Seit 2012 gibt es in Freilingen die "Bücherbude" auf dem Marienplatz, initiiert und betreut von Rosi und Michael Hermanns. Seitdem hat diese unkomplizierte Bücherausleihestation schon einiges erlebt, über das an dieser Stelle ein interessanter Bericht geschrieben werden konnte, u.a. die  Einweihung durch "Et Fussich Julche" und eine mangels erschienenem Autor improvisierte Open-air-Krimilesung mit einem ebenso gut besuchten "Nachholtermin". Nun gibt es eine weitere Geschichte über das Freilinger Literaturhäuschen bzw. dessen Inhalt, die unbedingt erzählt werden muss...

 

Freitagnachmittag, 16.04 Uhr...eine Zeit, bei der man in der Regel auf einer öffentlichen Behörde niemanden mehr antrifft. Umso verwunderter bin ich, als ich, im Rahmen der Kirmesvorbereitung in die nie endende Gartenarbeit vertieft, einen Anruf aus Mechernich erhalte.

Eine freundliche Stimme von der Stadtverwaltung meldet sich und ich überlege sofort, ob ich vielleicht bei meinem letzten Besuch in der ehemaligen Bergbaustadt falsch geparkt habe und natürlich unbeabsichtigt die Zahlung eines Ordnungsgeldes vergessen haben könnte, aber darauf würde man ja wohl kaum telefonisch hingewiesen.

Die nette Dame namens Andrea Fries ist tatsächlich beim Fachbereich 4 Ordnungswesen tätig, zuständig aber vor allem für Meldeangelegenheiten. "Kennst Du mich noch", fragt sie und beim näheren Hinhören kommt mir die Stimme dann auch ganz schnell bekannt vor. "Ach, natürlich, die Stimme ist eigentlich unverkennbar" antworte ich erleichtert, schließlich weiß man ja nie, was öffentliche Verwaltungen so alles von einem wollen.

Die Stimme gehört zu jemandem, der original Freilinger Wurzeln hat, genauer gesagt "Pauels"Wurzeln, da ihr Vater Willy Hellenthal von hier stammt. Er ist einer von 5 Brüdern und einer Schwester der Familie Hellenthal bzw. Pauels, einem ehemaligen, alteingesessenen Betrieb in der Seestraße, der auch gerne einmal für Großübungen der Freiwilligen Feuerwehr genutzt wird.

"Gibt es eigentlich in Freilingen noch die Bücherbude", möchte Andrea von mir wissen. "Natürlich", lautet meine Antwort und ich wundere und freue mich schon, dass sich jemand aus Blankenheimerdorf für unser umfangreiches, nutzerfreundliches Bücherangebot interessiert.

Gerade will ich wie immer ausschweifend von den Vorzügen und den Angeboten dieser wunderbaren Einrichtung schwärmen, da erzählt sie, dass sie bei der Verwaltung für das Meldewesen zuständig ist.

Im Wartebereich für diesen Bürgerservice befindet sich ein Bücherregal. Dort findet man allerlei Lektüre, in der man vor Ort schmökern, die man aber auch mit nach Hause nehmen und zu Ende lesen kann. Auch können Bürger dort ausrangierte oder gespendete Bücher abstellen, damit sich auch noch andere interessierte Leser daran erfreuen können.

Dort sei ihr ganz zufällig das Werk von Elisabeth Strout in die Hände gefallen.

Der Titel "Mit Blick aufs Meer" ist mir nicht bekannt, obschon offensichtlich laut des auf dem Cover aufgeklebten roten Zettels mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Auf der Vorderseite ist allerdings auch ein weiteres, weißes Schildchen zu finden: "Ich gehöre der Freilinger Bücherbude. Bitte bring mich nach Gebrauch dorthin zurück. Danke."

Offensichtlich stammt dieses Buch aus dem Bestand unserer örtlichen Ausleihe. Doch wie dieses Buch nach Mechernich in den Wartebereich des Einwohnermeldeamtes gekommen ist, können wir uns beide nicht erklären. Immerhin hat derjenige, der das Buch in der Bücherbude ausgeliehen hat, es in eine öffentliche Ausleihe zurückgebracht und nicht etwa bei ebay oder auf einem der zahlreichen Flohmärkte in der Eifel zu Geld gemacht oder schlimmstenfalls als Kaminanzünder zweckentfremdet, heutzutage ist ja alles möglich. 

Wieso steht ein Freilinger Bücherbuden-Buch in der Stadtverwaltung Mechernich? 

Da drängt sich mir nur eine Erklärung auf: ein Wink des Schicksals (immer wenn mir gar keine natürliche, wissenschaftlich fundierte Erklärung einfällt, bietet sich die berühmt, berüchtigte Vorsehung wunderbar als Argument, manchmal sogar als Ausrede an).

"Irgendwie haben sich wohl Deine Freilinger Wurzeln bemerkbar gemacht. Offenbar soll es so sein, dass Du auf die Freilinger Kirmes kommst, die an diesem Wochenende stattfindet", so meine Deutung des Umstandes, dass das Buch gerade ihr just vor dem höchsten Freilinger Fest in die Finger gefallen ist. 

Andrea lacht und scheint nicht so richtig von meiner Erklärung überzeugt zu sein. 

"Wenn Du jetzt auch noch die Freilinger Chronik in Eurem Bestand findest, dann kommst Du an einem Besuch in Freilingen wirklich nicht vorbei", so mein weiterer Versuch, sie zu einem Kirmesabstecher zu überreden.   

Den großformatige Band von Albert Luppertz über die Geschichte unseres Dorfes habe ich als Ortsvorsteherin im Rahmen der Einweihung 2012 feierlich zu den anderen Werken der Bücherbude gestellt, nicht ohne der Chronik vorher eine besondere Widmung verpasst zu haben.

Aber trotz der persönlichen Anmerkungen auf der ersten Seite und einem weißen Bücherbudenzettel auf dem Einband ist diese Ausgabe kurze Zeit später aus der Bücherbude verschwunden, leider dauerhaft. Selbst, wenn man dieses Dorfportrait intensiv studieren möchte, braucht man wohl keine 6 Jahre für die Lektüre der insgesamt 304 Seiten. Der Verlust dieses Buches ist umso ärgerlicher, als die Chronik nicht mehr erhältlich ist, da die komplette Auflage inzwischen vergriffen ist. 

Die "Langzeitausleihe" der immer wieder nachgefüllten Eifeler-Krimi-Ausgaben kann man ja vielleicht noch verkraften, zumal man ja bei einer solchen Form der unkomplizierten eigenständigen und eigenverantwortlichen Bücherentnahme immer damit rechnen muss, dass das ein oder andere Buch dem Leser so ans Herz gewachsen ist, dass er es dauerhaft in sein eigenes Regal einreihen möchte. Da die Bücher zum größten Teil kostenlos zur Verfügung gestellt wurden und uns immer noch Bücherspenden erreichen, kann die Auslage auch immer wieder nach- bzw. aufgefüllt werden.

Aber die Chronik ist wie gesagt nicht mehr erhältlich und dass sich ein stolzer Besitzer einer der übrigen Ausgaben davon trennt und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, ist wohl eher nicht zu erwarten.  

"Nein, bei uns ist die Chronik nicht aufgetaucht", höre ich zu meinem Bedauern. 

"Das wäre dann auch wirklich seltsam gewesen. Na ja, Deinen Zufallsfund kannst Du vorbeibringen, wenn es Dich noch einmal nach Freilingen verschlägt. Vielleicht findest Du ja doch noch Zeit, auf die Kirmes zu kommen", führe ich am Ende unseres Gespräches aus.

Andrea lacht. "Dann aber komme ich aber sicherlich erst einmal ohne das Buch von Elisabeth Strout. Die Inhaltsangabe klingt interessant. Das lese ich erst einmal selber, wenn ich darf und bring es dann nach der Lektüre zurück". 

"Natürlich, in der Freilinger Bücherbude darf jeder ein Buch ausleihen, wenn er es denn nach der zeitnahen Lektüre auch wieder zurückbringt. Selbstverständlich auch Blankenheimdorfer, erst recht mit Freilinger Wurzeln."

Aber vielleicht steckt ja doch eine Art Vorsehung dahinter, denn bei der Häusertaufe am Kirmesmontag wird genau besagter Pauels-Hof getauft, besser gesagt die Halle, die Ingrid und Helmut Reifferscheid vom nahegelegenen ebenfalls alteingesessenen landwirtschaftlichen Betrieb "Bu-esch" übernommen haben. Der einstige Traditionsbetrieb, der zuletzt unter der Regie des leider viel zu früh verstorbenen "Pauels Bernhard" stand, lebt damit irgendwie weiter.

Und der "Päuler", der garantiert in diesem Jahr das fantastische Kirmeswetter mit wolkenlosem azurblauem Himmel und sommerlichen Temperaturen organisiert hat, ist bestimmt irgendwo, irgendwie auch mit dabei. Schließlich war er immer mit Spaß und gute Laune zur Stelle, wenn es etwas zu feiern gab...

Da bleibt zum Schluss eigentlich nur eine Frage offen: Wo ist die Freilinger Chronik abgeblieben?

Vielleicht taucht die ja irgendwann einmal in einer öffentlichen Kölner Bücherausleihe auf. In der Domstadt tummeln sich schließlich genug ehemalige Freilinger, deren Wurzeln sie immer wieder in ihr Heimatdorf zurückbringen...

 

 

Infobox

  • Mi 27.06.: Sondermüll, 12.45-13.15 Uhr, Bürgerhaus
  • Sa 30.06 / So 01.07.: Seefest des Musikvereins  

 

Letzte Kommentare

  • K.-H. Scheven, 1 Woche her Lesen
    Hat sich erledigt.
  • Antonia, 1 Woche her Lesen
    hahahhahahahahahahahahahahah
  • Wolfgang Börs / Feri..., 4 Wochen her Lesen
    Sorry, die richtige Nummer lautet...

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