"Hast du einen Garten und eine Bibliothek, dann hast du alles, was du brauchst" - das war schon vor über 2000 Jahren dem römischen Staatsmann Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.) klar. Gerade in diesem Jahr kommt dieser Aussage eine ganz besondere Bedeutung zu, denn 2020 ist und wird auch wohl in den nächsten Wochen ein "Bleib zu Hause"-Jahr bleiben. Also macht man es sich vermehrt vor allem im eigenen Garten gemütlich. Wir haben uns gefragt, wie die grünen Wohnzimmer in Freilingen gestaltet sind. Worauf wird besonders Wert gelegt, welche Blumen bzw. Pflanzen liegen den  Hobby-Gärtnern am Herzen? In einer kleinen Serie stellen wir einige ganz besondere Gartenanlagen in Freilingen vor, die so ohne weiteres nicht von außen einsehbar sind. Dabei haben wir wunderbare Einblicke in die privaten grünen Wohlfühloasen erlangen können, die uns selber völlig überrascht haben. Den Anfang macht der Garten der Familie Ohrem. Sehr beeindruckend und nicht nur für Gartenliebhaber sehr interessant!

Weiter bestehenden Reisebeschränkungen und -warnungen sowie vielfältige Auflage für touristische Betriebe führen dazu, dass eine Vielzahl der Bürger den Sommer und damit auch den eigentlich geplanten Urlaub zu Hause verbringen werden bzw. wollen. Vielen wird jetzt bewusst, wie glücklich man sich schätzen kann, wenn man dafür auf ein zweites Wohnzimmer im Freien zurückgreifen kann: der eigene Garten. Die noch stärkere Besinnung auf das eigene Grün zeigt sich nicht zuletzt an dem regelrechten Kaufboom, den die Gartenbranche zu verzeichnen hat, vor allem auch bei Ausstattung und Equipment, die ein gewisses Urlaubsgefühl vermitteln sollen, z.B. Strandkörbe, Relaxliegen oder Gartenpools.

Wir haben uns gefragt, wie die Wohlfühloasen der Freilinger wohl aussehen mögen, auf welche Art man es sich bei uns im grünen Wohnzimmer gemütlich macht oder ob hier im ländlichen Gebiet wie früher üblich der Nutzgarten im Vordergrund steht, was dann auch den Ansturm auf die Hochbeete und vorgezogenen Gemüsepflanzen erklären könnte.

Dazu haben wir verschiedene Freilinger gebeten, uns ihre Gartenpforte zu öffnen und einen Blick in ihre zum großen Teil versteckt liegenden und nicht einsehbare Gärten zu gewähren. Dabei sind sehr unterschiedliche, aber in jedem Fall immer sehr beeindruckende Gartenanlagen zum Vorschein gekommen, die jeweils genau die Ansprüche der Gartenbesitzer erfüllen. 

In dieser kleinen Reihe möchten wir in einem digitalen Gartenrundgang diese außergewöhnlichen Gärten präsentieren, die alle Lust auf "Verweilen" machen und viele Ideen zum Nachgärtnern bieten. Vielleicht ist ja die ein oder andere Anregung für Sie dabei. Kommen Sie mit...

 

1. "Das Gesamtkunstwerk" - der neu angelegte, besser gesagt "komponierte" Garten von Brigitte und Dietmar Ohrem

Mein erster Besuch in fremden Gartengefilden führt mich in den ca. 650 m2 großen Garten von Brigitte und Dietmar Ohrem. Um in den hinter dem Haus liegende grüne Reich zu gelangen, muss man eine große Holztür durchschreiten, die den Garten zum Hof und damit zu Straße hin abschirmt, so dass nicht zu erahnen ist, was einen hinter der Absperrung erwartet. Was man dann tatsächlich dahinter erblickt, ist in seiner Ausgestaltung schon etwas ganz Besonderes. Dabei hatte die Geschichte des Gartens der Familie Ohrem eher einen recht unspektakulären Anfang.

Denn die beiden hatten sich nach dem Bezug des neuen Eigenheims in Freilingen im November 2013 zunächst einmal mit einer einem zugepflasterten Eingangsbereich und einer unebenen Grünfläche mit einem kleinen, überschaubaren Blumenbeet hinter dem Haus als Garten begnügt bzw. zufrieden gegeben. Doch das monotone Grün, das zur einfach gepflasterten Terrasse gerade abgegrenzt war, erschien ihnen schon bald dann doch zu langweilig. "Das sah irgendwie ziemlich stupide aus. Außerdem war mir der Rasen einfach zu buckelig". Brigitte wollte dagegen vor allen Dingen vor dem Haus etwas ändern, da dieser Bereich einfach zu eintönig erschien. 

Also besuchte man zur Anregung zunächst den ihnen bekannten Garten- und Landschaftsbauer Walter Schmitz. Der mehrfach ausgezeichnete Gärtner hat an seinem Betrieb in Reifferscheid einen 4.300 Quadratmeter großen Mustergarten angelegt, in dem vor allem die Themen Stein, Wasser, Licht und Glas unterschiedliche Rollen spielen und wo man Inspiration und Anregungen für den eigenen Traumgarten sammeln kann.  

"Ich habe keine Ahnung, wie die Blumen heißen, habe Walter aber gesagt, was mir gefällt und was ich nicht schön finde. Danach hat er 2018 den detaillierten Plan erstellt, in dem er viele eigene Ideen eingearbeitet hat. Wir sind uns natürlich nicht immer direkt einig geworden, aber am Schluss hat er uns dann doch meistens überzeugt".

Anfang Mai 2019 machte sich die Einsatztruppe des Landschaftsgärtners, die aus den verschiedensten Spezialisten für die unterschiedlichsten Gewerke bestand, an die Arbeit. Über mehrere Monate erstreckten sich die Arbeiten an dem Garten-Großprojekt und jeder, der in dieser Zeit am Haus der Familie Ohrem vorbei kam und die vielen Gerätschaften, Materialanlieferungen und Arbeiter beobachten konnte, fragte sich unweigerlich, was da wohl für ein gewaltiges Bauwerk entstehen sollte. 

Und tatsächlich war es einiges an Erd- und Steinbewegung, die während der sich bis November 2019 hinziehenden Gartengestaltung stattfand und die aus dem einst monotonen Grün hinter dem neuen Eigenheim der Familie Ohrem ein regelrechtes "Gesamtkunstwerk" entstehen ließen.

Der Weg durch die hölzerne Gartenpforte führt den Besucher direkt zu einem der Highlights des Gartens, dem Gartenteich, besser gesagt dem "Wasserschmuckstück".

 

"Der Teich war eigentlich gar nicht in der ursprünglichen Planung enthalten, weil wir kein Wasserelement im Garten wollten" so Dietmar. Doch bereits zu Beginn der Bauphase drängte der kreative und ideenreiche Gartengestalter die beiden Freilinger dazu, doch noch eine Umplanung vorzunehmen und einen Teich mit plätscherndem Wasserzulauf zu integrieren. Während Dietmar sich direkt mit dem Vorschlag anfreunden konnte, war Brigitte zunächst noch skeptisch, gab dann aber letztlich mit den Worten "Mat watt ihr wollt " nach. Bereuen tut sie diese Entscheidung heute nicht, im Gegenteil. Und es hat etwas ausgesprochen Entspannendes, auf der Terrasse zu sitzen und der natürlichen Geräuschkulisse zu lauschen. 

Und als wäre sie just für diesen Moment einbestellt worden, gesellt sich eine Besucherin zu uns an den Teich, in dem die Gartenbesitzer auch selbst in heißen Sommern Abkühlung suchen können. "Die Bachstelze kommt regelmäßig hier hin ans Wasser" berichten die beiden und erfreuen sich mit mir an dem munteren Tun des kleinen wasserliebenden Vogels, der sich nicht von uns stören lässt und genüsslich ein Bad nimmt. 

Direkt neben dem Teich erwartet den Besucher ein zweites imponierendes Gartenelement, ein steinerner Torbogen mit einer riesigen Spannbreite. 

Einen solches hervorstechendes Gartenelement in diesen Ausmaßen und Dimensionen hatte selbst der kreative Gartenbauer mit 30jährige Erfahrung vorher noch nicht errichtet. "Walter hatte die Idee für den Bogen schon länger im Kopf und wollte sie bei uns erstmalig umsetzen", erzählt Dietmar. Dafür war eigens eine riesige Schablone hergestellt worden, auf der die pass- und maßgenau angefertigten Steine eingesetzt und verklebt wurden. Vorher waren alle zu verbauenden Naturbausteine vor Ort aber noch einmal mit Hammer und Meißel beschlagen worden, um eine perfekte Optik zu erreichen, exakt so wie der "Meister" sich das vorgestellt hatte. Das Ergebnis spricht für sich und öffnet von der Terrasse aus einen Blick auf das dahinter liegenden "Gartenrund".

Der hintere Teil des nach Osten ausgerichteten Gartens besteht aus einem Rasenrondell, das von einem Rundweg aus Natursteingarten eingefasst ist, der wiederum von einer Beetkomposition gesäumt wird.

"Ich weiß gar nicht genau, was hier alles an Stauden und Sträuchern gepflanzt ist, aber Walter hat uns versprochen, dass immer etwas blüht, sowohl bei den Blumen als auch bei den Sträuchern und Bäumen", berichtet Brigitte, die sich bei unserem Rundgang durch den Garten mit seinen zum Teil außergewöhnlichen Pflanzen.

An den gerade aufblühenden kugelrunden Blütenköpfen des riesigen, langstielgen Zierlauchs (Allium) erfreut sich die stolze Gartenbesitzerin zur Zeit besonders. 

 

Wichtig war den beiden "Neu-Gärtner" im Hinblick auf ihren beruflichen Alltag vor allem aber auch, dass der Garten pflegeleicht ist. Dieses Kriterium hat der Gartenplaner in jedem Fall berücksichtigt und umgesetzt. Dutzende Meter Schlauch wurden verdeckt in den Beeten verlegt, um über ein professionelles Bewässerungssystem dafür zu sorgen, dass man sich in trocken Sommern keinen Gedanken über das tägliche Gießen im Garten machen muss. Der Rasen wird über verschiedene Sprinkleranlagen bewässert, die im Gartenboden eingelassen sind. Zusätzlich sind aber noch für alle Fälle Anschlussstellen für einen Gartenschlauch eingebaut, um allen Eventualitäten vorzubeugen.

 

"Morgens um vier Uhr schaltet sich die Anlage automatisch ein, wenn die Witterung es erfordert. Das ganze System wird über das Internet über eine WetterApp gesteuert, damit die Bewässerungsanlage nicht bei Regen läuft", erklärt mir Dietmar und demonstriert mir direkt vor Ort, wie er das ganze auch direkt über sein Handy einschalten kann. Ich bin beeindruckt.

Für die Bewässerungsanlage wurde zudem ein gesonderter, zweiter Wasserzähler installiert. "Dadurch brauche ich nur das verbrauchte Wasser zu bezahlen und nicht zusätzlich noch eine Abwassergebühr". Guter Tipp!

Um die Rasenpflege muss sich der "Gartenherr" natürlich auch nicht kümmern, dafür sorgt ein stiller Helfer in der Ecke, der ebenfalls automatisch seine Dienste tut. 

Damit man die gesamte Anlage auch in den Abendstunden genießen kann, sind überall im Garten spezielle Strahler eingelassen, die die verschiedenen Gestaltungselemente auch in dunklen Stunden entsprechend in Szene setzen. Dies gilt vor allem für die Teichanlage und die im Terrassenboden eingelassenen Glaskugeln, die von einem filigran gelegten, handverlesenen Kieselsteinbett umgeben sind. Hier wirklich alles durchkonzipiert. 

Auch jetzt, über ein halbes Jahr nach Fertigstellung des Gartens kommt Walter Schmitz hin und wieder nach "seinem" Gartenkunstwerk schauen und steht den Besitzern mit Rat und Tat zur Seite. "Ich bekomme dann auch genau erklärt, was man wie und wann schneiden muss", erzählt Brigitte und ist offenbar froh, eine solche Hilfe in Anspruch nehmen zu können. 

Es gibt ja auch noch eine Ecke im Garten, die noch nicht so richtig den Wünschen und Vorstellungen der beiden entspricht und das ist das Gartenhäuschen, um das der neue Garten quasi herumgebaut worden ist. "Farblich passt der Schuppen jetzt nicht in die Anlage, aber wir überlegen noch, wie wir das Teil farblich gestalten", weiß Dietmar anzumerken. 

Na, diesbezüglich haben die beiden dann wohl doch noch ein ganz eigenes Projekt im Garten zu verwirklichen, wenn man sich denn darauf einigen kann, welche Farbe wer von den beiden anbringen muss. 

Bis dahin genießt man aber erst einmal den Lieblingsblick durch den Gartenbogen auf die dahinter liegende Komposition und die in der Ferne zu erkennenden Obstbäume der Nachbarn, und das alles in einer wohltuenden Geräuschkulisse von einem bequemen Gartenstuhl aus.

Einfach herrlich...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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