Skurrile Geschichten am 1. April machen doch immer wieder Spaß...so auch in diesem Jahr die Geschichte von der Evakuierung Freilingens aufgrund generalstabsmäßig organisierter Räumung der gefundenen Tretminen. Anders als in den vergangenen Jahren hat die Geschichte diesmal aber einen ernsten Hintergrund: Gesundheitsgefahren durch herumliegenden Hundekot. Zum wiederholten Male hier noch einmal ein eindringlicher Appell an Hundebesitzer!

Hundehaufenverboten 

Natürlich löst die hohe Anzahl an Hundekothinterlassenschaften in der Ortslage keinen Einsatz von Ordnungsamt, Gesundheitsamt, Umweltamt oder gar Kampfmittelräumdienst aus. Auch sollen nicht alle Hundehalter unter Generalverdacht gestellt werden, denn es gibt sie sehr wohl: die gewissenhaften und pflichtbewussten Hundehalter, die beim täglichen Spaziergang mit ihrem Vierbeiner diverse Tütchen mitnehmen, um die Abkotungen ihres Hundes aufzunehmen und ordnungsgemäß zu entsorgen.

Die Zahl der schwarzen Schafe allerdings, denen die Verschmutzung der Umwelt und die durch den liegengelassenen Kot verursachten Gefährdungen anscheinend völlig egal sind, nimmt erschreckend zu. Dies belegt die unvorstellbare Menge der innerhalb wie außerhalb der Ortslage vorzufindenden Hundehaufen. Selbst vor dem Sandkasten auf dem Spielplatz oder vor den neu angelegten Pflanzbeeten am Marienplatz, die der Begrünung und Verschönerung des Ortsbildes dienen, wird kein Halt gemacht. Auch hier türmen sich bereits diverse Haufen der unterschiedlichsten Größe.

Offensichtlich ist den Hundehaltern die Gefahr, die durch Hundekot ausgehen kann, nicht bekannt.

Hundekot, unabhängig davon ob der Hund im Freien oder in einer Wohnung lebt, stellt für den Menschen ein potentielles Infektionsrisiko namentlich an Parasiten dar. Hierbei sind besonders Kinder und abwehrgeschwächte Erwachsene vermehrt gefährdet. Oftmals können die Parasiten nicht im Kot gesehen werden, sondern es werden lediglich deren Eier ausgeschieden.

Neben den für Carnivoren (fleischfressende Tiere, z.B. Hund, Katze) typischen Enterobakterien (Darmbakterien), die im Einzelfall natürlich auch ein Infektionsrisiko darstellen können, ist in erster Linie die Kontamination (Besiedelung) des Kotes mit Würmern, führend Nematoden (Fadenwürmer), gefolgt von Cestoden (Bandwürmer) und anderen Parasiten zu nennen.

Da die Würmer im Darm in großen Mengen Eier ausscheiden, werden diese in der Umwelt verbreitet. Beispielsweise durch Schnüffeln an Hundehaufen können Hunde sich jederzeit neu infizieren. Aber auch Menschen tragen an den Schuhsohlen die winzigen, nicht sichtbaren Eier mit in die Wohnung und verbreiten somit die infektiösen Eier.

Die Eier oder Larven verschiedener Wurmarten können durch Schlecken über die Zunge aufgenommen werden. Es gibt aber auch Larven, die direkt durch die Haut eindringen können.
Während Welpen hauptsächlich mit Spul- und Hakenwürmern infiziert sind, nimmt im weiteren Leben des Hundes die Bedeutung der Bandwürmer zu.

Die folgende Aufzählung verschiedener Parasiten ist keineswegs vollständig, sondern beschreibt lediglich die häufigsten Infektionserreger, die im Hundekot zu finden sind (die genannten Symptome können beim infizierten Hund sowie beim infizierten Mensch vorkommen):

Spulwürmer
Praktisch alle Hunde werden schon in der Embryonalzeit von Spulwürmern infiziert. Die in der Muskulatur des Muttertieres ruhenden Larven werden in der Trächtigkeit aktiviert und wandern über die Plazenta (Mutterkuchen) bis in die Leber der ungeborenen Welpen ein. Von dort wandern sie erst nach der Geburt weiter in die Lunge und entwickeln sich letztendlich im Darm zu geschlechtsreifen Würmern. Im Dünndarm von Hunden können 2 verschiedene Spulwurmarten vorkommen, die sich in ihrem Verhalten unterscheiden. Bei einem Befall mit Toxocara canis bei Junghunden schlüpfen die Larven im Dünndarm, bohren sich in die Darmwand und gelangen über Blut, Lunge und Luftröhre zurück in den Darm, wo sie zur Geschlechtsreife heranwachsen. In der Muskulatur eingekapselte Larven können mehrere Jahre überleben. Diese Körperlarven sind die Hauptansteckungsquelle für Welpen. Die Larven gelangen mit dem mütterlichen Blut über die Plazenta, oder nach der Geburt mit der Milch, in die Welpen. Bei den nicht spezifischen Wirten (z.B. Mensch) machen die Larven stets eine Körperwanderung durch. Sie verursachen ein Krankheitsbild, das durch Symptome an der Leber, dem Zentralnervensystem und der Lunge sowie Schäden des Auges, die zur Erblindung führen können, gekennzeichnet ist.
Insbesondere Kinderspielplätze, die mit Hundekot verunreinigt sind, sind als Gefährdungsquelle für Kinder zu nennen.

Peitschenwürmer
Peitschenwurmbefall tritt am häufigsten bei Welpen aus Händlerbeständen auf und verursacht Durchfall, der zum Teil blutig sein kann, und allgemeine Schwäche.

Hakenwürmer
Hakenwürmer gelangen durch die Haut oder die Muttermilch, bei einigen Arten über die Mundhöhle, in den Darm, bei säugenden Hündinnen auch ins Gesäuge. Zwingerhunde sind gefährdeter als einzeln lebende Tiere. Die Würmer verursachen nur bei stärkeren Infektionen Durchfall, wobei der Kot von Blutstriemen durchsetzt ist.

Bandwürmer
Beim Hund kommen eine ganze Reihe von Bandwurmarten vor. Mit Bandwürmern infizieren sich die Hunde nicht direkt über die Aufnahme von Eiern, sondern indirekt über sogenannte Zwischenwirte. Die größte Bedeutung haben hierbei Flöhe und Mäuse, sowie rohes Fleisch (vor allem Innereien) und roher Fisch. Daher sollten Hunde mit Flohbefall und bei Hunden, die Beutetiere fangen und roh verzehren, nicht nur die Flöhe, sondern auch gleichzeitig die Bandwürmer bekämpft werden. Besonders wichtig ist der dreigliedrige Hundebandwurm, da die Larven nicht nur Tiere, sondern auch Menschen befallen und bei diesen schwere Erkrankungen hervorrufen können. Die Ansteckung der Hunde erfolgt in der Regel durch die Aufnahme von Schlachtabfällen.

Fuchsbandwurm
Eine besondere Gefahr für den Menschen stellt der kleine Fuchsbandwurm dar. Der Mensch kann nach Eiaufnahme, die sogar durch kontaminierten (besiedelten) Staub erfolgen kann, als Zwischenwirt erkranken. Der resultierende Zystenbefall (meist in der Leber) gilt heute noch im fortgeschrittenen Stadium als unheilbar. Daher ist das Ziel der Entwurmung die vorbeugende Verhinderung der Eiausscheidung.
Beutefressende Hunde in Gebieten mit nachgewiesenen Infektionen müssen deshalb monatlich gegen Bandwürmer entwurmt werden.

An Protozoen (einzellige Tierchen) erwähnenswert:

Giardien
Giardien sind Einzeller, die vor allem den Dünndarm besiedeln und hauptsächlich bei Junghunden hartnäckige Darmentzündungen verursachen. Der Kot ist wechselhaft, wässerig, faulig stinkend, oft schleimig und zeigt manchmal Blutbeimischungen. Beim erwachsenen Hund bleibt der Befall meist ohne Symptome. Giardien sind nicht wirtspezifisch, d.h. sie können auch auf den Menschen übertragen werden. Eine Ansteckung ist nur über den Kot des befallenen Hundes möglich.

Kokzidien
Auch Kokzidien sind Einzeller, die vor allem bei Welpen und Junghunden aus Massenaufzuchten als Durchfallerreger eine Rolle spielen. Erwachsene Hunde entwickeln nach der Infektionen eine Immunität. Leichte Infektionen können symptomlos verlaufen oder 1-2 Tage dünnbreiige Durchfälle verursachen. Bei Welpen oder unter ungünstigen Umständen (z.B. zusätzliche Parasiten oder Infektionen), entwickelt sich eine schwere, oft blutige Darmentzündung mit Fieber, Appetitlosigkeit, Apathie und Abmagerung.

 

Die nicht regelmäßig durchgeführten Entwurmungen führen dazu, dass annähernd jeder dritte Hund Träger von Darmwürmern ist, die bei einem erwachsenen Tier meist ohne auffällige Symptome bleiben. Welpen müssen daher im Alter von 2, 4, 8 und 12 Wochen sowie mit 4, 5 und 6 Monaten entwurmt werden. Erwachsene Tiere sollten alle 3 Monate, Zuchttiere vor dem Decken und 10 Tage vor dem Werfen einer Wurmkur unterzogen werden.

Infektionsquellen sind nicht nur der direkte Kontakt mit dem Hundekot, sondern auch feucht-warmer Sand oder Erdböden, die durch den Kot infizierter Tiere mit Wurmlarven kontaminiert wurden. Daher ist es vor allem im Sinne der Kinder, die durch Sand auf Spielplätzen oder in Parkanlagen leider oft mit Verunreinigungen in Kontakt kommen, eine Infektion durch regelmäßiges Entwurmen der Hunde zu verhindern.

Der mögliche Krankheitsverlauf beim Menschen hängt von der Parasitenart ab, allgemein sind aber Gewichtsverlust, Durchfall, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen zu nennen. Bei Verdacht auf eine Wurminfektion sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wenige Wurmarten, die in Deutschland allerdings sehr selten sind, können lebensbedrohliche Zustände hervorrufen.

Hundekot auf Grünlandflächen verunreinigt Heu und Silage, welches Wiederkäuern als Grundfutter gefüttert wird. Neospora-Parasiten haften lange auf Gräsern. Bei einer Neospora-Infektion kommt es bei den befallenen Kühen und Schafen meist zu Aborten oder Totgeburten.

Letztlich sind aber auch unsere Lebensmittel in Gefahr, daher die eindringliche Warnung an Frauchen und Herrchen: auch landwirtschaftliche Wiesen und Felder sind kein Hundeklo!

Und noch etwas: Die gemeindliche ordnungsbehördliche Satzung sieht es als Pflicht an, auf Verkehrsflächen oder in Anlagen die durch Hunde verursachten Verunreinigungen unverzüglich und schadlos zu beseitigen, sonst droht ein Bußgeld.

Der Halter, der das „Geschäft“ bspw. auf einer Spiel- und Liegewiese nicht entsorgt, kann sich überdies wegen § 326 StGB der umweltgefährdenden Abfallbeseitigung strafbar machen (OLG Düsseldorf Az 5 Ss 300/90). Das AG Düsseldorf hatte bereits 1989 entschieden, dass Hundekot auf einer Spielwiese eine Infektionsgefahr für spielende Kinder mit den Erregern übertragbarer Krankheiten darstellt (AZ 911 Js 1269/89).

Manche Hundehalter meinen, sie müssten den Hundekot nicht entfernen, da sie Hundesteuer bezahlen. Dies stimmt jedoch nicht, da mit der Hundesteuer lediglich das private Halten von Hunden besteuert wird. Sie ist eine Abgabe, der keine bestimmte Leistung entgegensteht und dient der Finanzierung aller kommunalen Aufgaben.

Das OVG Koblenz entschied 2013 sogar, dass Kommunen mit maroden Haushalten zur finanziellen Sanierung die Hundesteuer deutlich erhöhen dürften.

Dies alles soll keine generelle Verurteilung von Hundehaltern darstellen, denn es gibt natürlich auch Hundebesitzer, die sich vorschriftsmäßig verhalten. Ihnen ein herzliches Dankeschön für das gezeigte Umweltbewußtsein. 

 

 

 

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