"Der 24-Zöller steht still..." - seit Montag, 15. Juni ist der Rollstuhl von Simon Hellenthal endgültig stehen geblieben. Simon verstarb viel zu früh nach einem kurzen, aber dennoch trotz seiner Krankheit sehr kreativen und ereignisreichen Lebens im Alter von nur 34 Jahren. Seit Juni 2010 und damit stolze 16 Jahre hat er bei WiF mitgewirkt. Vor allem seine interessanten Interviews bleiben uns als redaktionelles Vermächtnis. Daneben schrieb er aber u.a. auch ein selbst verlegtes Buch, ein Theaterstück und war in den sozialen Medien aktiv. Diesem vielfältigen Schaffen und seinem unbeschreiblichen Lebensmut widmeten Lukas Hellenthal und Dominic Sanz 2020 sogar einen eigenen, anrührenden Song: "24 Zoll", in dem der unbeschreibliche Lebensmut von Simon besungen wird. Auch ich verneige mich vor der Lebensfreude und Willenskraft von Simon und verabschiede mich von meinem "stellvertretenden Chefredakteur" mit einem kleinen, sehr persönlichen Rückblick auf sein Lebenswerk. Mach's gut Simon...Du wirst uns fehlen!

2010 war ein ganz besonderes Jahr für Simon.
Mit gerade einmal 18 Jahren hatte er für den Theaterwettbewerb des Eifelkrimi-Festivals "Criminale" einen Kurzkrimi verfasst, der von der Theatergruppe Freilingen am 27. Juni 2010 in Bad Münstereifel aufgeführt wurde und den 3. Platz erreichte (s. Simons Bericht). Das war gleichzeitig auch der Startschuss für seine Mitarbeit bei der Freilinger Internetseite.
Im Oktober 2010 veröffentlichte er außerdem sein erstes Buch im Eigenverlag, den Fantasyroman „Land der Mächtigen und Unbeugsamen“, in dem die spektakuläre, aber auch trügerische und nachdenkliche Geschichte eines fiktiven Landes in einer zerbrechlichen und gefährlichen Welt erzählt wird. Grund genug für WiF, sich mit diesem erfolgversprechenden, jungen Nachwuchsschriftsteller einmal näher zu unterhalten (s. Interview mit Simon)
Und es sollten noch viele Berichte über und vor allem zahlreiche lesenswerte Interviews und Artikel von Simon selbst folgen, z.B. das Interview mit dem Bundesliga-Torhüter Fabian Giefer, dem Landrat Markus Ramers, dem leider kürzlich verstorbenen Musiker Richie Hellenthal und zuletzt dem Nachwuchspolitiker Daniel Ramers.
Ein interessantes Gespräch führte er 2019 mit seinem Cousin Lukas Hellenthal. Anlass für dieses Interview waren dessen Stahlkunstwerke, die er mit seiner Firma "Blechbaron" vertreibt und damals erstmalig auf der Freilinger Veranstaltung Kunst im Garten ausgestellt hat. Was Simon damals noch nicht ahnte: Lukas, der gleichzeitig auch musikalisch höchst aktiv war, plante einen eignen Song über Simon.
Im Oktober 2020 war es dann so weit. Zusammen mit Dominic Sanz, einem alten Schulfreund von Simon und heute als Mitglied der Söhne Mannheims erfolgreich, veröffentlichte Lukas den Titel "24 Zoll" und begeisterte damit nicht nur Simon, sondern auch zahlreiche Musikfreunde (s. Bericht).
(einfach anklicken zum Abspielen des Videos)
Kein Wunder, denn das Lied geht unter die Haut. Es beschreibt das Leben und den Lebensmut eines jungen Mannes, bei dem bereits mit 4 Monaten die Krankheit Muskeldystrophie Duchenne festgestellt wird - eine muskuläre Erbkrankheit, die in ihrem Verlauf zu zunehmender Muskelschwäche und Bewegungslosigkeit führt, bis hin zu einer verkürzten Lebenszeit.
Besungen wird, wie Simon nach und nach in ganz jungen Jahren schmerzhaft erlebt, was diese Krankheit für ihn bedeutet. Im Kindergartenalter machen die Beine nicht mehr das, was sie sollen. Er tut sich schwer beim Treppensteigen und beim Laufen. Einfach wie andere Kinder durch die Gegend tollen geht da schon nicht mehr. Die Krankheit schreitet unaufhörlich und unerbittlich weiter voran. Doch Simon verliert weder sein Lachen noch seinen Lebensmut.
Wenige Jahre später sitzt er bereits im Rollstuhl. Dennoch versucht auch seine Familie alles, ihm das Heranwachsen so normal wie möglich zu gestalten. Für die Schule, an der er unter seinen Bedingungen 2010 das Fachabitur macht, nimmt er weite und beschwerliche Wege auf sich.
Trotz aller Umstände, der vielen krankheitsbedingten Rückschläge lässt sich Simon durch nichts entmutigen. Selbst als sein Vater schwer erkrankt und seine letzten Tage mit ihm auf seinem Zimmer verbringt, resigniert er nicht: er kämpft weiter, macht weiter, will mehr. In dem dazugehörigen Musikvideo (unbedingt anschauen), in dem Simon natürlich selbst mitwirkt und das inzwischen fast 40.000mal aufgerufen wurde, wird der einfühlsame Text in wunderbare Bilder umgesetzt (s. Video.)
Diese besungene Lebensfreude und Willensstärke beeindruckten auch andere und machten die Presse und den WDR auf ihn aufmerksam.
Und so bekam er 2019 nach einem großen Bericht im Kölner Stadtanzeiger über die besondere Arbeitsweise von Simon bei WiF Besuch von einem Kamerateam der Lokalzeit Aachen, das einen kleinen Film über den bewundernswerten jungen Mann drehen wollte...ein aufregender Tag (s. Bericht).


Natürlich kam dabei auch das Fußball-Trikot an der Zimmerwand von Simon zur Sprache, das 2014 eigens für ihn von Jürgen Klopp signiert worden war (s. Bericht).
Beeindruckt hat Simons unbeschreibliche Energie aber auch die Jury im Dorfwettbewerb 2022. Beim Landeswettbewerb, bei dem Freilingen die Silbermedaille gewann, konnte sich die Dorfgemeinschaft auch über einen Sonderpreis von der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege im Bereich Inklusion freuen, der für die Mitarbeit von Simon Hellenthal bei WiF verliehen wurde (s. Bericht). Eine ganz besondere Würdigung für Simon und seine Arbeit!
Besonders gewürdigt wurde er zudem vom Kreis Euskirchen im September 2021. Im Beisein der Bürgermeisterin der Gemeinde Blankenheim Jennifer Meuren wurde der Mitarbeiter von WiF vom höchsten Vertreter des Kreises Euskirchen, Landrat Markus Ramers für sein unermüdliches, ehrenamtliches Wirken mit der Auszeichnung "Ehrenamt des Monats" vor Ort in Freilingen ausgezeichnet (s. Bericht). Mehr als verdient!

Ja, lieber Simon. Es ist schon beeindruckend, was Du in Deinen jungen Jahren trotz Deiner Krankheit oder vielleicht auch gerade wegen Deiner körperlichen Einschränkung erreicht hast.
Du hast Dein Schicksal nie bejammert, es vielmehr angenommen. Dank Deines eigenen "Taxis" konntest Du an vielem teilnehmen und tolle Erfahrungen sammeln (s. Bericht).

Und Deine Ideen, Deine Kreativität und Deine Visionen hast Du auf Deine besondere Weise mitgeteilt. Damit warst Du ein großes Vorbild, auch für mich.
In einem umfangreichen Interview, das Du einmal mit mir geführt hast, haben wir 2020 gemeinsam auf 10 Jahre WiF zurückgeblickt (s. Bericht). Der Erfolg der Internetseite, lieber Simon, ist auch Dein Erfolg, auch wenn Du Dich immer mit dem stellvertretenden Chefredakteursposten zufrieden geben musstest (was Dich unheimlich geärgert, aber auch angespornt hat).
"Ich bin manchmal etwas gefrustet und gelangweilt und würde eigentlich noch mehr Artikel schreiben, am liebsten einen pro Monat und auch gerne in den Bereichen, wo es kontrovers und spannend ist und man vielleicht sogar manch einem ein wenig auf die Füße tritt", hast Du mir vor rund einem Jahr noch geschrieben.
Ja, Du hattest noch so viel geplant und Dich vor nichts gescheut. Dich interessierten vor allem das Dorfleben, was die Menschen so denken, wo ihre Probleme und Sorgen sind, welche Hobbies sie haben und welches Bier sie trinken. Dazu hattest Du geplant, eine Umfrage zu starten und das Ergebnis in Diagrammen darzustellen. Quasi ein Interview mit der ganzen Bevölkerung Freilingens. Das wäre wirklich sehr interessant und aufschlussreich geworden.
Außerdem wolltest Du unbedingt noch ein Interview mit FDH & Bums zu ihrem 25jährigen Band-Jubiläum machen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen.
Bis zuletzt wolltest unbedingt dazu gehören, dabei sein, wie vor kurzem noch auf der Freilinger Kirmes Anfang Mai.

Du wolltest Dich als Teil der Dorfgemeinschaft einbringen, auch wenn das nicht immer oder nur eingeschränkt möglich war.
Lieber Simon, Du warst Teil der Dorfgemeinschaft, und zwar ein ganz besonderer und Du wirst immer Teil von Freilingen bleiben, alleine durch Deine vielen Berichte auf WiF (ich habe ja immer zu Dir gesagt: "Archivarbeit ist am wichtigsten, sonst landen alle Berichte und Bilder in Vergessenheit").
So kann jeder jederzeit vieles über Dich und von Dir nachlesen und nachempfinden.
Du wirst uns fehlen...Du wirst mir und WiF fehlen. Wir waren ein tolles Team !!!
Mach's gut...
Deine Simone











