Eine ganz besondere Premiere ging in den Tagen rund um den Feiertag am 3. Oktober in Berlin über die Bühne: die erste gemeinsame Feuerwehrtour der Löschgruppen Lommersdorf und Freilingen. Am Rande der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit wurde passender Weise in der Hauptstadt auf ganz besondere Weise Gemeinschaftsbildung betrieben. Eine Feuerwehrtour für beide Wehren zusammen wäre vor Jahren noch niemandem in den Sinn gekommen, obwohl die beiden Ortschaften nur 1 km auseinander liegen. Doch es tut sich was in der "interdörflichen" Zusammenarbeit.  Nach einhelliger Meinung aller Beteiligten ein voller Erfolg!

 

"Diese gemeinsame Fahrt hat mir am Herzen gelegen", so der Kommentar von Siegfried Bonzelet, Kopf der Freilinger Feuerwehr zu der ersten gemeinsamen Feuerwehrtour der benachbarten Löschgruppen. 

Die Feuerwehrkameraden aus Lommersdorf und Freilingen werden zwar im Ernstfall zusammen alarmiert und rücken damit zu Einsätzen grundsätzlich gemeinsam aus. Doch bis auf größere Übungen und Zugübungen regeln beide Löschgruppen ihren normalen Feuerwehralltag getrennt. Jeder unterhält sein eigenes Fahrzeug im eigenen Feuerwehrhaus und auch der reguläre Übungsplan mit Knoten und Stichen, Fahrzeug- und Gerätekunde wird normalerweise getrennt durchlaufen. 

Doch auch die Feuerwehr kämpft mit Nachwuchsproblemen, so dass die Verantwortlichen einen genauen Blick auf die zukünftige Erhaltung und Entwicklung einer einsatzfähigen, starken Truppe haben und haben müssen. Hierbei spielen dann die Themen Kooperationen und enge Zusammenarbeit eine große Rolle. In einer Gruppe wie der Feuerwehr, in der sich der eine in besonderem Maße auf den anderen verlassen können muss, steht der Teamgeist dabei an vorderer Stelle.

Bereits Ende 2016 kam auf einer private Feier, auf der Feuerwehrkameraden aus beiden Orten zugegen waren, daher die Überlegung auf, die Löschgruppen aus den Nachbarorten im Rahmen einer gemeinsamen mehrtägigen Fahrt auch privat zusammenzubringen und damit das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. 

Da die Verantwortlichen auf beiden Seiten von der Idee einer ersten gemeinsamen Tour begeistert waren, wurden die Planungen schnell voran getrieben.

Der Vorschlag einer Bahnreise nach Berlin stieß tatsächlich in beiden Löschgruppen auf große Resonanz, so dass letztlich unter der Federführung von Kathrin Luxen, der besseren Hälfte des Lommersdorfer Löschgruppenführers Torsten Luxen, eine Fahrt für 66 angemeldete Teilnehmer (1/3 Freilinger, 2/3 Lommersdorfer) ausgearbeitet und organisiert wurde. Ende September 2018 konnte es dann losgehen. 

Im Vorfeld hatte Johannes Hilgers als Mitverantwortlicher der Freilinger Feuerwehr noch eine WhatsApp Gruppe ins Leben gerufen, über den dann alle 60 Chat-Teilnehmer über wichtige Daten, Fakten und Neuigkeiten wie Abfahrtszeiten, Sitzplätze und Tour-Programm zeitnah informiert werden konnten.

Dank dieser guten Organisation gelang es dann auch tatsächlich, am Sonntag, 30. September 2018 in aller Frühe ohne Probleme mit einer über 60 köpfigen, bunt gemischten Truppe aus Lommerdorfer und Freilinger Feuerwehrleuten mit Anhang vom Bahnhof Blankenheim-Wald aus nach Berlin zu starten. Beim Einfahren des Zuges wurde die Gruppe überraschenderweise sogar von einem winkenden Lokführer begrüßt. Stefan Franzen, selbst Mitglied der Freilinger Feuerwehr, hatte an diesem Tag Dienst und durfte die erste Strecke seiner Kameraden wenigstens bis Köln begleiten.

Die gute Stimmung hielt dann auch auf der Weiterfahrt nach Berlin an. Die Kommunikation war so lebhaft und angeregt, dass sich selbst Mitreisende und Bahnpersonal daran beteiligten und damit bereits die Hinreise zu einem ersten, unvergesslichen Highlight der Reise wurde.

Bei der Zimmerverteilung im Motel One Kurfürstendamm wurden dann sogar zwei gemischte Zimmer aus Lommersdorfer und Freilinger gebildet, so dass beste Voraussetzungen für eine Löschgruppenübergreifende Teambildung gegeben waren. Der Rest des Tages konnte allerdings erst einmal nach eigenen Vorstellungen für die Erkundung der Millionenstadt genutzt werden. Obwohl sich dadurch einzelne Grüppchen in alle Richtungen verteilten, stand man dank des Gruppenchats dennoch in ständigem Bild- und Textaustausch. 

Am nächsten Tag stand als erster gemeinsamer Programmpunkt eine Besichtigung des Reichstagsgebäudes an.

Aufgrund der Kontakte des Lommersdorfer Ortsvorstehers und Feuerwehrkameraden Herbert Daniels zum Bundestagsabgeordneten unseres Wahlkreises, Detlef Seif konnte mit dessen Hilfe für zwei Gruppen eine Besichtigung des Deutschen Bundestages organisiert werden. Im Rahmen dieses Termins erfuhr die Gruppe interessante Details über die Geschichte des Gebäudes, das zur Zeit 709 Sitze starke Parlament und den im Plenarsaal hängenden 2,5 t schweren Bundesadler, genannt "Fette Henne".

Anschließend konnte die 47 m hohe, gläserne Kuppel erkundet werden.

Nachmittags wurden ausgehend vom Alexanderplatz bei einer dreistündige Stadtführung bedeutende historische Plätze der Hauptstadt besucht. Passend zu den rund um das Reichstagsgebäude zu beobachtenden Aufbauten anlässlich des Tages der deutschen Einheit konnte man einiges über die wechselvolle Geschichte Berlins und ganz Deutschlands, die Zeit der Teilung und des Mauerfalls erfahren. 

Ein Teil der Gruppe nutzte dann im Rahmen der zur freien Verfügung stehenden Abendgestaltung dann auch das vielfältige Angebot der unter dem Motto "Nur mit Euch" stehenden 28. zentralen Einheitsfeier, die aufgrund der diesjährigen Bundesratspräsidentenschaft von Berlin drei Tage lang in der Bundeshauptstadt ausgerichtet wurde. 

Dabei konnte übrigens auch Blankenheim "entdeckt" werden: die Ortsschilder aller 11.040 Gemeinden des wiedervereinten Deutschlands waren in alphabetischer Reihenfolge auf dem Weg vom Brandenburger Tor bis hin zum Hauptbahnhof im kilometerlangen "Band der Einheit" auf dem Boden aufgeklebt. 

Der nächste Tag führte dann die Gruppe per Bus nach Brandenburg, genauer gesagt nach Wünsdorf, ca. 60 km von Berlin entfernt. Dort wurde die Eifeler Delegation vom ehemaligen Lommersdorfer Mark Illerich empfangen.

Mark hatte vor 17 zusammen mit seiner Frau Nicole, ebenfalls gebürtige Lommersdorferin, den Schritt in den Osten gewagt, um dort nach seinem Studium als junger Förster die Leitung des privaten Forstreviers Massow zu übernehmen. Das Revier mit einer Größe 6.700 ha Fläche befindet sich im im Besitz der rheinland-pfälzischen Familie von Hatzfeldt-Wildenburg, die in Rheinland-Pfalz, Thüringen und seit 2001 in Brandenburg eine ökologisch und ökonomisch ausgerichtete Waldwirtschaft auf einer Gesamtfläche von 15.058 ha betreibt. 

Als die Idee der gemeinsamen Berlinfahrt Konturen annahm, war man mit Mark und Nicole wegen eines Besuchs in Kontakt getreten, da die zwei sich immer wieder darüber freuen, alte Bekannte aus der Heimat wiederzusehen. Und die beiden hatten es sich tatsächlich nicht nehmen lassen, ein umfangreiches und perfekt durchorganisiertes Tagesprogramm für die große Feuerwehrgruppe auf die Beine zu stellen. 

Zunächst wurde die Waldbrandzentrale des Landesbetriebes Forst Brandenburg in Wünsdorf besucht. Dort erfuhr man von Forstwirt Knut Zwingenberg einiges über die Waldbrandbekämpfung in dem waldreichen Bundesland.

Ein Drittel aller Waldbrände Deutschlands ereignen sich in Brandenburg. Ursache dieser hohen Waldbrandgefahr sind nicht zuletzt die ausgedehnten, monotonen Kiefernwaldkulturen, die geringen Niederschlagsmengen und die leichten Sandböden, die nur ein geringes Wasserspeichervermögen besitzen. 

Das Land hat sich daher gesetzlich dazu verpflichtet, in den besonders gefährdeten Gebieten ein Waldbrandfrüherkennungssystem zu unterhalten. Während früher Waldarbeiter mit dem Fernglas von 133 Feuerwachtürmen aus die Brandenburger Wälder beobachteten, ist seit 2002 das kameragestützte Waldbrand-füherkennungssystem "Fire Watch" im Einsatz. Zur Zeit der Landesbetrieb Forst Brandenburg in 6 Waldbrandzentralen 109 Kameras auf alten Feuerwachtürmen, Mobilfunkmasten oder großen Häusern im Einsatz.

Mit 434 Waldbränden und 1.629 ha verbrannter Fläche hat Brandenburg in diesem Jahr ein Rekord in der Waldbrandstatistik zu beklagen.

Ein besonderes Problem für den 1,1 Millionen ha großen Brandenburgischen Wald ist, dass ca. 400.000 ha sog. Munitionsverdachtsflächen sind und das Land  damit den höchsten Anteil an kampfmittelbelasteten Gebieten in der Bundesrepublik Deutschland aufweist, bedingt größtenteils durch die starken Bombardierungen im 2. Weltkrieg und dem Umstand, dass in dieser Region Hauptkampflinien deutsch-sowjetischer Auseinandersetzungen verliefen.

Die Kampfmittelreste verstärken nicht nur die Brandsituation durch Explosionen, sondern erschweren auch die Arbeit der Feuerwehr, da die Brandlöschung auf diesen Flächen ein hohes Risiko für die Feuerwehrleute selbst darstellt. 

Nach diesem informativen Vortrag ging es dann direkt hinein in den Forstbetrieb Massow.

Zunächst wurde der im Revier gelegene 92 m hohe Zescher Weinberg besichtigt, auf dem seit 2013 nach alter, bis dahin vergessener Tradition tatsächlich durch den Weinberg Zesch e.V. auf 1.500 Reben wieder Wein angebaut wird. Im Rahmen einer Weinverkostung am sanierten Südhang des Weinberges konnte man einiges über die Schwierigkeiten des Weinbaus im sandigen Brandenburg erfahren.

Nach einer kurzen Wanderung durch das Forstrevier Massow standen dann an einer Blockhütte Kaffee und Kuchen im Fordergrund, zumindest für den Großteil des weiblichen Tourteilnehmer.

Denn für die technikinteressierte männlichen Teil der Gruppe wurde vor der kulinarischen Stärkung eine Vorfühung der reviereignen Brandbekäpfungstechnik geboten. Mark, der mit 2 1/2 Mitarbeitern die Waldbewirtschaftung organisiert, hat das Problem der Waldbrandgefahr insofern angehen müssen, als die Feuerwehren aufgrund der Kampfmittelbelastung bei Bränden offiziell nicht in die Wälder hineinfahren darf, sondern nur von befestigten Wegen aus löschen darf.

Daher hat der Betrieb ein eigens umgebautes, mit Löschtechnik ausgestattes Güllefaß angeschafft, mit dessen Hilfe 10.000 Liter Wasser zur schnellen Brandbekäpfung und Nachbrandversorgung von Glutnestern eingesetzt werden können. Zur Befüllung des Fasses dienen u.a. 12 Tiefbrunnen, die nach und nach im Revier gebaut wurden. Je 500 ha Waldfläche steht so eine Löschwasserentnahmestelle zur Verfügung. 

Anschließend stellten einige Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Baruth noch zwei ihrer Löschfahrzeuge vor, bevor es dann zum Abschluss des Tages zum Forsthaus ging.

Dort hatte die Familie Illerich bereits das Abendessen für die Freunde aus der Eifel vorbereitet: natürlich Wildschwein mit deftigen Beilagen. In der gut beheizten Scheune ließ man den Abend in gemütlicher Atmospähre mit vielen Gesprächen und dem ein oder anderen Bierchen ausklingen, natürlich nicht, ohne sich für die  herzliche Gastfreundschaft und die hervorragende Organisation des Tages zu bedanken. 

Am Tag der Deutschen Einheit trat die zumindest für vier Tage vereinte Feuerwehr wieder die Rückreise nach Lommersdorf bzw. Freilingen an. In einem war man sich bei der Rückschau auf die Tour in jedem Fall einig: dank der tollen Organisation war die Premiere des Gemeinschaftsprojekt ein voller Erfolg.

Wiederholung unbedingt erwünscht!

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankschön an alle an der Planung Beteiligten, vor allem aber auch an Mark und Nicole Illerich, die sich als wunderbare Gastgeber gezeigt haben.

Ein besonderer Dank geht natürlich auch an Kathrin Luxem, die wahrscheinlich für ihre hervorragende Organisation und vor allem die fürsorgliche Betreuung des Gruppenchats mit ihren Hinweisen auf Frühstücks- und Abfahrtszeiten und das erforderliche Schuhwerk mit der „Deutschen Feuerwehr Ehrenmedaille“ ausgezeichnet wird. Diese wird ja bekanntlich an Personen vergeben wird, die nicht aktiv der Feuerwehr angehören. 

Falls das nicht realisiert werden kann, bekommt sie von mir höchst persönlich den Titel "Feuerwehr-Mutti" verliehen...

Dann hoffentlich bis zum nächsten Mal!

Übrigens, sämtliche verdächtige und grenzwertige Bild- und Tonbelege dieser Tour wurden natürlich entsprechend der Datenschutz-Grundverordnung erst gar nicht erstellt oder unmittelbar nach Veröffentlichung in der WhatsApp-Gruppe gelöscht, oder Kathrin?

Infobox

  •  So 11.11.: St-Martins-Umzug, 18.00 Uhr Kapelle

 

Letzte Kommentare

  • Christoph Krämer, 5 Tage her Lesen
    Es ist für einige Ferienhauseigentümer...
  • Barbara Schröder, 1 Woche her Lesen
    Toll! Schön, dass es solche Gelder gibt...
  • Judith Maur, Freilin..., 1 Woche her Lesen
    Hallo zusammen,
    ich habe einen Satz...

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