Auch in diesem Jahr konnte die Theatergruppe Freilingen in der 19. Aufführung mit dem Stück von Bernd Gombold "Der Tyrann" wieder an drei Tagen am Wochenende vor Ostern das Publikum im Saal Meiershof begeistern. Dabei stellte das unterhaltsame Stück über die Machenschaften und Unarten eines herrischen Bürgermeisters vor allem die Hauptfigur Siegfried Bonzelet alias Gemeindechef Albert Babel zumindest vom Textumfang vor eine große Herausforderung, die er allerdings mit Bravur meisterte.

Die Rolle war ihm aber auch wie auf den Leib geschnitten: Siegfried Bonzelet konnte als herrischer und alle Fäden der Kommune in der Hand haltender Bürgermeister Albert Babel im Dreiakter alle Register seines schauspielerischen Talentes ziehen.

Dabei ist besonders hervorzuheben, dass er in den wenigen Probewochen sage und schreibe 262 Texteinsätze einstudieren musste. Wie konzentriert und überzeugend er trotz des großen Textpensums dennoch auch bei der Gestik in seinem Bühnenauftritt agierte, zeigte sich bereits bei der Generalprobe, bei der seine kleine Enkelin Luisa in Tränen ausbrach, weil bei einer handgreiflichen Szene der geliebte Opa es ordentlich um die Ohren bekam. 

Er hatte aber auch ansonsten einiges auszuhalten, denn der vom ihm verkörperte leidgeplagte Bürgermeister Babel muss einiges an unvorhergesehenen "Katastrophen" managen. 

Ausgerechnet an seinem 50. Geburtstag geht in seinem von ihm dominierten Rathaus, in dem er sich und seine Freunde auch aus der Gemeindekasse nach Belieben und eigenen Regeln bedient, alles drunter und drüber.

Und das, obwohl er eine neue Sprechanlage angeschafft hat, mit deren Hilfe er sein "Personal" noch mehr drangsalieren und kommandieren kann als sonst.

Vor allem die resolute, neugierige und überaus geschwätzige Putzfrau Rosalinde (Verena Biesen) stört das Gemeindeoberhaupt immer wieder beim Einstudieren der Festrede.

Und dann verrät sie ihm ganz neben der Staubwischerei auch noch, dass Tochter Lisa (Jana Reiferscheid), die genauso wie seine Frau Erna (Helga Kremer) im Rathaus für ihn kostengünstig arbeiten und seinen Kommandoton ertragen muss,

seit einiger Zeit mit dem Sohn des verhassten Bürgermeisters aus der Nachbargemeinde angebandelt hat.

Ultimativ fordert er seine Tochter auf, dieses Verhältnis noch am gleichen Tag zu beenden. 

Natürlich weigert sich Lisa und bekommt von ihrem zornigen Vater wiederholt vorgehalten, wie sehr er es wieder einmal bereut, nur eine Tochter und keinen Sohn zu haben. Denn mit einem Sohn gäbe es bestimmt keinen solchen Ärger.

Dank der zufällig eingeschalteten Sprechanlage hört Lisa durch Zufall im Büro nebenan allerdings von den "Sünden" aus Alberts Jugendzeit.

Denn beim wiederholten Anstoßen auf den runden Geburtstag erzählt der gelernte Handwerker seinen besten Freunden, dem trinkfreudigen Landwirt und Gemeinderatsmitglied Fritz Hoßbein (Hans-Georg Hellenthal) und dem stellvertretende Bürgermeister und geschäftstüchtigen Bauunternehmer Eugen Schäufele (Mario Maur) von seinen 25 Jahre zurückliegenden Abenteuern im nahen Osten. 

War er doch als frischgebackener Fließenlegermeister nach der Ausbildung bei "Kumme Ferdi" in jungen Jahren auf einer Großbaustelle in Saudi-Arabien, wo ihm ein Scheich als Gegenleistung für nebenbei geleistete handwerkliche Dienste bei der Errichtung eines Privatbades ein Leben in Saus und Braus ermöglichte. Dazu zählte auch die schöne Haremsdame Laila, die dem jungen Albert den Arbeitsaufenthalt in Saudi-Arabien verschönte.

Dieses "unvergessliche Erlebnis" aus seiner Jugend hätte Albert seinen Freunden besser nicht erzählt, denn Lisa dreht ihrem Vater daraus einen gewaltigen Strick! Ihr Freund Peter (Norbert Schnichels) schlüpft in das Kostüm eines arabischen Scheichs und gibt sich als Lailas Sohn aus.

Albert fällt aus allen Wolken, als der ihn als "Ali Papa" anspricht und hat den restlichen Tag alle Mühen, den vermeintlichen Nachwuchs zur Abreise zu bewegen und mit allen möglichen Tricks von seiner geplanten Geburtstagsfeier im Ochsen, zu der natürlich auch Landrat Günther eingeladen ist, fernzuhalten.  

Dem „Tyrannen steht bald das Wasser bis zum Hals, zumal die Putzfrau, die „schon seit 15 Jahren für allerlei brühwarmen Tratsch aus dem Bürgermeisterbüro sorgt, aufgrund missverstandener Äußerungen "Vater und Sohn" auch noch zu Waffenschiebern in gefährlicher Mission macht, was sogar die örtliche Feuerwehr auf den Plan ruft. 

Nun muss sein Freund Fritz ran, den er mit der Aussicht auf hohe Gewinne aus Ölförderungen des Scheichs auf Ländereien im "Wässerchen" zu einem kleinen Schauspiel überreden kann, mit dem der vermeintliche Sohn erst einmal aus dem Verkehr gezogen werden soll.

Als schöne „Sheherazade" verkleidet - ohne Beine bis zum Hals, dafür aber mit einem dicken Bauch dazwischen - soll Fritz den jungen Scheich unter den Tisch trinken.

Natürlich geschieht das Gegenteil und letztlich ist es das Gemeinderatsmitglied, das reichlich angeheitert auf der Couch des Bürgermeisterzimmers liegt und zu allem Verdruss nur noch herumsäuselt.

Natürlich löst sich alles vor der abendlichen Geburtstagsfeier dann doch noch alles in Wohlgefallen auf, als sich die dubiosen Verwandtschaftsverhältnisse aufklären. Albert Babel kann seine Frau nach allen Turbulenzen und Tyranneien zum Bleiben überreden

und statt eines Sohnes aus dem Orient bekommt er einen Schwiegersohn und die freudige Nachricht von der Schwangerschaft seiner Tochter.

Sogar seinen aus lauter Verzweiflung bereits an seinen Stellvertreter übertragenen Posten als Bürgermeister kann er am Ende dann doch noch behalten, allerdings nur, wenn der Kommandoton aufgibt. 

Das Kommando bei diesem turbulenten Stück, das sogar das Antlitz unseres Bundespräsidenten ins Wanken brachte,

hatte wie in jedem Jahr Heinz Ramers, der wieder ein gutes Händchen bei der Auswahl des Stückes bewiesen hat. 

Als Souffleure wirkten Hubert Schneider vor der Bühne und Reginal Koll im Hintergrund.

Dienst an der Eintrittskasse hatten Lena und Claudia Hellenthal, die auch für die Pressearbeit zuständig war.

Das Bühnenbild wurde wie immer detailgetreu von Dietmar Faber und Peter Reiferscheid gestaltet.

Ein herzliches Dankeschön an alle Akteure für ihren wochenlangen Probeeinsatz und die hervorragende Aufführung, die schon jetzt auf das Theater im nächsten Jahr hoffen und gespannt sein lässt.

Mehr Fotos, die dankenswerter Weise von Dirk Lohmann gemacht wurden, gibt es in Kürze in der Bildergalerie zu sehen.

 

 

Infobox

  •  Sa. 06.10./ So 07.10.: Muttergottesfest  
  • Sa 13.10.: Scheunenfest im Saal Meiershof

 

Letzte Kommentare

  • Michael, Freilingen-..., 1 Woche her Lesen
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