"Hast du einen Garten, dann hast du alles, was du brauchst" -  Gerade in diesem Jahr kommt dieser Aussage eine ganz besondere Bedeutung zu, denn 2020 ist und wird auch wohl in den nächsten Wochen ein "Bleib zu Hause"-Jahr bleiben. Dadurch bekommt auch der eigene Garten noch einmal eine ganz besondere Bedeutung. Wir haben uns gefragt, wie die grünen Wohnzimmer in Freilingen gestaltet sind. Welchen Stellenwert hat der Garten überhaupt im Alltag? In einer kleinen Serie haben wir einige ganz besondere Gartenanlagen in Freilingen vorgestellt, die so ohne weiteres nicht von außen einsehbar sind. Dabei haben wir wunderbare Einblicke in die privaten grünen Wohlfühloasen erlangen können, die uns selber völlig überrascht haben. Im 6. und letzten Teil schauen wir gleich in zwei Gärten, nämlich in unsere eigenen - quasi in die Gärten von "WiF". Kommen Sie mit zu den Lieblingsplätzen von Simon und Simone...

 

Wenn man Gartenbesitzer fragt, welche Bedeutung der Garten im Allgemeinen oder im Speziellen hat, wird man sehr viele unterschiedliche Antworten erhalten.

Jeder stellt ganz besondere und individuelle Anforderungen an das private Grün und hat verschiedene Vorstellungen davon, wie und wozu der eigene Garten genutzt werden soll.

Dem einen geht es vorwiegend um Entspannung, Erholung und Freizeit, dem anderen vor allem um Schönheit und Gestaltungsmöglichkeiten, wieder andere legen größten Wert auf den ökologischen und gesundheitlichen Nutzen der Grünanlage für die tägliche Ernährung und, und, und...

Der Ausrichtung und Gestaltung eines Gartens sind letztlich keine Grenzen gesetzt und hängen von einfachen subjektiven Entscheidungen ab, nämlich was einem gefällt oder nicht, was einem wichtig ist und was weniger.

Gerade über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, zumal es vergeblich wäre, eine Diskussion über Vorlieben, Stilgefühle und ästhetische Empfindungen zu führen, da solche persönlichen und emotionalen Fragen für sachliche Argumente nicht unbedingt zugänglich sind.

Das gilt im gleichen Maße für die Gestaltung des eigenen Gartens, erst recht, wenn man einen Einblick in die "Geschichte" und den Hintergrund der Entstehung des Gartens erhält.

Mit dieser Gartenserien wollten wir nicht nur verschiedene, nicht unbedingt einsehbare Gärten in Freilingen vorstellen, sondern auch vermitteln, wieso die Gärten so wie sie gestaltet sind, eine besondere Bedeutung für die Besitzer haben: vom pflegeleichten "Gesamtkunstwerk" (Teil1), über den insekten- und vogelfreundlichen "Naturpark" (Teil 2), die reich bestückte "Gartengalerie" (Teil 3), den genussorientierten "Historien-Garten" (Teil 4) bis hin zum ländlichen "Selbstversorgergarten" (Teil 5). 

Welche Bedeutung hat der Garten für uns? Das haben wir uns während der Gartenserie natürlich dann auch gefragt, deshalb stellen wir im letzten Teil daher auch unsere eigenen grünen Wohnfühloasen und die Bedeutung für unseren Alltag vor: die Gärten von Simon und Simone.

Zum Abschluss unserer Serie machen wir damit einen kleinen (philosophischen) Rundgang bzw. Ausflug in die für uns persönlich ganz besonderen Lebensräume... 

 

Der Garten von Simon: 

Hinter dem Haus meiner Oma und unserem verborgen liegt unser Mehrgenerationengarten. 

Ich beginne meinen Rundgang durch den Garten in unserem Wintergarten. Dieser wurde 1997 von meinem Vater Frank, der Schreiner war, gebaut. Die Kacheln aus der Bretagne über der Tür zeugen vom Baujahr. Durch das blaue Ständerwerk, die weißen Fenster, Tür und Deckenbalken kommt irgendwie ein Griechenland Feeling auf. Gerade in der Übergangszeit ist der Wintergarten eine Oase. Wenn es draußen nicht so angenehm ist, können wir im Wintergarten schon ein Stück “draußen” genießen. Auch für Feste und gemütliches Beisammensein ist dieser Raum ideal. Viele Erinnerungen sind damit verbunden. Natürlich wird der Wintergarten auch für seinen eigentlichen Zweck, das Überwintern von Pflanzen und ganzjährig für mediterrane Pflanzen, genutzt.

Nun verlasse ich den Wintergarten und tauche endgültig in den “richtigen” Garten ein. 

Rechts von der Metalltreppe, die ich über eine mobile Rampe passieren kann, befindet sich ein lauschiges Eckchen mit einer blauen Bank und einem Schattenbeet, in dem Funkien, eine Haselnuss, eine Rose und ein Zierapfel wachsen. Links neben der Treppe steht eine Holzpalette, auf der diverse Topfpflanzen stehen, wie z.B. der Pflanzen-Nachwuchs und eine Rose.

Rosen spielen überhaupt eine große Rolle in unserem Garten und sind der ganze Stolz meiner Mutter Rita.

Namhafte Vertreter ihrer Art wie William Shakespeare, Honorine de Brabant, Reine Victoria, Charles de Milles, Rose de Resht und Madame Isaac de Pereire zählen dazu.

Durch einen Rosenbogen mit der Kletterrose Harlekin betrete ich unseren neuen, im Fischgrätenmuster gepflasterten Weg, der vorbei an einem geräumigen Sitzplatz in einem Heckenbogen mündet.

Dieser neue, befestigte Bereich im Garten erleichtert das Betreten und Fortbewegen für mich mit dem Rollstuhl enorm und wertet unseren Garten auf. Mit diesem Bauprojekt starten wir auch in eine neue gärtnerische Gestaltungsphase, in der noch einiges geplant ist.

Rechts vom Weg befindet sich ein Beet mit Rosen, Jakobsleiter, Rittersporn und prächtigen großen Buchsbäumen.

Bis jetzt blieb unser Garten zum Glück vom Buchsbaumzünsler verschont. Vielleicht auch, weil wir die Buchsbäume aus Ablegern selber ziehen und so nichts durch neue Buchsbäumchen von außen eingeschleppt werden kann.

Auf dem Weg zum Sitzplatz komme ich an einem unserer zwei Weißen Flieder vorbei, die herrlich blühen und einen tollen Duft versprühen.

Schräg dahinter befindet sich ein Beet mit Sträuchern, Blumen und als Besonderheit eine Klappernuss.

Schließlich kommen wir an den Sitzplatz, der halb von einer großen Buchenhecke umrahmt wird. Diese haben meine Mutter, mein Stiefopa Lambert und ich vor etwa 25 Jahren gepflanzt. Lambert hatte damals die ästhetische Idee, den Kompost auch mit einer Hecke zu umschließen und so zu verbergen.

Auf der Ecke vom Sitzplatz steht eine Felsenbirne, an der köstliche, kleine Beeren für Mensch und die vielen verschiedenen Vögel wachsen. Spatzen, Meisen, Rotkehlchen, Zaunkönig, wilde Tauben und verschiedene andere Vogelarten leben in unserem vogelfreundlichen Garten. Im Winter werden sie an verschiedenen Vogelhäuschen gefüttert und ganzjährig gibt es Vogeltränken.

Zu den gefiederten Gästen zählen auch Greifvögel wie Falken und Rotmilane. Ein Milan hat inzwischen die Angewohnheit, sich Mäuse, die unsere Katzen gefangen haben und uns als nett gemeintes Geschenk vorbeibringen, von der Wiese abzuholen... sozusagen “Maus-To-Go.”.

Auch unsere Katzen Minka und Mikesch fühlen sich sehr wohl in unserem Garten und haben ihn zu ihrem Refugium auserkoren.

Auf unserem Sitzplatz finden sich eine gemütliche Sitzgruppe, einige Blumentöpfe, z.B. mit einem Oleander, einer Feige und als Blickfang eine Feuersäulen-Laterne meines Cousins und Freilinger Metallkünstler Lukas Hellenthal.

Dieser Platz lädt einfach zum Verweilen ein und ist gerade im Sommer sehr schön für das ein oder andere Kaffeekränzchen prädestiniert. Schon einige tolle Feste mit Familie und Freunden, zuletzt auch mit meinem Pflegeteam, wurden hier gefeiert und mit dem neuen Sitzplatz werden hoffentlich noch einige dazukommen.

Begrüßt mit einem kleinen Willkommen-Schild durchquere ich schließlich den Heckenbogen und betrete einen anderen Teil des Gartens. Unsere Streuobstwiese.

Früher diente diese Wiese auch noch als Viehweide und reichte vor dem Pflanzen der Hecke wesentlich weiter Richtung Haus. Kernstück der Obstwiese bildet ein großer und alter Jakob Lebel Apfelbaum. Dieser wurde nach Erzählungen in den 1920ern bei einer Baumpflanzaktion von meinem Urgroßvater Philipp Hellenthal gepflanzt. Der große Apfelbaum hat schon Baumkrebs und Hohlstellen sowie Löcher in Stamm und Ästen, trotzdem blüht er jedes Jahr und trägt immer noch, wenn auch weniger, Äpfel. In den Löchern sind Vogelnester (eventuell auch Fledermäuse). Außerdem sind dort auch Grün- bzw. Buntspecht und Eichhörnchen aktiv.

Auf der Obstwiese stehen insgesamt 13 Hochstammbäume, Holunder, Rotblättrige-Haselnuss und eine Eberesche. Die Hochstammbäume sind alte und robuste Sorten, wie z.B. Hedelfinger Riesenkirsche, Roter Eiserapfel, Geheimrat Oldenburg, Landsberger Renette, Nancy Mirabelle, Birne’ Köstliche von Charneux, Viktoriapflaume und Hauszwetschke. Bis auf die drei großen alten Bäume direkt hinter der Buchenhecke haben meine Eltern alle Obstbäume im Laufe der Jahre selber gepflanzt.

Ich beende meinen Rundgang über die Obstwiese und mache mich auf den Rückweg zum Haus. Vorbei an einem kleinen Buchsrondell mit einem zur Eifel passenden Traktor-Windspiel komme ich zu einem geschützt in einer Ecke stehenden gut belegten großen Insektenhotel.

Von hier führt mich mein Weg entlang einer riesigen, uralten Buchskugel auf einen Plattenweg, an dem Brombeeren, Stachelbeeren, Rote und Schwarze Johannisbeeren sowie Himbeeren wachsen. 

Diese Beeren werden gerne direkt vor Ort gegessen, kommen frisch auf Kuchen, werden zu Marmeladen verarbeitet oder eingefroren. So stehen das ganze Jahr Vitamine aus dem heimischen Garten zur Verfügung.

Auf der anderen Seite der Beerensträucher steht das neue Hochbeet meiner Oma Marga, dass sie Anfang des Jahres von der Familie geschenkt bekommen hat und in dem schon Gemüse wächst. Früher war unser Garten ein typischer Eifeler Bauerngarten, wie ihn fast jede Familie im Dorf hatte. Links und rechts des dieses Jahr neu gemachten Weges lag ein großes Kartoffelfeld, das immer weiter verkleinert wurde, bis es schließlich ganz verschwand.

Schließlich beende ich meinen Gartenrundgang am Blumenbeet meiner Oma und ihrem Rosenbogen.

Ich bin wirklich dankbar, einen so schönen und großen Garten direkt hinter dem Haus zu haben. Gerade in einem Sommer wie diesem ohne große Ausflüge und Dorffeste, merke ich, wie gut es ist, sich in eine “Grüne Seelen-Oase” flüchten zu können.

Einfach mal alles vergessen. Nur den Vögeln und dem Rauschen der Blätter lauschen.

Denn wie sagte der Theologe, Philologe und Gelehrter des Renaissance-Humanismus, Erasmus von Rotterdam: “Dieser Ort sei dem ehrenwerten Vergnügen gewidmet, das Auge zu erfreuen, die Nase zu erfrischen und den Geist zu erneuern.”

 

 

Der Garten von Simone: 

Ich wohne mit meinem Mann Markus hier in Freilingen. Unsere drei erwachsenen Kinder haben das Haus und das Gartenhäuschen mit der Nummer 11 alle schon verlassen. 

Obwohl...eigentlich haben wir noch ein viertes Kind, das noch nicht erwachsen ist und es voraussichtlich auch in den nächsten Jahren noch nicht sein wird: unser Garten.

1996 um einen Neubau herum „geboren“, hat er schon sehr bald ersten grünen Wuchs gezeigt und Form und Gestalt angenommen. Aber bis heute ist er trotz intensiver Pflege, kreativer Bearbeitung und den verschiedensten „Erziehungsmethoden“ noch nicht er- oder besser gesagt ausgewachsen. Eigentlich stecken wir gerade in einer Hauptentwicklungsphase, quasi in der Pubertät, da der Garten im Moment seine größten Veränderungen erlebt, optisch wie inhaltlich. Das hat folgenden Grund:

Unser Haus steht auf einem ehemaligen Acker mitten in Freilingen, der zum landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern gehörte und an eine Maschinenhalle angrenzt.

Vor rund 35 Jahren hatte ich als junges Mädchen auf diesem 1700 m2 großen Gelände sogar schon einmal in einer kleinen Ecke, im Schatten zweier riesiger Wildbirnenbäume einen überschaubaren Nutzgarten angelegt oder besser gesagt, versucht anzulegen. Meine damaligen gärtnerischen Erfolge hielten sich aber erwartungsgemäß in Grenzen, nicht nur wegen der Lichtverhältnisse und der mehr als bescheidenen Anbaukenntnisse.

Als wir 1995 unseren Neubau errichteten, beschloss ich zunächst, nur ein Blumenbeet an der Terrasse zu pflanzen und das Grundstück mit einer langen Buchenhecke einzufassen. Damals wurde alles eingegraben, was wir aus anderen Gärten geschenkt bekamen (inklusive der bis heute noch nicht zu bändigenden Giersch-Ableger) oder an Straßengräben entdeckt wurde.

Nach und nach legten wir ein lange Blütenhecke und weitere Beete mit vielen Rosen, zahlreichen Buchsbaumkugeln und -hecken und vor allem auch Stauden an, die den unbestreibaren Vorteil haben, ohne allzu großen Aufwand jedes Jahr aufs Neue Freude zu bereiten.

 

Wundervolle Vorzeigegärten in den verschiedensten Gartenbüchern und Zeitschriften verführten dabei auch zum spontanen Erwerb im Staudenfachhandel nach rein optischen Gesichtspunkten ohne Berücksichtigung von Standortbedingungen.

Dass aber gerade auch unter Stauden ein großer Verdrängungswettbewerb besteht, den vor allem die schönsten und exotischsten Vertreter nicht unbedingt lange überleben, weil sie sich in unserem lehmigen Gartenboden und im Eifeler Klima einfach nicht wohlfühlen, ist mir dann allerdings auch nach und nach klar geworden.

Mit der Zeit lernte ich daher vor allen Dingen den Garten- und Kleintiermarkt in Kommern schätzen, der jedes Jahr am Muttertag stattfindet und auf dem man auch "standortgepüfte Pflanzen" aus Eifeler Großgärten von Privatleuten erwerben kann. Bei den Blumen u.a. aus dem Schleidener Höhengebiet konnte man sich hinsichtlich des Anwachsens und Gedeihens dann einigermaßen sicher sein. Vor allem die Pfingsrosen, Glockenblumen und verschiedene Storchenschnabelsorten haben sich mit der Zeit wunderbar eingefügt. 

 

Überall im Garten wurden verschiedene Laubbäume gepflanzt und einladende Sitzplätze geschaffen. Es kann ja schließlich immer einmal vorkommen, dass man zwischen den verschiedenen Gartenarbeiten einmal kurz rasten und genießen möchte. Von reinen "Nur so da"- Bänken kann trotz mancher süffisanter Bemerkungen einiger Gartenbesucher übrigens keine Rede sein.

Ein großer Bereich des Hausgartens wurde von Anfang an einfach als Rasenfläche belassen.

Diesen Teil des Gartens nutzten unsere Söhne mit ihren Freunden als „Spielwiese“, vornehmlich als Fußballplatz. Da immer wieder, natürlich ganz unbeabsichtigt, Bälle in meine Staudenbeete und vor allem in die geliebten Rosenblüten flogen, errichtete ich als Konsequenz zum Schutz und als „Grenzlinie“ eine Hecke quer durch den Garten. Dadurch ergaben sich zwei strikt getrennte Gartenräume mit unterschiedlichen Hoheitsbefugnissen. Ein Durchgang sorgte aber dennoch für eine gewisse Durchlässigkeit. 

Nachdem die Kinder das Haus und damit auch den Garten verlassen hatten, lag der „Kindergarten“ einige Zeit brach. Dann beschlossen wir, dem verwaisten Grünbereich neues Leben einzuhauchen und auf dem ehemaligen Kinderspielplatz einen Nutzgarten anzulegen.

Wir errichteten in den letzten beiden Jahren ein kleines Gewächshaus (für Tomaten und Gurken), um das herum wir Beete für die verschiedensten Kräuter, Salat und vor allen Dingen Erdbeeren abgrenzten und das über einen kleinen Laubengang mit dem Rest des Gartens verbunden ist. Das Fundament ist übrigens atombombensicher. 

Im Hinblick auf meine neue Begeisterung für diesen Gartenbereich fragen viele, warum ich denn dieses Projekt nicht schon viel früher umgesetzt habe. Die Antwort ist einfach: ich hatte aufgrund eines umfangreichen Berichtes in einer Gartenzeitung über englische Gewächshäuser vor über 20 Jahren eine klare Vorstellung, wie mein eigenes Gewächshaus einmal aussehen sollte. Das war förmlich Liebe auf den ersten Blick. Und wenn man nun einmal ein bestimmtes Bild im Kopf hat, dann fällt alles andere im Vergleich hinter runter und man wartet lieber mit der Entscheidung, auch wenn das manchmal recht lange dauern kann.

Aber jetzt konnte ich diesen "Traum" nach all den Jahren endlich realisieren und ich finde, das Warten hat sich gelohnt. Einen Namen hat das schmucke Häuschen übrigens auch schon: Aennches Jadehus (so heißt übrigens auch seit der Häusertaufe 1998 unser Haus, nach meinem Großvater, dem alten Ännches, der auf dem Grundstück früher seinen Garten hatte).

Hier am Gewächshaus befindet sich jetzt quasi der "Versuchsgarten", da der Anbau von Gemüse und Co. noch eine völlig neue Welt für mich darstellt. Aber man ist ja bekanntlich nie zu alt, zu neuen Ufern aufzubrechen. Und so komme ich mir zur Zeit vor, wie im ersten Schuljahr der Gemüsegärtner, in dem es vor allen Dingen lesen, andere fragen, ausprobieren, abhaken und noch einmal versuchen heißt.

Aber man lernt, auch kleine, bescheidene Erfolge zu schätzen und freut sich über alles, was da in irgendeiner Form wächst und gedeiht und darüber hinaus auch noch verzehrt werden kann. Gerade in Zeiten wie diesen gewinnt der "Selbstversorgungsaspekt" große Bedeutung und stellt sogar meine bisherige Stauden- und Rosen(vor)liebe etwas in den Schatten. 

Hinter dem Gewächshaus haben wir einen kleinen Streifen mit Himbeersträuchern an, die wir mit zahlreichen Erdbeerpflanzen unterpflanzt haben. Darüber freuen sich vor allem die vielen Vögel, die in unserem Garten und den hohen Bäumen um unser Grundstück herum ihr Quartier bezogen haben. Aber man muss auch gönnen können. Ich gönne mir dadurch vermehrt die frischen Kräuter, die bei uns sogar in einer alten Waschmaschine wachsen...

Wir haben für unsere Gartengäste auch einen eigenen, ausgefallenen Wasserplatz (eine geschätzt 80 Jahre alte Gusswanne aus meinem Elternhaus) zur Erfrischung zur Verfügung gestellt, der allerdings auch von unseren beiden Katzen hinreichend genutzt wird. Dort herrschen dann auch manchmal Verhältnisse wie in meinem Staudenbeet...

Erst vor kurzem kam ein Pavillon dazu, um auch in dem neu gestalteten Gartenbereich ausgiebig entspannen zu können, zumindest hypothetisch.

In diesem Zusammenhang habe ich mich sogar einmal an eine kleine Natursteinmauer gewagt, obwohl die Arbeitsbereiche im Garten bei uns normalerweise ganz klar verteilt sind: ich bind für die grobe Projektplanung und den Einkauf zuständig, Markus für die Umsetzung und Feinarbeit. Doch manchmal probiere ich auch hier Dinge aus...auch wenn meinen handwerklichen Fähigkeiten klare Grenzen gesetzt sind, nicht nur wegen meiner Ungeduld. 

Ungeduldig bin ich jedenfalls auch immer, wenn etwas neues gepflanzt wird. Ich kann es dann kaum erwarten, bis die Rosen tatsächlich die vielen Bögen im Garten erklommen haben oder neue Sträucher zum ersten Mal Früchte tragen. Aber so ist das nun einmal im Leben: alles braucht seine Zeit und "Gut Ding will Weile haben". 

Inzwischen haben sich beide getrennten Gartenbereiche im Vergleich zum Ursprungsgarten langsam aber dennoch beständig vollständig gewandelt.

Trotzdem sind wir noch nicht am Ende unserer Planungen, da wir beide ausgesprochen Gefallen am üppigen Gedeihen und den köstlichen Erträgen unseres neuen Gartens gefunden haben.

Im nächsten Jahr möchten wir daher noch ein größeres Beet für Kartoffeln, Möhren und Stangenbohnen errichten. Aber natürlich wird auch der „alte“ Bereich nicht vernachlässigt. Dort soll in einer kleinen verwilderten Ecke ein weiterer Pavillon errichtet werden, in den wir uns an kalten Tagen und am Abend zurückziehen können, so ist es jedenfalls geplant.

Es ist eben immer etwas zu tun oder besser gesagt: im Wandel und Wachstum.

Ich liebe diesen Garten...weil er unser Leben widerspiegelt und in allen Ecken Erinnerungen und Bilder der Vergangenheit stecken und er uns durch sein Wachstum und Gedeihen (auch das des Gierschs), aber auch alle seine Veränderung zeigt, wie schön und vielfältig das Leben und die Natur ist: gestern wie heute wie morgen.

Garten ist Leben...

 

Wir hoffen, unsere kleine Reise durch Freilinger Gärten hat Ihnen gefallen! 

Freilinger Infobox

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