"Der Traum vom eigenen Haus..." - Endlich so wohnen, wie man es sich immer gewünscht hat. 80 % der Deutschen leben am liebsten in den eigenen vier Wänden. Besonders Familien träumen vom eigenen Heim mit großem Garten. Die Gelegenheit, diesen Traum zu verwirklichen, scheint günstig, denn die Zinsen sind derzeit noch niedrig und ein Haus zudem eine gute Investition in die Altersvorsorge, da die Mietpreise stetig steigen. Doch ein Hausbau will gut überlegt sein, schließlich gibt es viel zu beachten, damit der Traum nicht zum Albtraum wird. Wie sieht es bei denn "Häuslebauern" in Freilingen aus? Evi und Max Hierwimmer haben in den letzten Monaten ihren Plan vom eigenen Heim trotz der Turbulenzen auf dem Baumarkt realisiert und stehen nun kurz vor dem Einzug. In der Reihe "Im Gespräch mit..." haben sie WiF erzählt, was sie alles erlebt haben. Sehr interessant!

Wollen wir ein Haus oder eine Wohnung? Wollen wir bauen oder kaufen? Soll es ein Neubau oder ein altes Haus sein? Welche Ausstattung ist uns wichtig? Brauchen wir einen Dachboden und einen Keller?

Fragen über Fragen, die sich stellen, wenn man künftig in den eigenen vier Wänden wohnen will. 

Es soll Menschen geben, die über dem Bau ihres Eigenheims weiße Haare bekommen haben. Kein Wunder: Ein Haus in Eigenregie zu bauen ist eines der letzten großen Abenteuer. Die Planung ist aufwändig, die Finanzierung schwer kalkulierbar, die Koordination der einzelnen Baumaßnahmen und Gewerke kann einem den allerletzten Nerv kosten. Und auf der Baustelle muss ständig mit Überraschungen gerechnet werden – Fehler in der Planung, Probleme in der Ausführung, Verzögerungen, die den Zeitplan über den Haufen werfen. Unerwartete Kostensteigerungen. Das Familienleben ist während der Bauzeit eingeschränkt, wenn nicht sogar aufgrund mancher Probleme auf der Baustelle bealstet.

Als Bauherr hat man nicht unbedingt die größte Ahnung, trägt aber dennoch das ganze Risiko und die ganze zeitliche, finanzielle und körperliche wie psychische Bealstung. Ein wahres Abenteuer...

Doch der Lohn für all die Mühen ist ein Haus, in dem die eigenen Wünsche und Vorstellungen der künftigen Wohnkultur verwirklicht sind. 

Wir haben uns gefragt, wie es in Freilingen auf dem "Baumarkt" aussieht und wie es hier den "Häuslebauern" ergeht bzw. ergangen ist?

Auch in unserem Ort ist der Bauboom auf dem Land zu beobachten (nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie). Grundstücke sind heiß begehrt, gebrauchte Immobilien schnell vergriffen und auch die Ortsvorsteherin bekommt laufend Anfragen nach Häusern und Bauland. Und das alles bei explodierenden Preisen aufgrund der gestiegenen Nachfrage und der Wirtschaftssituation. 

Zwei, die es geschafft haben, tatsächlich ihren Traum vom Eigenheim zu realisieren, sind Evi und Max Hierlwimmer, die bisher mit ihren beiden kleinen Kindern in einem alten Haus in Freilingen zur Miete gewohnt haben und mit Anfang 30 dann doch in der Steinstraße ihre Vorstellungen von den eigenen vier Wänden realisieren konnten. WiF hat mit den beiden gesprochen. 

WiF: Wenn man aktuell in der Steinstraße an Eurem Neubau vorbeifährt, sieht alles schon so fertig aus. Seid Ihr eigentlich schon eingezogen? 

Evi und Max: Das ist die am häufigsten gestellten Frage der letzten Monate. Bisher noch nicht, wir planen, Ende Juni / Anfang Juli umzuziehen. Die Kinderzimmer, Küche, Badezimmer und Evis Nähzimmer sind schon einsatzbereit, in den anderen Räumen fehlen noch einige Kleinigkeiten, die wir gern vor dem Umzug fertigstellen möchten. Die “großen” Sachen sind soweit erledigt.

WiF: Wann habt Ihr mit den konkreten Planungen für Euren Hausbau begonnen?

Evi und Max: Eigentlich wollten wir gar kein neues Haus bauen, sondern ein (möglichst) altes Haus sanieren. Oberste Priorität hatte bei der ganzen Suche aber, dass die Immobilie in Freilingen liegen sollte. Das grenzte den Kreis an möglichen Häusern doch schon ziemlich ein. Nachdem unsere Anfragen bei vier Altbauten erfolglos blieben, freundeten wir uns allmählich mit dem Gedanken an, ein neues Haus zu bauen, welches dem regionaltypischen Baustil der alten Eifelhäuser folgt. Das war im Jahr 2016 (uns fällt gerade auf, dass das doch schon ziemlich lange her ist).

WiF: War es schwierig, ein passendes Grundstück zu finden?

Evi und Max: Das Finden eines passenden Grundstücks war nicht sehr schwierig, das Bekommen erwies sich dann allerdings als recht langwieriger Prozess. Der damalige Grundstückseigentümer besaß drei Baugrundstücke nebeneinander, die er für mögliche Neubauten seiner Kinder vorgesehen hatte. Dabei hatten wir das Glück, dass eines der drei Kinder sich bereits in einem anderen Dorf niedergelassen hatte und somit ein Grundstück “übrig” war. Im Dezember 2018 haben wir den Kaufvertrag unterschrieben und waren dann schließlich stolze Besitzer eines bis dahin heiß begehrten und umworbenen Baugrundstücks in der Steinstraße.

WiF: Wie und wo habt Ihr Euch über die mögliche Bauweise informiert?

Evi und Max: Im Rahmen eines LEADER-Projekts der RWTH zum regionaltypischen Bauen in der Eifel wurden die Merkmale der alten Eifelhäuser beschrieben, wo wir uns einige Inspirationen abgeholt haben. Außerdem besuchten wir diverse Informationsveranstaltungen für angehende Bauherren (Kreissparkasse in Euskirchen, Haustechnik Schmitz in Bolsdorf).

Auf der Architektensuche begegneten uns allerdings auch einige Vorschläge, die uns eindeutig zu weit gingen. Ein ernst gemeinter Vorschlag war, ein Haus aus Lehm und Stroh zu bauen, was uns dann doch nicht so zusagte.

WiF: Was war Euch bei den Planungen wichtig bzw. worauf habt Ihr besonderen Wert gelegt?

Evi und Max: Wir wollten mit unserem Neubau ein Haus bauen, das zumindest in seinem Grundriss regionaltypisch ist.

Durch die Veröffentlichung der RWTH Aachen entstand auch die Idee für den Grundriss unseres Hauses, nämlich einen Dreikanthof bestehend aus Wohnhaus und angrenzendem Nebengebäude (was heutzutage nicht mehr Stall und Scheune, sondern Garage und Haustechnikraum bedeutet) zu bauen. Der Eingangsbereich mit Haustüre und Glasfront ist an ein Scheunentor angelehnt, so wie man es häufiger bei restaurierten Bauernhäusern findet. Auch die zweieinhalbstöckige Bauweise mit verhältnismäßig kleinen Sprossenfenstern war früher weit verbreitet.

Bei der Heizungsanlage wollten wir (zumindest lokal) emissionsfrei sein, weshalb wir uns für eine Wärmepumpe mit Erdwärmetauscher entschieden haben. Im Gegensatz zur häufig angewandten Tiefenbohrung wollten wir (hauptsächlich Max) einfach mal was anderes probieren und haben in Eigenregie rund um unser Grundstück herum einen Grabenkollektor angelegt, durch den die Sole fließt.

WiF: 2016 hattet ihr also die erste Idee vom Bauen. Und wann war dann endlich der offizielle Startschuss für Euren Hausbau?

Evi und Max: Spatenstich war am 23.01.2020

WiF: Was waren denn dann die größten Herausforderungen bzw.Schwierigkeiten beim eigentlichen Bau?

Evi und Max: Wir hatten beide recht wenig Erfahrung mit dem Bau von Einfamilienhäusern (Anm. der Redaktion: Evi ist gelernte Krankenschwester und Max Maschinenbauingenieur) und haben uns aus Kostengründen dagegen entschieden, die Bauleitung extern zu vergeben. Dementsprechend waren uns viele Abläufe nicht bekannt und wir mussten uns erstmal ziemlich viel erfragen und nachlesen. Wir haben im Vorfeld intensiv mit unserem Architekten zusammengearbeitet und hatten bereits sehr detaillierte Pläne. Zu Baubeginn standen zum Beispiel schon alle Wand- und Bodenbeläge fest, Küche, Türen und die Bäder inklusive Armaturen und Klobürste ausgewählt.

Den Überblick über alle Gewerke zu behalten und dafür zu sorgen, dass Material und Handwerker zur richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge am richtigen Ort sind, war dann trotzdem nicht ganz einfach. Dabei haben wir aber sehr gute Hilfe von unserer Baufirma bekommen und auch einige alteingesessene Freilinger Handwerker hatten im Vorbeifahren oder -spazieren, quasi en passant immer wieder den ein oder anderen guten Vorschlag auf Lager, wie man doch diesen oder jenen Übergang realisieren sollte, welche Farben wie harmonieren und wie das früher gelöst wurde.

WiF: Wie sieht es mit der klassischen Eigenleistung aus? Konntet Ihr viel selbermachen, trotz Kinder und Job?

Evi und Max: Wir konnten einige Gewerke in Eigenleistung erledigen, auch durch fachkundige Anleitung durch Verwandtschafts- und Freundeskreis. Uns kam es sehr gelegen, dass im Rahmen der Corona-Pandemie das Freizeitangebot stark eingeschränkt war und unsere Helfer dadurch am Wochenende oft Zeit für uns hatten. Besonders haben unsere Väter mitgeholfen, die aufgrund ihres Ruhestands auch unter der Woche vieles erledigen konnten.

WiF: Wie schwierig war es, passende Handwerker zu bekommen?

Evi und Max: Das war tatsächlich weniger schwierig als erwartet. Wir konnten alle Gewerke “lokal” im Umkreis von 10 km vergeben. Dabei hat sicherlich auch geholfen, dass wir die meisten Handwerker persönlich kennen.

WiF: Wie lange hat dann die eigentliche Bauphase gedauert?

Evi und Max: Vom Spatenstich bis zum Richtfest vergingen 18 Wochen, danach ein Jahr mit viel Eigenleistung bis zum Stand jetzt.

WiF: Euer Hausbau fiel genau in die Corona-Zeit. Habt Ihr dadurch Verzögerungen oder Erschwernisse gehabt?

Evi und Max: Im Gegenteil, durch Homeoffice und Kurzarbeit hatten wir sogar mehr Zeit für die Baustelle als ursprünglich gedacht. Trotzdem wollten wir natürlich verhindern, dass es auf der Baustelle zu größeren Menschenansammlungen kommt und die Kontaktbeschränkungen galten ja auch für unser Vorhaben.

WiF: Habt Ihr während Eurer Bauphase den extremen Preisanstieg in der Baubranche schon zu spüren bekommen?

Evi und Max: Auch da hatten wir Glück. Der massive Preisanstieg kam erst, nachdem wir mit dem Gröbsten durch waren. Jetzt wartet nur noch eine Wand auf eine Holzverkleidung. Das hat aber auch noch ein bisschen Zeit.

WiF: Ihr habt ein großes Grundstück (stolze 2763 m²). Das Thema insektenfreundliche Gartenanlagen steht zur Zeit hoch im Kurs. Habt Ihr schon Planungen für die Gestaltung der Außenanlage?

Evi und Max: Für die Außenanlage existiert auch schon ein Plan. Besonders im hinteren Drittel des Grundstücks wird mit einer Wildblumenwiese und mehreren Obstbäumen Wohnraum für Insekten geschaffen. Bis wir da angekommen sind, wird aber noch etwas Zeit vergehen. Aktuell konzentrieren wir uns auf die Bereiche, die direkt ans Haus angrenzen.

WiF: Bei einem Hausbau kann man allerlei Überraschungen erleben. Manchmal sehen die Dinge umgesetzt anders aus als im Plan. Würdet Ihr etwas anders machen oder seid Ihr restlos zufrieden mit dem, was Ihr geschaffen habt und wie es gelaufen ist? Gab es irgendwelche besonderen Probleme?

Evi und Max: Wahrscheinlich gibt es keine Baustelle, auf der alles fehlerfrei läuft. So gab es bei uns auch hin und wieder mal kleinere Probleme, die aber alle gelöst werden konnten. Bisher ist uns zumindest außer ein paar Schönheitsfehlern zum Glück noch kein größerer Mangel aufgefallen.

Während der Rohbauarbeiten war Evi allerdings hochschwanger und brachte Anfang Juli 2020 unsere zweite Tochter zur Welt. Das war auch noch eine weitere, aber freudige zusätzliche Herausforderung.

Zum Ende des Jahres gab es außerdem zwei, zum Glück erfolglose, Einbruchversuche, die neben dem materiellen Schaden auch ein mulmiges Gefühl hinterlassen haben.

Wir sind dankbar, dass wir in der Bauzeit so viel Unterstützung erfahren haben (nicht nur auf der Baustelle, sondern auch beim Kinderhüten) und freuen uns jetzt auf die Zeit nach dem Umzug und die Häusertaufe 2022.

WiF: Was habt ihr während der Bauphase am meisten vermisst?

Evi und Max: In normalen Zeiten reisen wir sehr gern. Das konnten wir während der Bauphase nicht machen - wäre aber wegen Corona sowieso nicht gegangen. Daher fiel der Verzicht darauf nicht so schwer.

WiF: Welchen besonderen Tipp bzw. Ratschlag hättet Ihr für diejenigen, die jetzt planen, ein Haus zu bauen?

Evi und Max: Man wächst mit seinen Herausforderungen. Auch wenn man anfangs wenig Ahnung und Erfahrung hat, kann man mit ein bisschen Anleitung und Hilfe doch schon ziemlich viel selber machen.

WiF: Am Schluss wie immer am Ende eines Interviews natürlich unsere traditionellen 4 Fragen:  

Lieblingsessen:

Evi: Lasagne
Max: Maultaschenauflauf, aber eigentlich esse ich alles gern

Lieblingsmusik:

Evi: Little Lion Man von Mumford & Sons
Max: Apply Some Pressure von Maximo Park

Lieblingsfilm:

Evi: Wie ein einziger Tag
Max: Gran Torino

Lieblingsbuch:

Evi: Vom Winde verweht
Max: Kein bestimmtes, ich hoffe, dass ich nach dem Umzug wieder mehr Zeit zum Lesen habe

WiF: Vielen Dank für das aufschlussreiche und interessante Gespräch und viel Spaß beim Umzug!

Evi und Max: Gerne und danke!

 

 

 

 

 

 

 

 

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