"Auf der Theatebühne"...steht Daniel Ramers bei der Aufführung der Theatergruppe des Vereins für Brauchtum und Kultur in Freilingen am 20, 21. und 22. März 2026 im Saal von Meiershof. Aber auch auf dem "politischen Parkett" ist der Student aus Freilingen zu finden. Seit der Kommunalwahl 2025 sitzt er für die SPD als jüngstes Mitglied im Gemeinderat. Grund genug für WiF, mit dem Nachwuchspolitiker ein Interview zu führen. Simon Hellenthal spach mit Daniel über sein Engagement im JGV Freilingen, seine Arbeit im Gemeinderat und seine Einschätzungen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen. Sehr interessant!
Im Gespräch mit… Daniel Ramers
Daniel Ramers (24) stammt aus Freilingen und ist Student.
Er ist Vorsitzender des Junggesellenvereins Freilingen und seit September 2025 Mitglied im Gemeinderat der Gemeinde Blankenheim, dem er als jüngstes Mitglied angehört. Im WiF-Interview spricht er über sein Engagement im JGV Freilingen, seine Arbeit im Gemeinderat und seine Einschätzungen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.
Simon: Der JGV Freilingen wurde in den vergangenen Jahren wiederbelebt und organisiert inzwischen Veranstaltungen wie z.B. den Kaffeeklatsch im Bürgerhaus oder den Adventskaffee im Rahmen des Adventszaubers des Vereinskartells. Was treibt euch als Verein dabei an?

Daniel: Ich glaube, dass es den meisten vor allem darum geht, eine gute Zeit miteinander zu verbringen und den Zusammenhalt zu stärken. Nachdem der Verein sich durch die Corona-Pandemie aufgelöst hat, haben vor allem unser Dorfleben und die sozialen Kontakte dadurch gelitten.
Für einen lebenswerten Ort ist es daher enorm wichtig, dass wir durch den wiederbelebten JGV allen Jugendlichen eine Möglichkeit geben, sich untereinander besser kennenzulernen und zu connecten. Die Veranstaltungen sind hierfür ein wichtiger Teil des Ganzen, aber nicht nur für uns.
Uns hat sehr gefreut, wie gut die Veranstaltungen von der gesamten Dorfgemeinschaft aufgenommen wurden und einen, wenn auch kleineren, Teil zu einem aktiveren Dorfleben beitragen, wo sich die verschiedenen Generationen, Jung u begegnen können.
Auf der anderen Seite kommen natürlich auch wieder teure Monate auf unseren Verein zu, vor allem die Versteigerung, Mainacht und Kirmes, die dann auch finanziert werden müssen. Ich denke also, es ist für alle Seiten von Vorteil :D
Simon: Habt ihr weitere Ideen für Veranstaltungen, die der JGV künftig umsetzen möchte?
Daniel: Die eine oder andere Idee gibt es natürlich schon. Was dann davon auch immer realistischerweise umsetzbar ist, ist wieder eine ganz andere Frage. Wir sind uns aber einig, dass wir einzelne Veranstaltungen regelmäßiger durchführen möchten, und dann werden wir zum Sommer/Herbst hin schauen, was für uns machbar ist oder nicht.
Aktuell befindet sich der Verein ja noch im Aufbau, aber wir hoffen, dass in den nächsten Jahren viele neue Gesichter zu uns stoßen, damit der Verein auch langfristig solche Veranstaltungen durchführen und existieren kann.
Simon: Was bedeutet dir der JGV und deine Rolle als Vorsitzender persönlich?
Daniel: Glücklicherweise durfte ich vor der Corona-Pandemie noch zwei Jahre im JGV miterleben und war deshalb schon ein wenig enttäuscht, dass es dann erst einmal vorbei war. Gerade an unserer Kirmes hat man gemerkt, dass ohne den JGV etwas fehlte.
Umso überraschter war ich dann, als ein paar damals noch wirklich sehr junge Jugendliche auf der Kirmes auf mich zukamen und mich davon überzeugen wollten, dass wir wieder etwas machen müssten und ob ich das Ganze nicht in die Hände nehmen könnte.
Anfangs war ich wohl ein wenig skeptisch, aber nach viel Überzeugungsarbeit habe ich mich dann entschlossen, zuzustimmen und die Sache durchzuziehen. Seitdem sind auch schon wieder über 2 Jahre vergangen, aber im Nachhinein bin ich wirklich froh darüber. Die ganze Organisation wäre aber alleine natürlich nicht zu stemmen gewesen, weshalb ich sehr dankbar bin, dass wir mittlerweile einen wirklich gut funktionierenden Vorstand haben, in dem jeder seine Ideen miteinbringt und Aufgaben übernimmt, was es für mich dann umso einfacher macht. Deshalb mache ich mir auch nicht so wirklich viel daraus, dass ich jetzt Vorsitzender bin.
Ohne ein gutes Team, das einem einen Großteil der Arbeit abnimmt und allen, die jetzt schon Teil des JGVs sind und bei den Veranstaltungen ihren Teil beitragen, wäre das alles ohnehin nicht möglich!
Simon: Im JGV Freilingen engagieren sich inzwischen junge Frauen und junge Männer. Was hat sich dadurch verändert oder vielleicht auch verbessert?
Daniel: Auf jeden Fall ist die Organisation deutlich besser geworden :D
Wir können uns glücklich schätzen, dass die ganzen Mädels jetzt mit dabei sind und bei allem mitziehen. Dennoch ist es erst einmal für alle schwierig und wir probieren noch ein wenig aus, wie wir bspw. die Versteigerung gestalten können, sodass es für alle etwas Besonderes wird, aber auch die Tradition erhalten bleibt. Das ist in Teilen nicht immer so einfach, aber wir werden im Laufe der Zeit sicherlich gute Lösungen finden, wie es für alle Beteiligten am schönsten sein kann.
Ich bin mir sicher, dass das der richtige Schritt gewesen ist und wir dadurch insgesamt noch besser zusammenwachsen können.
Simon: Du bist seit kurzem Mitglied im Gemeinderat der Gemeinde Blankenheim. Was hat dich motiviert, dafür zu kandidieren?
Daniel: In den letzten 5 Jahren habe ich bereits als sachkundiger Bürger zu Themen wie Bildung und Feuerwehr mitwirken dürfen. Dadurch konnte ich dann einen Eindruck gewinnen, wie wichtig es sein kann, dass in solchen Gremien neue Perspektiven vertreten werden.
Der Gemeinderat sollte auch immer ein gesellschaftliches Abbild unserer Kommune darstellen und ich habe vor allem die Stimme der jüngeren Menschen als stark unterrepräsentiert wahrgenommen, was ich durch meine Kandidatur verändern wollte. Ich bin sehr glücklich und dankbar dafür, dass ich dann in den Gemeinderat gewählt wurde!
Simon: Welche Themen sind dir im Gemeinderat besonders wichtig?
Daniel: Ich bin der festen Überzeugung, dass eine zukunftsfähige Gemeinde, starke Vereine, gute Bildung, eine bestmöglich ausgestattete Feuerwehr und ausreichend Wohnraum braucht.
Unsere Politik muss sich dadurch auszeichnen, dass sie jungen Familien eine Perspektive gibt. Ob beim Thema KiTas und Schulen, Wohnraum oder Vereinen, in denen soziale Anknüpfungspunkte geschaffen werden.
Es ist bspw. immer wieder schade, wenn Menschen, die in ihren Orten fest verwurzelt sind, wegziehen müssen, weil sie hier kein Bauland oder keine Wohnung finden. Das sind für mich die Kernthemen, die ich in den nächsten Jahren besonders verfolgen möchte.
Simon: Politisches Engagement gibt es in deiner Familie schon länger. Inwiefern prägt das deinen eigenen Weg in der Kommunalpolitik?
Daniel: Natürlich wurde das politische Interesse und vermutlich auch die politische Neigung besonders durch meine Familie geprägt. Gerade in heißen Wahlkampfphasen ist es fast unmöglich an diesen Themen vorbeizukommen :D
Dennoch ist es ja besonders in der Kommunalpolitik augenscheinlich, wenn man Dinge vor Ort bewegen kann, mit denen man alltäglich konfrontiert wird. Wo soll das nächste Baugebiet entstehen? Wo brauchen wir vielleicht eine neue KiTa? Welche Straße muss saniert werden?
Das sind alles Themen, die für die Einwohner unserer Gemeinde von zentraler Bedeutung sind, und dies in entscheidender Funktion mitgestalten zu können, ist zwar nicht immer einfach, aber kann auch sehr erfüllend sein, wenn man Entscheidungen trifft und später sieht, was daraus entsteht. Deshalb wünsche ich mir, unabhängig von familiärer Prägung, dass sich mehr junge Menschen in der Kommunalpolitik engagieren und unser Zusammenleben mitgestalten, da es besonders in unserem Interesse sein sollte, die Gemeinde für die Zukunft attraktiv und lebenswert zu gestalten!
Simon: Viele Aufgaben werden den Kommunen von Bund und Land übertragen und belasten sie stark. Was müsste sich deiner Meinung nach ändern, um die Kommunen zu entlasten?
Daniel: Die Väter unseres Grundgesetzes haben genau hierfür das Konnexitätsprinzip ins Grundgesetz geschrieben. Getreu dem Motto: „Wer bestellt, bezahlt!“
Besonders unsere nordrhein-westfälische Landesregierung hat diesbezüglich in den letzten Jahren ein hohes Talent an Magiekünsten bewiesen, in dem sie immer wieder durch bestimmte Taschenspielertricks den Kommunen neue Aufgaben und Pflichten übertragen hat, aber die Kosten bei den Kommunen größtenteils hängengeblieben sind. Bspw. stellt das Recht auf einen OGS-Platz, das ich prinzipiell ausdrücklich begrüße, ab dem Schuljahr 2026/2027 die Kommunen vor große finanzielle Probleme. Landesweit müssen KiTas erweitert oder gar ganz neu gebaut werden, um entsprechende Raumbedarfe etc. zu decken.
Zwar beteiligt sich das Land an den Investitionen, aber erstens nicht in vollem Umfang und zweitens sind die pauschalen Beträge pro Kind, die das Land zur Verfügung stellt, viel zu niedrig, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Somit bleibt die Differenz größtenteils an den Eltern und den Kommunen hängen.
Dies ist jetzt nur eines von vielen Beispielen, wo die Kommunen wissentlich in finanzielle Engpässe getrieben werden, aber es verdeutlicht das Kernproblem. Das alles ist insbesondere ärgerlich, weil es unmittelbar die kommunalen Haushalte belastet und dadurch Steuern und Abgaben der Bürgerinnen und Bürger erhöht werden müssen.
Ich muss dennoch der Verwaltung, aber auch dem gesamten Gemeinderat, ein Lob aussprechen, dass wir trotz all dieser Deckungslücken, die keiner von uns zu verantworten hat, einen soliden Haushalt auf die Beine gestellt haben, der die Bürgerinnen und Bürger nicht zu stark belastet und dennoch die kritische finanzielle Lage im Auge behält!
Simon: Im Bundestag wurde kürzlich ein Rentenpaket verabschiedet, zugleich gibt es – auch aus jüngeren Generationen – Kritik daran. Wie siehst du die Debatte um Rente und Generationengerechtigkeit?
Daniel Ramers: Die aktuelle Rentendebatte zeigt sehr deutlich, wie schwierig es ist, soziale Sicherheit und Generationengerechtigkeit miteinander zu verbinden. Für mich ist klar: Wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss sich auf eine stabile Rente verlassen können. Das ist eine Frage des Respekts gegenüber der Lebensleistung vieler Menschen. Gleichzeitig verstehe ich aber auch die Sorgen meiner Generation. Viele junge Leute fragen sich, ob das System für sie später noch genauso verlässlich sein wird – und diese Frage ist absolut berechtigt.
Ich glaube allerdings, dass wir Jung und Alt hier nicht gegeneinander ausspielen dürfen. Das eigentliche Problem liegt im demografischen Wandel und darin, dass immer weniger Erwerbstätige immer mehr Renten finanzieren müssen. Deshalb brauchen wir langfristig Reformen, die die Finanzierungsbasis verbreitern: mehr gute und sichere Arbeit, höhere Erwerbsbeteiligung, qualifizierte Zuwanderung und faire Löhne.
Generationengerechtigkeit bedeutet für mich nicht, Leistungen zu kürzen, sondern den Sozialstaat so weiterzuentwickeln, dass er auch in 20 oder 30 Jahren noch trägt. Die Aufgabe unserer Generation ist es, Sicherheit im Alter zu erhalten und gleichzeitig Zukunftschancen für Jüngere zu sichern.
Simon: Auch beim Thema Wehrpflicht haben die Regierungsparteien zuletzt eine Entscheidung getroffen. Wie bewertest du diese Entscheidung und die grundsätzliche Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht?
Daniel: Die Entscheidung zur Wehrpflicht zeigt, wie sehr sich die sicherheitspolitische Lage in Europa verändert hat. Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist klar, dass Fragen von Verteidigungsfähigkeit und gesellschaftlicher Resilienz wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Ich halte es deshalb für richtig, dass die Politik diese Debatte ernsthaft führt.
Gleichzeitig bin ich skeptisch gegenüber einer einfachen Rückkehr zur alten Wehrpflicht. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen von heute unterscheiden sich stark von denen des Kalten Krieges. Entscheidend ist aus meiner Sicht weniger die Pflicht an sich, sondern die Frage, wie wir genügend gut ausgebildetes Personal für Bundeswehr und Zivilschutz gewinnen und gleichzeitig gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Eine mögliche Lösung kann ein moderner Gesellschafts- oder Freiwilligendienst sein, der sowohl militärische als auch zivile Bereiche umfasst und jungen Menschen echte Wahlmöglichkeiten bietet. Wichtig ist dabei, dass staatliche Erwartungen an junge Menschen immer mit fairen Bedingungen, guter Ausbildung und persönlicher Perspektive verbunden sind. Sicherheitspolitik darf nicht nur als Pflicht verstanden werden, sondern muss auch als gemeinschaftliche Verantwortung organisiert werden.
Zum Schluss – kurz & knapp
Lieblingsessen: Gebratener Lachs, Salzkartoffeln, Spinat und Spiegelei
Buch oder Artikel, der dich zuletzt beschäftigt hat: Fjodor Dostojewski – Schuld und Sühne
Film oder Serie: Podcast/Vodcast :D
Musikrichtung oder Künstler: Deutscher Indie / Rock
Simon: Danke für das Interview Daniel. Wir wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Motivation.
Daniel: „Wir trinken auf den JGV Freilingen mit einem dreifachen: Schluck – Hinein!“










