diese großzügige Spende möchte ich mich als Ortsvorsteherin ganz herzlich bedanken.

In diesem Kontext immer wieder interessant und zu tiefst beeindruckend zu lesen: Interview mit Matthias Korth, der als 17jähriger Soldat in russischer Kreigsgefangenschaft geriet.

Freilinger Infobox

  • Dienstag, 25.12.: Hochamt in der Pfarrkirche Lommersdorf, 10.30 Uhr
  • Mittwoch, 26.12.: Festmesse in der Kapelle Freilingen, 10.30 Uhr

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