"Verpasstes Jubiläum" - Eigentlich hätte das Vereinskartell Freilingen im letzten Jahr so etwas wie den 50. Geburtstag feiern können, da die Gründungsväter sich in seiner ganz ursprünglichen Form vor über 5 Jahrzehnten erstmals zusammengesetzt haben, auch wenn die offizielle Vereinsgründung erst später erfolgte. In unserer Reihe "Ein besonderes Ereignis in Freilingen..." möchten wir dennoch heute einmal auf die eigentliche Geburtsstunde des Vereinskartells Freilingen am 5. Juli 1970 blicken und damit auch einen Verein vorstellen, der in den letzten Jahrzehnten viel auf die Beine gestellt hat und trotzdem nicht jedem bekannt ist. Ganz nebenbei dann auch  "Herzlichen Glückwunsch" zu 50 +1 Jahren!

Kennen Sie das Vereinskartell Freilingen?

"Der Wert und die Bedeutung, vor allem aber die Wirkung und Durchlagskraft des Vereinskartells wird von vielen völlig unterschätzt".

Das schreibt Albert Luppertz, der leider 2016 verstorben ist, 2002 in der von ihm herausgegebenen Freilinger Chronik. Aber stimmt das heute noch so?

In der Reihe "Ein besonderes Ereignis in Freilingen..." möchten wir anlässlich des heutigen "Geburtstages" des Vereins einmal einen Blick auf das Vereinskartell werfen, das in den letzten Jahrzehnten viel auf die Beine gestellt hat.

Das Vereinskartell Freilingen (seit 2009 e.V.) ist eine Art „Dachverband“, dem heute noch insgesamt 5 Vereine angeschlossen sind: der Musikverein Freilingen 1952 e.V., die Freiwillige Feuerwehr Freilingen, der Dorfverein für Brauchtum und Kultur Freilingen, der Junggesellenverein Freilingen und der 1. FC Oberahr e.V.

Die Ursprünge dieses Vereins gehen auf das Jahr 1970 zurück - in die Zeit der jungen Gemeinde Blankenheim, die 1969 im Rahmen der kommunalen Neugliederung gebildet worden war und die kommunale Selbstverwaltung der bis dahin selbständigen Gemeinden und damit auch von Freilingen zentralisiert hat.

Diese Übertragung von Verantwortlichkeiten nach Blankenheim hatte auch den Zweck, die Entwicklung der zur neuen Gemeinde zählenden Ortschaften gleichermaßen voranzutreiben. Dies galt auch für die Vereinskultur.

Und so beschloss der neu gebildete Gemeinderat im Mai 1970, dass jeder Ort für seine Vereine einen jährlichen Pro-Kopf-Zuschuss in Höhe von 1 DM erhalten sollte. Voraussetzung war allerdings ein Antrag eines sog. Vereinskartells, also einem Zusammenschluss der Ortsvereine. Man wollte nämlich für die Mittelverteilung nur einen Ansprechpartner aus den Vereinen haben, um die Verwaltungsarbeit zu erleichtern und eine interne Mittelzuweisung zu ermöglichen. Wo es einen solchen Zusammenschluss noch nicht gab, sollten die Vereine mehrere Personen delegieren, die in einer gemeinschaftlichen Sitzung ein solches „Kartell“ gründen sollten.

Daraufhin fand am Sonntag, dem 5. Juli 1970, im Gasthaus ''Meiershof' um 10.00 Uhr eine Besprechung zur Gründung eines Vereinskartells statt, zu dem folgende Vereinsvertreter eingeladen waren: Johann Staub für den Sportverein, Albert Luppertz für den Moto-Cross-Club, Josef Dalboth für dem Musikverein und Hanni Krebs für die freiwillige Feuerwehr.

Grundsätzlich war man in den einzelnen Vereinen dem Ansinnen der Gemeinde gegenüber positiv eingestellt. Schließlich brachte es finanzielle Mittel in die Vereine und zum anderen würde sich eine gemeinsame Gestaltung der Dorffeste vereinfachen. Andererseits wollte jeder Verein doch seine Unabhängigkeit bewahren, vor allem was die eigene Kasse anging. 

Eingeladen zur ersten Versammlung der Vereinsvertreter hatte Josef Dalboth, dem das Schreiben der Gemeinde zugegangen war. Unter dem Tagesordnungspunkt Sinn und Zweck der Gründung des Vereinskartells wurde das Für und Wider dargelegt und in einer anschließenden freien Aussprache bei dem ein oder anderen Bierchen besprochen.

Albert Luppertz wurde zum Vorsitzenden gewählt, der den Schriftwechsel mit der Gemeinde erledigen sollte. Auch wurde der Entwurf der Statuten beschlossen. Eine offizielle Satzung wurde aber in der Folge nicht erarbeitet, so dass das Vereinskartell erst einmal als loser Zusammenschluss der Vereine ohne satzungsmäßige Bindung bestand. Das sicherte die eigene Unabhängigkeit, brachte aber die finanziellen Zuschüsse aus Blankenheim.

Man kam zusammen, wenn es etwas zu regeln gab, mehr aber auch nicht. Die Verwaltung bestand jedoch auf "geregelte Verhältnissen", zumal in fast allen Orten der Gemeinde die Kartelle schon vorher vorschriftsmäßig im Amt waren, nur eben in Freilingen noch nicht. Und so sollte auch in Freilingen das Vereinskartell ordnungsgemäß als Verein gegründet werden.

So traf man sich dann am 3. April 1977, um der Aufforderung und dem Druck der Verwaltung aus Blankenheim nachzukommen. An diesem Tag ging es um die Ausarbeitung und den Beschluss einer Satzung und die Neuwahl des Kartellvorstandes.

Für den Posten des 1. Vorsitzenden gab es diesmal gleich zwei Vorschläge bzw. Kandidaten: Josef Dalboth und Albert Luppertz, für die sich in geheimer Wahl eine Stimmengleichheit ergab: je fünf für jeden Kandidaten. Josef Dalboth verzichtete kurzerhand und überließ dem damls 34jährigen Albert Luppertz den Vorsitz, vielleicht auch deshalb, weil er Abitur und sogar ein paar Semester Theologie studiert hatte. Damit war er für einen Vereinsvorsitz und anstehende Briefwechsel mit der Gemeinde bestens geeignet. Nicht zuletzt wegen seines großen Engagements und seiner Heimatverbundenheit hatte Albert, obwohl er zwischenzeitlich in Köln wohnte, den Vorsitz dann bis 1999 inne  (ihm folgte nach seinem krankheitsbedingten Rückzug aus dem Verein Simone Böhm als Vorsitzende).

Einer der ersten Beschlüsse des nun offiziell gegründeten Vereinskartells war damals die Beschaffung von Fahnen, die man für die Freilinger Häuser organisieren wollte, um bei allen festlichen Anlässen wie z.B. Kirmes oder Wallfahrtsfest eine einheitliche „Beflaggung“ bieten zu können, wie man es in anderen Ortschaften wie Lommersdorf oder Dollendorf bereits erleben konnte. Aufgrund der über 600jährigen Zugehörigkeit zum Herzogtum Arenberg entschied man sich für die Farben der Herzöge Rot-Gold. Auf ein diesbezügliches Rundschreiben im Juni 1977 gab es zahlreiche Rückmeldungen, so dass insgesamt 41 Fahnen bestellt wurden und die Aktion ein voller Erfolg war.

Das sah hinsichtlich der Maßnahmen für den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ 1978 allerdings ganz anders aus. Eigens für die erstmalige Teilnahme und dadurch erfolgende Dorfbesichtigung hatte das Vereinskartell zahlreiche Baumpflanzungen in der Ortslage vorgenommen und mehrere Blumenkübel im Ort aufgestellt, um den Ort "aufzuhübschen". Insgesamt rund 1.500 DM ließ sich das Vereinskartells diese Aktion kosten. Trotz der vorgenommenen Begrünung und des „Verschönerungsversuchs“ verlief die Wettbewerbsteilnahme eher ernüchternd bis enttäuschend.

Nach einer zügigen Ortsbesichtigung traf man sich für die offene Schlussbesprechung ausgerechnet auf dem Friedhof. Dort musste sich die Freilinger Abordnung anhören, dass zwar Ansätze für ein schöneres Dorf vorhanden wären und auch etwas getan worden sei, es aber auch noch viel zu tun gäbe. Offensichtlich konnte die damalige Kommission unserem Ort nicht sonderlich viel abgewinnen und man versuchte auch gar nicht, den gewonnen negativen Eindruck zu verstecken.

Die Ernüchterung über dieses Urteil fiel besonders beim Vorsitzenden Albert Luppertz natürlich entsprechend groß aus, da man sich doch im Vorfeld so bemüht und finaziell ins Zeug gelegt hatte.

Albert gab zu Bedenken, dass unser Dorf von seiner Struktur her nie ein „schönes Dorf“ sein könne. „Wenn wir auch das längste Fachwerkhaus in der weiteren Umgebung haben, so fehlen dennoch Fachwerkhäuser im Straßenbild“, fügte er als Klarstellung gegenüber dem Bewertungsgremium an. Aber das änderte das Votum der Kommission nicht.

Auch der Hinweis auf weitere Vorhaben und Planungen seitens des Vereinskartells zur Verbesserung des Ortsbildes, wie der Bau eines Brunnes (der dann tatsächlich doch erst 2002 auf Betreiben von Erwin Mungen vom Dorfverschönerungsverein errichtet wurde), fiel auf kein positives Echo der Wettbewerbsdelegation, die damals anders als heute im wesentlichen nur die Baukultur und eine schöne Begrünung des Dorfes im Blick hatte.

Autowracks hinter Häusern, unaufgeräumte Bauernhöfe und fehlende Dorfbepflanzung waren Minuspunkte, die Freilingen damals trotz der Anstrengungen nur den 53. Platz bei 80 Teilnehmern einbrachte - zur großen Enttäuschung von Albert Luppertz. Das hielt den engagierten Vorsitzenden aber nicht davon ab, sich weiter für das Vereinskartell und damit für unseren Ort einzusetzen.

Im Laufe der folgenden Jahre nahmen die Aktivitäten des Vereinskartells immer weiter zu. 1980 beschloss man die Durchführung einer jährlichen „Altenfahrt“.

Bei der ersten Fahrt am 10.10.1984 in den Hirsch- und Saupark nach Daun, die Glockengießerei nach Brockscheid und das Kloster Mariental nahmen gleich 50 Senioren teil. Auch in den folgenden Jahren stieß dieses Angebot auf großen Zuspruch und es wurden viele interessante Fahrten durchgeführt, z.B. zum Schloss Burg an der Wupper in Wuppertal, zum Niederwald-Denkmal in Rüdesheim, zum Bundestag nach Bonn, in den Braunkohletagebau, die Landesgartenschau in Recklinghausen, die Gedächtnisstätte in Bastogne in Belgien u.v.m., immer mit abschließendem geselligen Beisammensein.

(Foto: Abschluss der Seniorenfahr im Bistro M&M1991, von links Gerta Riethmeister, Ria Beckmann, Anna Schwarz, Katharina Moroz, Helene Rosnowicz und Maria Peetz)

In den 80er Jahren führte das Vereinskartell Altpapiersammlungen durch, bot einen Tanzkurs im Saal Meiershof an und war einige Jahre an der Organisation und Finanzierung des „Altentages“ beteiligt, die später vom Pfarrgemeinderat übernommen wurden. Daneben befasste man sich auch mit anderen Dingen, wie z.B. der Gestaltung des ehemaligen Kinderspielplatzes neben dem Kühlhaus.

Trotz der vielen Aktivitäten des Vereinskartells hatte der Vorsitzende Albert Luppertz bis zu seinem Ausscheiden vom Vereinsvorsitz den Eindruck, dass die Leistung des Vereinskartells von vielen nicht hinreichend gewürdigt würde, zumal die Vereine nicht bereit seien, die ihre Eigenständigkeit hintenanzustellen, wenn es um die Aktivitäten des Vereinskartells ginge. „Gemeinsamkeit statt Einzelinteressen“ mahnte er damals mehrfach an „Was könnte dann alles im Dorf bewegt werden...“.

Gründungsmitglied Albert Luppertz würde wohl heute sehr erfreut sein, wenn er sähe, was für eine aktive „Gemeinschaft“ aus seinem fast 30 Jahre geleiteten Vereinskartell geworden ist.

Ob z.B. Kirmes-Mitorganisation, naturkundliche Wanderungen, Pflanzaktionen, Aufstellen der Dorfeingangstafeln, Dorfautoprojekt, Nikolaus to go, "Kunst im Garten" zusammen mit Michael Hermanns, St. Martins Zusammenkunft im Bürgerhaus und vieles mehr haben zu einem großen Angebot an Veranstaltungen und Aktionen in Freiligen geführt.

Besonders beliebt ist der 2008 erstmalig durchgeführte Adventskaffee (inzwischen als "Adventszauber" etabliert) im und vor dem Bürgerhaus mit großer Verlosung und dem Verkauf des gedruckten Jahresrückblicks der Freilinger Internetseite. 

Mit dem 2009 bis 2011 mit großer Einsatz des damaligen Ortsvorstehers Franz-Josef Giefer und vielen ehrenamtlichen Helfern zum „Vereinshaus“ umgebauten ehemaligen Kindergarten wurden Räumlichkeiten für eine unterschiedlichste Nutzung geschaffen.

 

(Einweihung Bürgerhaus 2011 mit FDH & Bums)

Mit der Internetseite „Wir-in-Freilingen“, dem kostenlosen Geschirrverleihservice Tischlein Deck Dich und vielen anderen Projekten und Veranstaltungen ist das Vereinskartell auch für die Zukunft bestens aufgestellt und hat damit im Jahr 2020 nach über 40 Jahren dann doch noch den Dorfwettbewerb auf Kreisebene gewonnen und die Teilnahmeberechtigung für den Landeswettbewerb erreicht.

Im nächsten Jahr geht dann die Landeskommission durch unseren Ort und bewertet das Dorf und die Aktivitäten in Freilingen für den landesweiten Vergleich. Eine große Herausforderung für Freilingen!

Wenn das Albert noch erleben könnte...er würde sich jedenfalls etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um unser Dorf und sein geliebtes Vereinskartell der Jury von der besten Seite zu präsentieren.

Na, er wird sicherlich zumindest für passendes Wetter sorgen...

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